Spatenstich über Leipzig-Lindenau: Sanierungsstart fürs Dach der Halle 14
Ralf Julke
20.12.2008
Spatenstich über den Dächern von Lindenau: alle Beteiligten am Sanierungsprojekt.
Foto: Ralf Julke
Da strahlt selbst ein Oberbürgermeister, wenn er anderen Leuten mal so richtig aufs Dach steigen darf. Am Freitag, 19. Dezember, durfte er's tun: mit dem roten Spaten bewaffnet – hoch über den Dächern von Lindenau. Termin für einen Spatenstich.
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Dergleichen findet in schwindelerregender Höhe auch in Leipzig eher selten statt. Die Halle 14 im Gelände der Baumwollspinnerei ist dafür auch ein echtes Ausnahmeobjekt. Das flache Hallendach ist nicht nur mit einer 20 Zentimeter dicken Kiesschicht bedeckt, über 100 Jahre hat sich hier auch der Ruß der Leipziger Luft abgelagert. Das ergab einen herrlichen Humus und im Sommer blühte hier eine farbenfrohe Wiese. Damit ist es 2009 vorbei. Denn das Dach der alten Produktionshalle, die eigentlich ein Industrie-Bau mit fünf Hallen-Etagen ist, ist undicht. Es regnet rein. Und für 815.000 Euro wird das Hallendach ab Anfang 2009 völlig ersetzt.
Der komplette Dachaufbau muss entsorgt, das Gesims muss ausgebessert und die Tragwerkkonstruktion muss saniert werden, damit die Halle mit ihren 20.000 Quadratmetern Nutzfläche bis Juli 2009 ein neues Dach bekommen kann.
Womit dann ein zentraler Baustein der Spinnerei endlich wasserdicht wird. Denn den zentral im Gelände gelegenen Bau hat sich die künstlerisch ambitionierte Stiftung Federkiel schon 2002 auserkoren, hier nicht nur alte Produktionshallen für überregional ausstrahlende Kunstprojekte herzurichten, sondern aus der Halle auch den zentralen Anlaufpunkt fürs aufblühende Spinnerei-Gelände zu machen.
Davon ist heute schon der erste Baustein zu sehen: das Besucherzentrum im Erdgeschoss, seit zwei Tagen beheizbar, mit Regalen für die geplante Kunstkatalog-Bibliothek, Informationswand, Beratungstresen und mehreren Schreibtisch-Arbeitsplätzen. Finanziert über ein EU-Förderprogramm.
Schon eingerüstet: Halle 14 in der Baumwollspinnerei.
Foto: Ralf Julke
Hier sollen Besucher der "Kunst-Fabrik" künftig alle Auskünfte bekommen, die sie brauchen, um sich in den Dutzenden Ateliers, Galerien, Kunst- und Gewerbeprojekten in der Spinnerei zurechtzufinden.
Etliche davon sollen auch in der Halle 14 selbst ihr Zuhause finden. „Wir hatten nie vor, das Gebäude allein zu bespielen", sagt Ute von Sydow, Projektmanagerin des Halle 14 e. V., der sich aus der Stiftung Federkiel ausgründete, um das gewaltige Gebäude überhaupt bespielen und verwalten zu können. Der Verwaltungsspaß wurde schon im letzten Jahr zum Ernst, als der Trägerverein mit Leipziger Baumwollspinnerei Verwaltungsgesellschaft mbH darüber verhandelte, wie die Sanierung der Halle 14 überhaupt zu bewerkstelligen wäre.
Dass es ohne Partner nicht gehen würde, war schnell klar. Die Stadt Leipzig würde mitspielen, Auch das war klar. "Von hier aus erwarte ich mir die Belebung eines ganzen Stadtteils", sagte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung gestern früh, als er der Halle aufs Dach steigen durfte. Der gemeinte Stadtteil ist Lindenau, wo nicht nur die Spinnerei als "Leuchtturm" steht, sondern wo auch der Lindenauer Hafen als wassertouristische Attraktion für eine Belebung sorgen soll. Am Mittwoch, 17. November, gab der Stadtrat Grünes Licht für die Entwicklung des Hafengeländes.
Ob's klappt, steht auf einem anderen Blatt Papier. Die Spinnerei als kultureller Tummelplatz hat jedenfalls noch Potenzial. Interessenten für weitere Spielflächen gibt es auch.
Und mit Mitteln aus dem Programm "Stadtumbau Ost" helfen auch Bund und Land, jetzt zumindest das Dach dicht zu kriegen. In zwei weiteren Bauabschnitten soll die komplette Halle aufgemöbelt werden. Dafür wird ein Finanzbedarf von weiteren 1,9 Millionen Euro erwartet. Ob man die bis 2011, wenn das Gebäude fertig saniert sein soll, auftreibt, bleibt offen. Da hält sich auch die Stadt Leipzig die Option offen, dann zu agieren, wenn die Gelder wirklich bereit stehen. Die Stadt gibt zwar nicht den größten Posten, aber – neben dem Eigentümeranteil der Baumwollspinnerei – ist es die nötige Schlüsselsumme, ohne die Bund und Land nicht im Boot sind.
Burkhard Jung nennt das, was jetzt zumindest fürs Dach spruchreif wurde, "ein großartiges Zusammenspiel, das viel Schweiß gekostet hat". Denn am Ende der wichtigste Baustein war die Organisation eines Beschäftigungsprogramms, mit dem die ARGE Leipzig für ein halbes Jahr qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Baugewerbe in Lohn und Brot bringt. Oder in amtsdeutsch formuliert: in AGHs. Das ist erst ab dem 1. Januar 2009 möglich. In den letzten 15 Monaten haben Regelungen der Bundesgesetzgebung verhindert, dass in Leipzig solche Projekte fortgeführt werden konnten, auch wenn sie vorher erfolgreich waren und Betroffene damit tatsächlich den Weg auf den ersten Arbeitsmarkt gefunden haben.
Fast fertig: das Besucherzentrum in Halle 14.
Foto: Ralf Julke
Reformen haben in Deutschland immer einen sehr papierenen Beigeschmack.
Jetzt kann die ARGE Leipzig das Beschäftigungsprojekt, dessen Leitung die LESG übernimmt, immerhin mit 370.000 Euro finanzieren. Und damit auch künftig öffentliche Gelder hilfreich eingesetzt werden können, hat Baumwollspinnerei ihr Angebot von 2002 verlängert und der Halle 14 die Gemeinnützigkeit für weitere 15 Jahre gewährt. Das heißt derzeit auch, dass alle Betriebskosten übernommen werden, was dann auch für Halle 14 e. V. und Stiftung Federkiel die Möglichkeiten erweitert, das Haus mit attraktiven Angeboten zu bespielen.
Der Spatenstich auf dem Dach der Halle war – wie immer – natürlich rein symbolisch. Der kurze Blick übers Lindenauer und Plagwitzer Dächermeer hat aber auch Burghard Jung entschädigt. Wenn jetzt kein urtümlicher Winter mehr einbricht, können die richtigen Dach-Schipp-Arbeiten im Januar beginnen.
Nächste Gelegenheit zum Besuch gibt es am 17. Januar 2009 zum Winter-Rundgang der SpinnereiGalerien.
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