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Rückzug ins Private: B-Plan mit “touristischer Infrastruktur“ für den Kulkwitzer See

Bernd Reiher
Die B-Pläne sehen mehr touristische Vermarktung vor: Kulkwitzer See.
Die B-Pläne sehen mehr touristische Vermarktung vor: Kulkwitzer See.
Foto: Bernd Reiher
Er war der erste Tagebaufolgesee Leipzigs, er gilt bei Tauchern aus ganz Deutschland als gern genommenes Revier, er hat einen der schönsten Campingplätze der Sachsenmetropole und er ist trotz aller neuen Ufer eines der beliebtesten Ausflugsziele der Messestadt: der Kulkwitzer See am West-End von Grünau.

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Momentan ist die Idylle perfekt, doch sie könnte bald eine eingeschränkte sein. Dann, wenn das umgesetzt wird, was jetzt noch Bebauungsplan heißt. Ganze zwei davon sind momentan in der Pipeline. Einer in Markranstädt. Ein anderer in Leipzig. Jener für die messestädtische Seite ist jetzt in einer überarbeiteten Variante aufgetaucht. Wer sich daran gar nicht erfreuen kann, sind die Leipziger Umweltschutzverbände NaBu, Ökolöwe und B.U.N.D. Sie haben auf das Bekanntwerden der neuen Version mit einer gemeinsamen Pressemitteilung reagiert. Sehen am Kulki das naturnahe Naherholungsgebiet in Gefahr.

Grund ist der B-Plan Nummer 232. Schon in einer früheren Meldung hieß es dazu, dass, wenn tatsächlich umgesetzt werde, was in diesem Entwurf steht, “aus dem Naherholungszentrum Kulkwitzer See ein Tourismus-Zentrum mit Tagungszentrum, mehreren Hotels und vielen Ferienhäusern“ werden würde. Das Problem ist kein neues: wieder einmal scheint es um bessere Vermarktung von Ufern zum Zwecke von Geld bringendem Tourismus zu gehen. Einhergehende Privatisierung öffentlicher Flächen inklusive.

Gerade letzteres aber scheint den Umwelt-Aktivisten besonders schwer im Magen zu liegen. Zwar sei es mittlerweile vorgesehen, “private Grünflächen“ als “touristische Infrastruktur“ für die Öffentlichkeit zu erhalten. Fraglich nur, wie lange das später Bestand haben wird. Die Naturschützer zumindest befürchten, “wenn die zahlenden Gäste sich über Belästigungen beschweren, werden die Investoren alles daran setzen, durch Zäune u. ä. nicht zahlende Anwohner auszusperren.“

Naturschutzverbände befürchten eine Privatisierung der Ufer.
Naturschutzverbände befürchten eine Privatisierung der Ufer.
Foto: Bernd Reiher
Bestes Beispiel der Kulki selbst. “Genau deshalb“, so die Umweltverbände, sei “den Grünauern der Zugang zur Campinghalbinsel und den Ferienhäusern durch Zäune“ verwehrt worden. Dass es dabei auch um den Schutz vor ungebetenen Gästen ging, steht auf einem anderen Blatt. Immerhin habe es damals laut Christian Conrad vom Bewirtschafter LeipzigSeen in kurzer Zeit eine Reihe schwerer Einbrüche in Campingwagen gegeben.

"Tagsüber ist das Tor offen, so dass auch der Strand erreichbar bleibt", fügte Conrad damals hinzu. Vergessen wird aber schnell, dass zwar das Tor offen, der Zaun aber nicht eingeklappt wird. Er ist auch am Tage eine deutliche Abgrenzung zwischen Camping-Dorf und Naherholungsgebiet. Dass zukünftige Investoren für ihre “touristischen Infrastrukturen“ nach ähnlichen Methoden suchen werden, ist vorprogrammiert. Erst einmal niedergelassen, gilt auch für sie das Prinzip des zufriedenen Gastes. Das zu ignorieren bedeutet im Beherbergungsgewerbe eine Gefährdung des gesamten Projektes.

B-Plan Nummer 232 bringt aber auch noch weitere Fragen auf den Tisch. Zum Beispiel nach den Übernachtungskapazitäten und einer Kosten-Nutzungs-Analyse überhaupt. Bebauungspläne für den Kulkwitzer See werden momentan nicht nur in Leipzig, sondern auch in Markranstädt erstellt. Abstimmung wäre nützlich, scheint es aber nicht zu geben. Was die Umweltverbände hier ausgemacht haben, ist ein Phänomen, das auch schon an anderen Ufern des Neuseenlandes aufgetaucht ist, “einen Wettlauf um Investoren und zahlende Touristen.“

Aber auch zunehmende Eingriffe in ökologische Nischen.
Aber auch zunehmende Eingriffe in ökologische Nischen.
Foto: Bernd Reiher
Wäre dem so, gräbt man sich momentan gegenseitig das Wasser ab, um im besten Falle den Kulkwitzer See mit zu vielen Angeboten zugepflastert zu haben. Die Naturschützer zu den Folgen: “Je mehr Angebote vorhanden sind, desto größer werden die Konflikte zwischen den Erholungssuchenden selbst.“

“Eine abgestimmte Planung zwischen Markranstädt und Leipzig“, so lautet denn auch eine der Hauptforderungen der Umweltschützer zu diesem Thema. Oberstes Ziel: “Das Gebiet um den See vorrangig als Naherholungsgebiet für die Anwohner zu entwickeln.“ Ferieneinrichtungen und Anlagen für zahlende Touristen durften nur zugelassen werden, “wenn sie die Naherholungsmöglichkeiten für die Anwohner weder beeinträchtigen noch diese stören.“ Dabei müsse die Natur am See erhalten bleiben. Englischer Rasen und Ziersträucher hätten mit artenreicher, freier Natur als Erlebnisraum für die Bürger nichts zu tun.

Vom Problem mit dem B-Plan 232 dürfte in den nächsten Wochen noch einiges zu lesen sein. Die. Losung von Ökolöwe, NaBu und B.U.N.D. dafür lautet: “Der See ist ein wichtiges Naherholungsgebiet für die Menschen die in seiner Nähe wohnen und das muss er auch bleiben.“

Mehr Kulkwitzer See: www.kulkwitzersee.com

Mehr Neuseenland: www.radioneuseenland.de


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