Autorenschule geht auf die Bühne: Stippvisite in der Plagwitzer Textmanufaktur
Antje Al Abbadi
17.12.2009
André Hille.
Die eigenen Texte in einem Buch gedruckt zu sehen ist für viele ein Lebensziel. Der Weg dorthin kann auch über die Kreativwirtschaft im Leipziger Westen führen: Dort bietet die junge Leipziger Autorenschule „Textmanufaktur“ Seminare für Autoren und schreibbegeisterte Laien, aber auch für Journalisten und Lektoren an.
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Mittlerweile hat das kreative Ein-Mann-Unternehmen aus Plagwitz ein erfolgreiches erstes Jahr hinter sich gebracht und gibt eine Sammlung der besten belletristischen Texte seiner „Schüler“ heraus: Ende März kommt die Anthologie „Und an den Häusern hängen Engel“ in die Buchläden. Aber auch live sollen sich die Seminarteilnehmer beweisen, wenn am 13. März der Lesewettbewerb „Textmanufaktur on stage“ aus der Taufe beziehungsweise auf die Bühne gehoben wird.
André Hille, der Gründer der Textmanufaktur und selbst Schriftsteller und Lektor, zieht eine positive Bilanz: „Unser Programm war sofort ausgebucht und viele Teilnehmer buchen immer wieder Kurse“. Hille möchte die Autoren auf ihrem mitunter langen Weg vom eigenen Schreibtisch in den Literaturbetrieb auch mit eigenen Erfahrungen unterstützen: „Ich habe selber beim Schreiben lange Zeit viele Fehler gemacht und möchte diese anderen jungen Autoren ersparen.“ Weil hierfür zunächst ein Bewusstsein für die eigenen Texte nötig ist, lernen seine Seminarteilnehmer auch das literarische Handwerkszeug in Seminaren wie „Exposé und Plot“ und „Literarische Figuren aufstellen“ kennen und anzuwenden.
André Hille am Eingang zum Spinnerei-Gelände.
Foto: Marie-Luise Marchand
Weil der Praxisbezug seiner Seminare für Hille besonders wichtig ist, kommen immer wieder auch bekannte Autoren wie Wladimir Kaminer, Feridun Zaimoglu und Franziska Gerstenberg oder Lektoren renommierter Verlage wie dem S. Fischer Verlag und Kiepenheuer & Witsch nach Plagwitz. Sie können die Marktchancen der Manuskripte der Kursteilnehmer realistisch beurteilen.
In den Kursen, die in der Regel am Wochenende stattfinden, können sich die Schreibinteressierten nicht hinter der bloßen Theorie verstecken: Auch ihre eigenen, zuvor eingereichten Werke werden gründlich in der Runde analysiert. So können die Teilnehmer auch voneinander lernen. Die intensive Zusammenarbeit untereinander und mit bereits etablierten Literaturvertretern schafft neue Kontakte, nicht zuletzt zu Entscheidern in den Verlagen: „Einige Lektoren, die Seminare geleitet haben, bekundeten Interesse an den Manuskripten der Teilnehmer“, erzählt Hille.
Dafür kommen viele Seminarteilnehmer von weit her nach Leipzig: Die Kunden der Textmanufaktur kommen überwiegend aus den westlichen Bundesländern, aber auch aus Österreich und der Schweiz. Ihr „Klassenraum“ liegt in einer Ecke Leipzigs, die nicht unbedingt die erste Adresse für auswärtige Touristen ist: auf dem Gelände der ehemaligen Baumwollspinnerei.
Die Textmanufaktur in der Baumwollspinnerei.
Foto: Marie-Luise Marchand
Den 150 Quadratmeter großen Raum mit dem Charme des alten Backsteingebäudes und heller Fensterfront hat Hille ganz bewusst gewählt: „Ich habe den Raum bei einer Besichtigungstour für interessierte Mieter gesehen und gleich gewusst, dass es der richtige wäre.“ Dieser war allerdings damals noch durch ein Modeatelier belegt. Zudem galt es, den hohen Ansprüchen der Vermieter zu genügen: Die Spinnerei möchte eine gute Mischung an Kreativen auf dem Gelände erreichen. Interessenten müssen deshalb ein Konzept einreichen, um sich als Mieter für einen der verfügbaren Räume zu bewerben. Hilles Konzept war erfolgreich – und als später das Modeatelier unverhofft auszog, sagte er sofort zu.
In der Spinnerei werden neben dem Schreiben auch wirtschaftliche Fragen der Schreiber behandelt – der Weg eines fertigen Manuskriptes zum Verlag und zu seinem Publikum. „Autoren müssen lernen, sich im Literaturbetrieb und in der Öffentlichkeit selbst zu vermarkten,“ erklärt Hille. „Dazu gehört auch zu lernen, wie man ein Publikum bei einer Lesung gut unterhalten kann.“
Gelegenheit dazu bekommen sechs der in der Anthologie vertretenen Autoren zum geplanten Lesewettbewerb. Die Gunst des Publikums in der Plagwitzer Schaubühne Lindenfels wird dann über den Publikumspreis von 500 Euro und 2 Freikursen entscheiden. Und auch dem Traum vom eigenen Buch können die Konkurrenten bei dem Wettbewerb näher kommen: Die Textmanufaktur und der Aufbau Verlag vergeben den Werner-Bräunig-Literaturpreis: Dieser ermöglicht dem Gewinner durch einen Verlagsvorvertrag die Fertigstellung und Veröffentlichung seines Erstwerkes.
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