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Spaßvogel als Namenspatron: Grünauer Schule wird Joachim-Ringelnatz-Schule

Ralf Julke
Die 80. Schule in der Grünauer Allee 35 soll den Namen von Joachim Ringelnatz erhalten. Dafür sprach sich die Dienstberatung des Oberbürgermeisters in ihrer Sitzung am aus. Zu Zeit wird die Grundschule für 3,5 Millionen Euro komplett saniert. Die Namensverleihung soll daher nach Fertigstellung spätestens im Sommer 2008 stattfinden, auch wenn Ringelnatz mit Grünau eigentlich nichts zu tun hat.

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Die Schule wolle mit der Namensgebung die Verbundenheit von Joachim Ringelnatz mit der sächsischen Sprache und Leipzig würdigen, heißt es in der Begründung zur Namenswahl. Seine Verse und Gemälde böten viele Möglichkeiten, sich mit den Kindern auf eine Zeitreise und Spurensuche zu begeben. Da freilich tut die Schule schon: Über Exkursionen, Suchen von Zeitzeugen, Fächer übergreifende Projektarbeit, Ringelnatz-Lesestunden und Gedichtwettbewerben können die Schüler bereits ab der ersten Klasse an Leben und Werk des am 7. August 1883 in Wurzen geborenen Hans Bötticher herangeführt werden.

Sein Vater war kein anderer als ein gewisser Georg Bötticher, der als Musterzeichner in Wurzen zwar den Familienunterhalt verdient, aber als Verseschmied in sächsischer Mundart berühmt wurde. Vier Jahre später übersielte die Familie nach Leipzig. In die Straße "An der Alten Elster" in der Westvorstadt, wo Hans Bötticher seine Kindheitsjahre verbrachte, grauenhafte Schulerlebnisse hatte und 1901 froh war, weil ihm sein Vater eine Lehrstelle auf dem Segelschiff "Elli" verschafft hatte. Womit seine Seefahrerkarriere begann und auf wogendem Meer aus dem seereisenden Leipziger allmählich ein dichtender Seemann wurde, der sich später das Pseudonym Joachim Ringelnatz zulegte und mit Kuddeldaddeldu eine Gestalt schuf, die selbst Leipziger Grundschüler schon kennen. Später arbeitete Ringelnatz noch als Hausmeister, Bibliothekar, Balladendichter und Fremdenführer.

"Zu seinen literarischen Werken zählen Novellen, Gedichte und Verse für Kinder. Er hatte aber auch eine Begabung für die Malerei. Gemälde, Aquarelle und Federzeichnungen gehören zu seinen Hinterlassenschaften. 1930 zog er als Autor des Rowohlt-Verlages nach Berlin", teilt das Rathaus mit. Und verschweigt, dass der Umzug nicht freiwillig war: Ringelnatz floh aus der "Hauptstadt der braunen Bewegung". So etwas muss gesagt sein. Denn beim Humor, das hat sich ja herumgesprochen mittlerweile, hört für Diktaturen der Spaß auf. 1932 wurde noch Ringelnatz' Seemannstück "Die Flasche" in Leipzig uraufgeführt. Die Nazis setzten seine Bücher nach ihrer Machtergreifung sofort auf den Index. Er starb am 17. November 1934. Die Verwaltungsvorlage zur Schulbenennung wird voraussichtlich in der April-Ratsversammlung votiert.



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