Video: Viele Baustellen beim Leipziger Kitaportal: Besserung ist in Sicht
Matthias Weidemann
09.09.2010
Vorstellung des Kivan-Projektstandes.
Foto: Matthias Weidemann
Man stelle sich vor: Ein toller Schlitten steht vor der Haustür, alle Raten sind bezahlt, das Ding ist technisch auf dem neuesten Stand, blitzblank gewienert, vollgetankt und doch will niemand so recht damit durch die Gegend brausen. Da denkt man sich doch: Halt, was ist denn hier los?
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Genau das fragte man sich auch bei der Stadt, als das Internetportal für Kita-Plätze www.meinkitaplatz-leipzig.de im Dezember 2008 den Kitas und Krippen vor die Tür gestellt wurde. Niemand wollte so richtig ran an das tolle Ding. Grund genug, um über die Gründe nachzudenken und den Schlitten zu überarbeiten. Am Donnerstag schließlich verriet man im Rathaus, was man anders machen will.
Anders ist schon mal der Name. Das System heißt jetzt KIVAN, also Kindertagesstättenverwaltungsanwendung. Sollte jetzt alles besser werden, dann wird es wohl zuletzt am neuen Namen liegen. Das Jugendamt nahm eine Auswertung vor und gewährte zugleich einen Ausblick auf die Perspektiven. Mit von der Partie waren Bürgermeister Thomas Fabian, Thomas Schmidt vom Jugendamt, Projektleiter für das Internetportal, sowie Dörte Winter vom Sprecherrat Freie Träger und Corina Neugebauer vom Diakonischen Werk.
Besorgter Sozialbürgermeister: Nicht alle Einrichtungen machen mit.
Foto: Matthias Weidemann
Bürgermeister Thomas Fabian resümierte noch einmal: „Mit dem Kita-Portal sind wir dem vielfachen Wunsch der Eltern nachgekommen, die Suche nach einem Kita- bzw. Krippenplatz zu vereinfachen. Die Nachfrage war sehr groß, wann kommt endlich das Kita-Portal, hieß es. Der Sache haben wir uns angenommen und wir wollten eine ausgereifte, anspruchsvolle Sache präsentieren, die den Abruf allgemeiner Informationen zur Kita-Angebotslandschaft in Leipzig ebenso ermöglicht wie eine zeitgenaue, vorausschauende Aussage zu freien Plätzen und eine mögliche Platzreservierung durch die Eltern via Internat. Die Wartelisten in den Kitas sollten abgeschafft, unnötige Wege bei der Platzreservierung vermieden und insgesamt mehr Transparenz bezüglich des Betreuungsangebots geschaffen werden. Ich denke, das ist auch gelungen und funktioniert rein technisch aus unsrer Sicht sehr gut. “
Das mag zwar sein. Aber die Versorgungsprobleme bei den Krippenplätzen wurden damit nicht gelöst. Das Angebot an Krippenplätzen in Leipzig ist trotz einer deutlichen Erhöhung der Platzzahl in den letzten Jahren knapp. Das liegt nicht zuletzt an den steigenden Geburtenraten. Zurzeit stehen neben 4.761 Krippenplätzen 1.731 Tagespflegesätze zur Verfügung. Die Tagespflegesätze sind allerdings bisher im KIVAN noch nicht präsent. Das soll aber nachgeholt werden.
Projektverantwortlicher Thomas Schmidt: Einige Fehler wurden ausgemerzt.
Foto: Matthias Weidemann
Ein weiteres Problem ist die komplette Integration von Kindertagesstätten in das KIVAN, räumt Bürgermeister Thomas Fabian ein: „Von 217 Kindertagesstätten sind bisher 148 über das KIVAN verfügbar. Mit einer ganzen Anzahl sind wir noch am verhandeln, bei anderen sehen wir eine Grenze erreicht.“ Mehr als gut zureden bleibt der Stadt auch derzeit nicht übrig. Bleibt doch die Weigerung an der Teilnahme für bestehende Einrichtung ohne Folgen. Thomas Fabian: „Da sind uns die Hände gebunden. Aber wir suchen nach Wegen.“
Anders sieht das bei entstehenden Einrichtungen aus. Deren finanzielle Unterstützung wird zukünftig von einer Beteiligung am KIVAN festgemacht. „Rückwirkend,“ so Thomas Fabian, „ist das leider nicht möglich. Aber wir arbeiten an einer Lösung.“
Das weiterentwickelte Kita-Portal wird vorgestellt.
Foto: Matthias Weidemann
An einer Lösung arbeitet man seitens des Projektes KIVAN auch im Jugendamt. Projektleiter Thomas Schmidt fasste den Handlungsbedarf aus Sicht der Eltern zusammen: „Die noch zu hohe Fehlerquote bei der Handhabung der Anwendung der Einrichtung muss gesenkt werden. Diese kann zu Fehlreservierungen führen. Wir müssen dem Verlässlichkeitsanspruch der Eltern bezüglich getätigter Reservierungen gerecht werden. Unser Ziel ist es, trotz aller Schwierigkeiten freie Träger, die maßgeblich mit öffentlichen Mitteln finanziert werden, im Elternportal zu integrieren. Das überarbeitete Elternportal wird über ein nach neueren Internetstandards gestaltetes Design und aktives Vorschlagssystem zu freien Plätzen verfügen. Eltern erhalten damit im Rahmen der Verfügbarkeit einen Reservierungsvorschlag, der den von ihnen gewählten Kriterien bei der Platzrecherche am nächsten kommt. Allerdings hat die Praxis auch gezeigt, dass ein vollständiges Abschaffen von Wartelisten in den Kindertagesstätten nicht realisierbar ist. Dies betrifft beispielsweise die Umsetzung des Betreuungsbedarfs von Geschwisterkindern.“
Dazu soll der Reservierungszeitraum in drei Monatsschritten von Oktober bis Dezember von drei auf sechs Monate erweitert werden. Auswirkungen wie eine längere Nichtbelegung durch langfristige Vorverträge sollen noch ausgewertet und gegebenenfalls bearbeitet werden. Zu den Argumenten der Einrichtungen, die sich nicht am KIVAN beteiligen wollten, meinte Thomas Schmidt: „Manche wollen den Belegungsprozess nur in der Einrichtung steuern und nicht über das KIVAN. Der Aufwand ist bei Annahme gerade in kleineren Einrichtungen angeblich zu groß und oft wird der Umgang mit moderner Technik in den Einrichtungen gescheut, was zu einer eher zögerlichen Haltung führt.“
Diesem Problem will man unter anderem mit entsprechenden Schulungen beikommen. Noch einmal wurde betont, dass das Elternportal als Alternative anzusehen ist. Nach wie vor kann man bei den Einrichtungen persönlich vorsprechen, was zum Beispiel natürlich für Eltern ohne Internetanschluss notwendig ist.
Ein Annäherungsprozess mit Fortschritten wird von Seiten der Freien Träger registriert. Corina Neugebauer vom Diakonischen Werk: „Wir sind jetzt zwei Jahre dabei und es hat viel Überzeugungsarbeit gekostet. Zwei Probleme haben sich dabei herauskristallisiert. Einmal die mangelnde Praxis mit „KIWAHN“, wie wir es scherzhaft nennen und dass viele Kitas zu klein sind, die Leiterinnen gar keine Zeit haben, sich mit dem System zu befassen. Und den Vorwurf, dass wir bei der Platzvergabe mauscheln, lassen wir nicht auf uns sitzen. Daran, Plätze lange frei zu halten, hätten wir gar kein Interesse, können uns das auch nicht leisten. Wir sind ja daran interessiert, die Einrichtung voll zu bekommen. Aber inzwischen ist die Kommunikation mit den Behörden gut.“ Bleibt also abzuwarten, wie die Verbesserungen bei allen Seiten ankommen.
 
Wie geht es weiter mit dem Leipziger Kitaplatz-Reservierungs-Portal?
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