Marketing mit falschem Hebel: Trendsportwochenende am Kulkwitzer See
Bernd Reiher
10.06.2009
Surfer am Kulkwitzer See.
Foto: Elke Göbel
30 Jahre hat er auf dem Buckel, der Kulkwitzer See am westlichen Ende von Leipzig. Er hat alles zu bieten, was das Wasserherz begehrt. Und er ist eines der beliebtesten Naherholungsgebiete der Messemetropole. Der Kulki ist aber nicht nur als Badesee bekannt.
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Hier werden auch viele Sportarten praktiziert. Mitte Juni kommt eine weitere dazu: Eulen nach Athen tragen.
“Fun- und Trendsportwochenende“ wurde es getauft, ein Spektakel, das am 13. und 14. Juni gefeiert werden soll. Veranstalter sind der Landkreis Leipzig und die Stadt Markranstädt. Mit dem Ereignis sollen “unter professioneller Anleitung neue und bewährte Wassersportarten“ getestet werden können. Angekündigt sind “Wassersportarten wie Wasserski, Segeln und Tauchen, aber auch Trendsportarten“, wie Hindernisparcours, Bouncen, geländegängige Inliner, Bogenschießen und Quad-Fahren. “Kommen Sie vorbei, lassen Sie sich überraschen“, heißt es im dazugehörigen Flyer. Eine Überraschung gab es schon im Vorfeld. Vor allem bei der Frage, was das eigentlich soll.
Surfanlage am Kulkwitzer See.
Foto: Elke Göbel
Die stellte sich unter anderem den Kulkwitzer-See-Leuten Elke Göbel und Karl Heyde. “Warum Wasserski mit Motorbooten und einen Kletterpark auf dem Kulkwitzer See anbieten?“, fragen sie seit kurzem auf kulkwitzersee.com. Beides schon vorhanden und beides genauso wie Segeln und Tauchen seit Jahren in Kulkwitz bestens etabliert. Wozu also ein Trendfest, vor allem, wenn es nichts Neues bringt?
Gerade einmal 1,7 Quadratkilometer misst das Gewässer zwischen Markranstädt und Grünau. Nicht einmal halb soviel wie der Cospudener See. Wäre das anders, hätten Heyde und Göbel kein Problem. Der Kulki aber ist nicht nur sehr beliebt, sondern daran gemessen auch ziemlich klein. Gerade an den Sommerwochenenden wird es hier mitunter ziemlich eng. Das zusätzliche Spaßfest lässt Göbel und Heyde nun erschauert fragen: “Wo sollen die Segways fahren, ohne mit den reichlichen Wanderern und Radfahrern in Konflikt zu geraten?“ Oder: “Wo sollen die Reiter entlang reiten, wo es keine Reitwege gibt?“
Badelustige am Ufer des Sees.
Foto: Elke Göbel
Sie stellen fest: “Der Kulkwitzer See ist das Naherholungsgebiet für Grünauer und Markranstädter sowie Umgebung und somit ein nahtouristischer Ausflugsort.“ Den sie gefährdet sehen. Denn: “Der Kulkwitzer See ist bereits vielfältig erschlossen und wird derzeit schon intensiver genutzt, als es dieses Paradies verträgt.“
“Vorteilhaft wäre, wenn man auf die vorhandenen Qualitäten des Sees und seiner Umgebung aufmerksam machen würde“, so die See-Aktivisten weiter. Klares Wasser, ein naturnahes Umfeld und eine mit dem Bedarf gewachsene Infrastruktur gehören momentan noch dazu. Koordinaten, die schon jetzt über Gebühr strapaziert sind. Wer einmal im Sommer da gewesen ist, hat schnell registriert: Jede weitere Aktivität ist hier eine zu viel. Gerade, wenn der Mehrwert fehlt.
Göbel und Heyde meinen schließlich: “Bei den Planungen dieses Trendsportfestes fehlt gänzlich der Blick auf die Natur und die Wasserqualität des Sees.“ Der scheint den Machern zu wenig trendig.
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