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Bürgermeister-Müller-Haus: Die Initiatoren des Wiederaufbaus im Interview

Daniel Große
Jürgen Skoppek.
Jürgen Skoppek.
Das Bürgermeister-Müller-Haus in Knauthain wird gerettet. Nachdem die Landesdirektion Leipzig im Dezember 2008 erste Mittel für die Notsicherung des vom Verfall bedrohten Gebäudes zur Verfügung stellte, gehen die Planer jetzt in die nächste Phase. Das Konzept für den Wiederaufbau und die spätere Nutzung steht.

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Die Notsicherung wurde Ende Oktober abgeschlossen. Vordringlichstes Ziel ist jetzt die Sanierung des Dachstuhles und die Neueindeckung noch in diesem Jahr. Im Interview mit Daniel Große erklären Ulrike Kabitzsch, Bauingenieurin und Architektin, und Jürgen Skoppek, Geschäftsführer der GfB Sachsen, die Notwendigkeit des Erhaltes des Bürgermeister-Müller-Hauses.

Bürgermeister Müller-Haus nach der Sicherung.
Bürgermeister Müller-Haus nach der Sicherung.
Foto: 4und20.net / Daniel Große
In welchem Zustand befindet sich das Bürgermeister-Müller-Haus derzeit?

Ulrike Kabitzsch: Mit Abschluss der Sicherungsmaßnahmen vor wenigen Tagen können wir sagen, dass das Gebäude vorerst gesichert, der Verfall gestoppt ist. Unser erstes Zwischenziel haben wir erreicht.

Warum war es trotz des desolaten Zustands richtig, das Haus zu retten?

Jürgen Skoppek: Die Entwicklung objektspezifischer Nutzungskonzepte und Sanierung denkmalgeschützter Gebäude ist eine der Kernkompetenzen der GfB Sachsen. Somit lag es nahe, sich mit dem Gebäude und seiner Geschichte zu beschäftigen. Dies haben wir auf Anregung und mit Unterstützung von Frau Kabitzsch auch ausführlich getan. Als mittelbarer Nachbar haben wir den jahrelangen Verfall des Gebäudes ja mit ansehen können. Nachdem uns der historische Wert und die Bedeutung des Gebäudes nicht nur für die Stadt Leipzig bewusst wurden, haben wir den Ankauf realisiert. Wesentliche Voraussetzung für diese Ankaufentscheidung und unser Engagement war jedoch, dass ein schlüssiges, zukunftsweisendes Nutzungskonzept entwickelt werden konnte. Hierauf aufbauend werden alle zukünftigen Maßnahmen abgeleitet.

Ohne diese besonderen objektspezifischen Umstände und der im Vorfeld auch von der Stadt Leipzig und dem Regierungspräsidium zugesagten Hilfen und Unterstützungen wären wir jedoch nicht aktiv geworden. Das Gebäude war unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten aufgrund des baulichen Zustandes nicht mehr zu retten gewesen.

Dass die GfB Sachsen, gemeinsam mit den am Bürgermeister-Müller-Haus involvierten Fachplanern dennoch in der Lage war, die für die Sicherung notwendigen baulichen Maßnahmen erfolgreich durchzuführen, zeigt das nunmehr erreichte Zwischenziel.

Sie sprachen das Nutzungskonzept an. Wie sieht dies aus?

Ulrike Kabitzsch: Wir haben das Haus sehr umfassend und natürlich auch unter dem Aspekt zukünftiger Nutzungsmöglichkeiten untersucht. Im Vordergrund stand die würdige Erinnerung an den für die Stadt Leipzig bedeutenden Bürgermeister Dr. Carl Wilhelm Müller, der in diesem Haus geboren wurde. Als ein sehr aktiver Vertreter in der Zeit der Aufklärung gehen viele fortschrittliche Veränderungen in der Stadt in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf seine Bestrebungen zurück. Das möchten wir wieder ins Gedächtnis rufen.

Um das zu erreichen wird es einen Bürgermeister-Müller-Raum als ständige Ausstellung geben. Im Erdgeschoss werden eine Werkstatt für Buchkunst und ein kleines Café entstehen, ergänzt durch Ausstellungsflächen. Im Obergeschoss gibt es weitere Ausstellungsflächen sowie Räumlichkeiten für die Durchführung von Workshops und Veranstaltungen. Im Dachgeschoss wird eine kleine Wohnung für eine Buchkünstlerin eingerichtet.

Jürgen Skoppek: Wir glauben, damit sowohl der historischen Bedeutung des ehemaligen Patrimonialgerichtes als auch dem Wirken Müllers gerecht zu werden. Besonders wichtig ist es uns, das Haus als offenes Haus für die Leipziger und ihre Gäste zu erhalten. Aus diesem Grund wird die Leipziger Künstlerin Cornelia Därr mit dem Atelier für Buchkunst ihre Arbeit nach Abschluss der Wiederherstellungsarbeiten im Bürgermeister Müller Haus aufnehmen. Unter ihrer Regie sind regelmäßige Kunstausstellungen und die angesprochenen Workshops geplant. Die Räumlichkeiten können aber auch von Firmen, Vereinen und Privatpersonen für Veranstaltungen gemietet werden.

Jürgen Skoppek.
Jürgen Skoppek.
Foto: 4und20.net / Daniel Große
Das Haus soll dauerhaft genutzt werden. Wie erreichen Sie dieses Ziel?

Jürgen Skoppek: Wir haben mit der Künstlerin Cornelia Därr einen langfristigen Vertrag geschlossen. Soweit im Rahmen unserer Kompetenzen möglich, werden wir Frau Därr bei der Umsetzung dieses Vertrages umfassend unterstützen.

Was kostet der Wiederaufbau und wie stellen Sie die Finanzierung sicher?

Ulrike Kabitzsch: Auf der Grundlage unserer Berechnungen werden sich die Gesamtkosten für den Wiederaufbau des Bürgermeister-Müller-Hauses auf 527.000 Euro belaufen. In diesem Betrag sind die internen Kosten und Eigenleistungen der GfB Sachsen und ein Teil der Planungskosten nicht enthalten; sie werden auch nicht berechnet. Von diesen Gesamtkosten hat die GfB Sachsen bereits 100.000 Euro übernommen. Damit sind unsere finanziellen Möglichkeiten zunächst ausgeschöpft. Da es sich bei dem Gebäude konzept- und nutzungsbedingt um ein nicht ertragsorientiertes Gebäude handelt, können gesicherte Erträge als Voraussetzung für eine Kreditierung nicht erwirtschaftet werden. Die Bereitschaft von Banken, Finanzierungsmittel für Projekte dieser Art bereitzustellen, ist leider nicht vorhanden.

Aus öffentlichen Mittel wurden uns für die Sicherungsphase bislang 51.000 Euro bereitgestellt. Weitere 35.000 Euro wurden aus rückgeführten bzw. nicht verwendeten Mitteln des Denkmalförderungsprogramms 2009 durch die Stadt in Aussicht gestellt. Es besteht somit aktuell eine Finanzierungslücke von 341.000 Euro. Ohne die weitere Unterstützung der Stadt Leipzig, der Leipziger Bürger, Unternehmen und Handwerksbetriebe werden wir das Bürgermeister-Müller-Haus nicht fertig stellen können.

Es müssen also Spenden für den Wiederaufbau gesammelt werden?

Jürgen Skoppek: Ja. Wir benötigen sowohl Geld- als auch Sachspenden um das Bürgermeister Müller Haus fertigzustellen. Von Cornelia Därr und Karin Opitz (Autorin „Reizvolles Sachsen“) wurden als Unterstützung des Wiederaufbaus bereits objektbezogene Werke erstellt, die erworben werden können. Darüber hinaus werden wir in Kürze mit den „Nutznießern“ aus der Amtszeit des Bürgermeister Müller Kontakt aufnehmen und über Unterstützungsmöglichkeiten sprechen.

Das Bürgermeister-Müller-Haus vor der Sanierung.
Das Bürgermeister-Müller-Haus vor der Sanierung.
Foto: 4und20.net / Daniel Große

Worin liegt der Nutzen für die GfB Sachsen an dem Projekt?

Jürgen Skoppek: In erster Linie ist die GfB Sachsen mit de Entwicklung und dem Wiederaufbau des Bürgermeister-Müller-Hauses ihrer gesellschaftlichen Verantwortung als Werte orientiertes sächsisches Unternehmen nachgekommen. Wir wollen gemeinsam mit unseren Partnern aber auch den Beweis antreten, dass trotz anhaltend schwieriger Marktbedingungen - speziell für den Klein- und Mittelstand - kleine Unternehmen erfolgreich und aus eigener Kraft sinnvolle, zukunftsorientierte Beiträge für die Erhaltung wertvoller Bausubstanz leisten können.
Natürlich war und ist es dabei von Vorteil, dass aufgrund der bekannten Entwicklungsgeschichte des Hauses unsere Aktivitäten im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Somit haben alle am Wiederaufbau beteiligten Planer und Handwerksfirmen die Möglichkeit, ihre speziellen Kompetenzen in Verbindung mit ihrem sozialen Engagement auch zukünftigen Kunden zu präsentieren.

Über die Internetadresse www.buergermeister-mueller-haus.de, die in den nächsten Tagen allen Interessenten unter anderem Einblick in den aktuellen Baufortschritt gibt, erfolgt darüber hinaus ein direkter Hinweis auf alle Projektbeteiligten.


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