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Video: Bebauung Gelände am Wintergartenhochhaus - Ergebnisse zu bestaunen

Ralf Julke
Gleich am Hauptbahnhof besitzt die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) ein Filetgrundstück. Man sieht's ihm nicht an: Seit fünf Jahren ist es ein umzäunter Parkplatz zu Füßen des Wintergartenhochhauses, das 2004/2005 saniert wurde. Hoch oben dreht sich das 8,50 Meter hohe Doppel-M der Messe.


Vor zehn Jahren gab es schon einmal Pläne, das Grundstück zwischen Wintergarten, Querstraße und Georgiring neu zu verplanen. Ein Kinobetreiber wollte hier ein neues Großkino bauen. Damals liefen auch die Experten noch herum, die laut verkündeten, Leipzig fehlten noch ein paar Großkinos. Die Idee zerschlug sich. Manche Ideen sehen blitzblank aus und sind trotzdem Unfug.

Eine Weile überlegten selbst die LWB ernsthaft, ob sie das 95 Meter hohe Wohnhochhaus mit seinen 32 Stockwerken erhalten wollen. Im Jahr 2000 durchaus eine nahe liegende Idee: Noch gab es keine handfesten Zahlen zum Bevölkerungswachstum in Leipzig. Noch liefen die Experten herum und priesen das Wachstum auf der Grünen Wiese. Manche Ideen sehen blitzblank aus ... Sie wissen ja.


Fünf Jahre später sanierte die LWB das Hochhaus und kann sich über Mietnachfragen für die durchaus extravaganten Wohnungen im Hochhaus nicht beklagen. Und damit rückt natürlich die Frage in den Vordergrund: Was passiert mit dem Gelände drumherum? Bis Ende der 1950er Jahre stand hier eine dichte Wohnbebauung, durch den Krieg kaum beschädigt. Sie musste erst weichen, als der junge Staat der bedauerlichen Arbeiter daran ging, die radikalen Stadtumbaupläne für eine "sozialistische Stadt" umzusetzen, in der auch die Abrisspläne der Stadtumbaumeister der 1930er Jahre wieder auftauchten, in denen die alten, dicht bebauten Vorstädte allesamt planiert werden sollten. Stattdessen sollte eine repräsentative Ringbebauung hochgezogen werden. Ein Hochhaus an der Ecke zur Wintergartenstraße war erstmals im Leipziger Generalbebauungsplan von Stadtbaurat Hubert Ritter aus dem Jahr 1929 aufgetaucht. Das war noch die Zeit, als Hochhäuser als Import aus den USA als etwas Zukunftsweisendes galten. Ritters "Ringcity"-Konzept wurde nie verwirklicht, liegt aber als Blaupause bis heute im Leipziger Planungsdezernat.

Und auch 1969 holte Frieder Gebhardt, der als Architekt für das Wintergartenhochhaus verantwortlich war, Ritters Plan aus der Schublade. (* siehe Anmerkung d. Red.) Fünf Jahre wurde gebaut. 1974 war man fertig. Nicht nur mit dem Hochhaus. In der zweigeschossigen Basiszone entstand nicht nur eine der modernsten Kaufhallen der Stadt, es entstand auch noch das Restaurant "Stadt Dresden", dazu eine Milchbar und sogar ein Kindergarten war drin.

Die Basiszone wurde 2004 mit abgerissen. Und jetzt stand - da die LWB das leere Grundstück gern vermarkten möchte, die Frage: Wie soll hier neue Bebauung aussehen? "Ein städtebaulicher Wettbewerb muss her", erklärte das Planungsdezernat. Sage und schreibe 161 Planungsbüros bewarben sich um die Teilnahme. 25 durften mitmachen - 13 erfahrene Bewerber, fünf junge Büros, denen man etwas zutraute, und sieben Büros, die man gezielt dazu lud.

Am Montag, 23. August, traf sich das Preisgericht unter Vorsitz des Berliner Architekten Volker Staab im Ringcafé. Und einer war zumindest baff, wieviele Lösungen es für ein solches Stückchen City geben konnte: Peter Stubbe, Geschäftsführer der LWB. Denn natürlich regt ein Parkplatz, egal wie hübsch die Büsche drumherum sind, nicht wirklich die Phantasie des gewöhnlichen Passanten an. Architekten aber bekommen glänzende Augen, wenn sie so eine Problemsituation vor sich sehen: links das erste in Stahlskelettbauweise errichtete Hotel Continental von 1908/1911 (jetzt heißt es Victor's Residence Hotel). Im Hintergrund die Gründerzeitbebauung an der Querstraße, ganz rechts die Plattenbauten aus den 1960er Jahren. Und mittendrin der Solitär, das Wintergartenhochhaus.

Da muss man nicht nur Sichtachsen überbrücken und Höhenunterschiede betonen oder ausgleichen, man muss auch die Baustile aus drei Jahrhunderte kombinieren oder nivellieren, muss neue Straßenkanten schaffen, wo keine sind, und gleichzeitig vermeiden, dass der Block einfach zugeklotzt wird.

Letzteres haben sich eigentlich alle Büros zur Aufgabe gemacht und unterschiedlichste Lösungen gefunden. Die Wettbewerbsarbeiten sind seit gestern alle in der 4. Etage des Neuen Rathauses ausgestellt. Natürlich auch die Beiträge der vier ausgezeichneten Büros, die einen Grundgedanken besonders konsequent umgesetzt haben: auch auf dem freien Baugrund mit Solitären zu arbeiten, mal mit drei, mal mit vier einzelnen Gebäuden, die sich mal um einen begrünten Innenhof gruppieren, mal neue Wegeverbindungen über das Gelände öffnen.

Die Bezeichnung "prismatische Solitäre" tauchen in der Begründung von Antja Heuer vom Architekturbüro Karo auf, die - stellvertretend für Volker Staab - die Juryentscheidung vor der Presse begründete. Was dann bedeutet: Die einzelnen "Solitäre" sind wieder recht offen in der Formgebung, verzichten auf strenge rechteckige Grundschnitte und auch entsprechend strenge Fassaden.

Besonders überzeugt war die Jury dabei von den Arbeiten der Büros Kuehn Malvezzi Architekten aus Berlin und KSG Kister Scheithauer Gross aus Leipzig. Wobei, so betont Leipzigs Planungsbürgermeister Martin zur Nedden, "die Fassadengestaltung nicht der Ausschlag gebende Faktor" bei der Kür war. Die könne sich durchaus ändern, wenn sich denn ein Investor findet, der das Grundstück entwickelt.

Denn darum geht es jetzt, da Stadt und Grundstücksbesitzer LWB wissen, wie die neue Bebauung strukturiert sein soll. "Jetzt geht es um die Wertermittlung für das Grundstück", sagt Peter Stubbe. "Die Ergebnisse des Ideenwettbewerbs werden wir auf der Expo Real ausstellen und auf die Suche nach einem Investor oder Projektentwickler gehen."

Die Expo Real findet vom 4. bis 6. Oktober in München statt. 2011, so hofft Stubbe, wird der Immobilienmarkt wieder in Schwung kommen. Dann sieht er gute Chancen, einen Investor für das Grundstück zu finden. Bis 2013, 2014 könnte das Projekt gebaut sein.

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Was ist los in Leipzig?
Alle Wettbewerbsarbeiten werden vom 27. August bis zum 9. September im Neuen Rathaus Leipzig, Stadtplanungsamt 4./5. Etage, öffentlich ausgestellt.

Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 8 - 18 Uhr, Freitag von 8 - 15 Uhr.

Weitere Informationen

www.lwb.de

* Anmerkung der Redaktion: Der städtebaulich-architektonische Entwurf (1967/68) zum Wintergartenhochhaus stammt von Horst Siegel gemeinsam mit Ambros G. Gross, Frieder Gebhardt, Hans-Peter Schmiedel und Manfred Zumpe. Entwurfsbearbeitung und Ausführungsplanung lag anschließend bei Frieder Gebhardt /Hartmut Stüber, Reinhard Vollschwitz, Achim Schulz und Friedhard Schinkitz.

 
Entwürfe für das Umfeld des Wintergartenhochhauses im Neuen Rathaus vorgestellt.
Quelle: info tv Leipzig

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