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Video: „Körperwelten“ bis September im Leipziger Kohlrabizirkus

Robert Weigel
Lebst du noch, oder pokerst du schon? Dieses Exponat war schon im Bond-Streifen "Casino Royale" zu sehen.
Lebst du noch, oder pokerst du schon? Dieses Exponat war schon im Bond-Streifen "Casino Royale" zu sehen.
Foto: Robert Weigel
„Mein Ziel ist es, den Besuchern die wunderbare Komplexität des menschlichen und tierischen Körpers lebensnah aufzuzeigen.“ Mit diesem Satz versucht Plastinator Gunther von Hagens die Besucher seiner Ausstellung „Körperwelten – eine Herzenssache“ in den Leipziger Kohlrabizirkus zu locken.

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Bevor man aber zu diesen von Hagens' auf eine Leinwand geschriebenen Abschiedsworten vordringt, bietet die Anatomieschau, die erstmalig in den Neuen Bundesländern gastiert, eine Menge zu sehen. Den Menschen, zerlegt, zersägt und aufgeschnitten, bis ins kleinste Detail präpariert und in teilweise bizarren Posen aufgestellt. Und hier und da auch Tiere, obgleich die eher schmückendes Beiwerk sind.

Der eigentliche Star der Ausstellung, das Herz, pulsiert schon beim Betreten der Kuppelhalle aus den Boxen und begleitet Besucher während des ganzen Rundgangs. Der sei, so beschrieb es Angelina Whalley, Kuratorin und Eherfrau von Hagens', bei der gestrigen Pressekonferenz zur Ausstellungseröffnung, etwas sehr tiefgründiges: eine Begegnung mit sich selbst nämlich.

Und so dürften vor allem Sportler sich wieder erkennen, sind sie doch in vielerlei Ausprägung zu bestaunen. Zwei Läufer, die eigentlich nur ein Plastinat sind, übergeben einen Staffelstab, ein riesiger Radfahrer fährt ein riesiges Fahrrad. Eine Schwimmerin hängt halbiert in der Luft, zwei Fußballer begegnen sich beim Kopfballduell, ein Plastinat zeigt einen Badmintonspieler in Aktion. Es gibt Spagat, Seiltanz ohne Eingeweide, Schach, Poker und sogar einen Liebesakt im abgetrennten jugendfreien Raum.

"Eine Herzenssache" - Der Untertitel der Leipziger "Körperwelten"-Ausstellung
"Eine Herzenssache" - Der Untertitel der Leipziger "Körperwelten"-Ausstellung
Foto: Robert Weigel
Körperertüchtigung aller Art eben. Das mag in Teilen anstössig empfunden werden, ist aber hochinteressant und erfüllt den von von Hagens immer wieder erhobenen Anspruch der medizinischen Aufklärung in vollem Umfang. Und über allem schlägt das Herz, zeigt, dass man lebt und auch, dass Leben vergänglich ist. Da ist der Lebensretter, der eine Wiederbelebung durchführt, und der Herzchirurg, der versucht zu erhalten, was am Ende doch irgendwann versagen wird.

Von Hagens, der bei der Pressekonferenz hoch emotional von seinem Werdegang erzählt und dabei kurz die Fassung verliert, kann bei allen Kontroversen glaubhaft machen, worum es ihm geht. „Diese Ausstellung ist jetzt perfekt“, erzählt er und schwadroniert von post-mortaler Demokratie, wenn es darum geht, seinen Körper auf diese Weise der Nachwelt verfügbar zu machen. Auch er werde natürlich nach seinem Ableben so dargestellt werden, versichert er, und hofft, dass seine Gattin dann noch unter den Lebenden weilt, um dieses Werk zu vollbringen.

Ganz am Rande erwähnt von Hagens nicht von ungefähr die Nachahmer, die schon in Leipzigs Felsenkeller ausgestellt haben und nicht die gleiche Hingabe an das Objekt Mensch hegten. Fließbandarbeit nennt er das und der Blick auf seine Plastinate verrät, was er damit meint.

Man kann zu von Hagens' Arbeit stehen, wie man will, das Ergebnis seiner Plastination ist absolut beeindruckend und faszinierend. Und die Kontroversen darum? Ein deutsches Problem. Und eines der Medien. Einen „massiven Unterschied zwischen öffentlicher Meinung und veröffentlichter Meinung“ hat der Plastinator ausgemacht. Und einen eigenen Fehler eingestanden: In den USA berät eine Ethikkommission vorab über die Exponate. Dass das in Deutschland nicht geschehen sei, „war einer der größten Fehler.“

Plastinator Gunther von Hagens und seine Ehefrau und Kuratorin Angelina Whalley.
Plastinator Gunther von Hagens und seine Ehefrau und Kuratorin Angelina Whalley.
Foto: Robert Weigel

Besucherbefragungen aber, auch davon berichtet von Hagens, haben eine überwiegend positive Resonanz ergeben, zu über 90 Prozent. Und auch die Wissenschaft hat das Projekt „Körperwelten“ erst vor wenigen Tagen ausgezeichnet. In Köln durften Whalley und von Hagens den Health Media Award entgegen nehmen. Diese Auszeichnung von EEC-Network und der Stiftung Gesundheit ehrt seit 2008 herausragende Leistungen im Bereich der Gesundheitskommunikation. „Seit 20 Jahren setzt Dr. Gunther von Hagens als Erfinder der Plastination auf hochinteressante Visualisierungen von Körpern, Organen und Krankheiten und ein zeitgemäßes Marketing. Trotz aller Widerstände hat er sich am Gesundheitsmarkt behauptet und ist ein gefragter Ratgeber für die neue Ärzte-Generation. KÖRPERWELTEN betreibt erfolgreiche Wissenschaftskommunikation in der Tradition der Anatomen der Renaissance“, so das Jury-Urteil.

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„Körperwelten – eine Herzenssache“
4. Juni bis 12. September 2010 im Kohlrabizirkus Leipzig.

Öffnungszeiten:
Sonntag – Mittwoch 9 bis 19:30 Uhr
(letzter Einlass 18 Uhr)
Donnerstag – Samstag 9 bis 21 Uhr
(letzter Einlass 19:30 Uhr)

Ticketpreise:
Erwachsene: 15 Euro
Studenten, Senioren (ab 65) & behinderte Personen: 13 Euro
Kinder & Jugendliche: 11 Euro

Gruppenpreise (ab 10 Personen):
Erwachsene: 14 Euro
Studenten, Senioren (ab 65) & behinderte Personen: 12 Euro
Kinder & Jugendliche: 9 Euro
Schulklassen: 9 Euro pro Schüler

Kinder bis 6 Jahre haben freien Eintritt.

www.koerperwelten.de


 
Die "Körperwelten" zu Gast in Leipzig
Quelle: info tv Leipzig
VGWortLIZ


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