Leipziger Schneeballschlacht am Connewitzer Kreuz: Friedlich oder nicht friedlich?
Michael Freitag
03.01.2010
Silvester 2009 am Connewitzer Kreuz, Höhe Eckladen Werk III, Einfahrt in die Bornaische Straße
Foto: Patrick Limbach
Das ist wohl auch in diesem Jahr die Frage, die bleiben wird. Die einen schreien und schreiben Krawall. Einer der etwa 250 Anwesenden beschreibt ein Wintertreiben, welches am Schluss geräumt werden musste. Ein Erlebnisbericht und der Polizeibericht zur Schneeballschlacht gestern Nacht am Connewitzer Kreuz.
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In dieser Chronologie sind sicherlich nicht alle Ereignisse erfasst, aber sie gibt einen relativ genauen Ablauf des Abends wieder. Sie will nicht werten, sondern beschreiben, da bei diesen Vorgängen, wie auch im letzten Jahr wohl kein Vertreter der Leipziger Medienlandschaft anwesend war. Deshalb ist auch die Leipziger Internet Zeitung auf Beschreibungen Dritter und den offiziellen Bericht der Leipziger Polizei angewiesen. Diese stellen wir hiermit einfach zur Verfügung. Die Bilder sind allesamt nicht vom 02. Dezember 2009, sondern zu Silvester 2009 am Connewitzer Kreuz entstanden.
Verlassene Schwarzpulver- und Wurfgeschosse nach dem Jahreswechsel
Foto: Patrick Limbach
Der Bericht eines Augenzeugen
„Ab 21 Uhr hatten sich etwa 250 bis 300 Menschen am Connewitzer Kreuz eingefunden und die Stimmung war ausgelassen und fröhlich. Eine Schneeballschlacht tobte, einige brannten das letzte übrig gebliebene Silvesterfeuerwerk ab.“ beginnt der Bericht von Harry B. (Anm. d. Redaktion: Die richtige Identität ist der Red. bekannt).
„Nach einigen Minuten begannen einige Personen weniger auf andere Teilnehmer der Schneeballschlacht, als vielmehr auf vorüber fahrende Autos und Straßenbahnen zu zielen. Etwa eine Stunde, also bis ca. 22 Uhr ging das Treiben weitgehend friedlich und von der Polizei nicht unterbrochen vonstatten. Die LVB fuhr zu dem Zeitpunkt das Connewitzer Kreuz schon nicht mehr an, während die Polizei ab ebenfalls etwa 22 Uhr den Verkehr auf der Karl-Liebknecht-Straße ab Höhe Richard-Lehmann-Straße absperrte.“
Bis hierhin waren noch geringe Polizeikräfte vor Ort und schritten nicht aktiv ein. Das änderte sich dann binnen von Minuten. „Nachdem einige Menschen das Bedürfnis verspürten, den REWE zu attackieren, die Scheiben mit Schneebällen einzuwerfen und sich scheinbar an der draußen liegenden Ware (Blumenerde) zu schaffen machten, sah die Polizei sich offenbar zum Eingreifen gezwungen. Gegen 22.10 fuhren 2-3 Fahrzeuge Bereitschaftspolizei vor, hielten vor der Ampel neben der Südbrause und etwa ein Zug behelmter Beamter stieg aus. Inzwischen waren die ersten Personen, welche an der Schneeballschlacht teilgenommen hatten, bereits gegangen. Die wachsende Polizeipräsenz, niedrige Temperaturen und die damit einhergehende Erkenntnis, dass die eigentliche Schneeballschlacht nun vorüber ist, verscheuchte weitere.“
Die Verbliebenen allerdings scheinen ab diesem Zeitpunkt ein anderes Ziel gefunden zu haben. „Einige Personen bewarfen die Polizeibeamten erst mit Schneebällen und dann mit Flaschen. Die zu diesem Zeitpunkt zahlenmäßig unterlegenen Bereitschaftspolizisten versuchten, die noch Anwesenden wegzudrängen, indem sie mehrfach in Richtung der Angreifenden rannten, woraufhin diese beiseite wichen. Parallel dazu kam nun auch Pfefferspray zu Einsatz, wobei auch eine nicht beteiligte Passantin in Mitleidenschaft gezogen wurde.“
Innerhalb der nächsten Stunde brachte die Polizei dann die Situation augenscheinlich unter ihre Kontrolle. „Immer mehr Personen verließen das Kreuz, während die Polizei weitere Kräfte hinzu zog und Stück für Stück die gesamte Kreuzung räumte. Als ich das Kreuz über die Bornaische Straße verließ, lagen auf Höhe des Werk III (Anm. d. Red.: Bereich direkt gegenüber des Werk II) drei umgekippte Glascontainer.“
Ab nun zweimal zum Jahreswechsel ans Kreuz? Im Hintergrund der Gemüsestand am Kreuz und rechts davon der Eckladen "Werk III"
Foto von Silvester 2009: Patrick Limbach (Archiv)
Die Nacht aus Sicht der Leipziger Polizei – Die offizielle Pressemitteilung
Schneeballschlacht am Connewitzer Kreuz
Blieben eine Randale, größere Auseinandersetzungen und erhebliche Sachbeschädigungen in der Silvesternacht aus, so trafen sich am Samstagabend zunächst 30 Personen, die schnell auf 70 bis 80 anwuchsen und deren Zahl gegen 21.30 Uhr etwa 200 betrug. Der Personenkreis bewarf sich nach Zeugenaussagen zunächst gegenseitig mit Schneebällen. Danach waren Straßenbahnen und Busse an der Reihe, die nur unter Schwierigkeiten das Connewitzer Kreuz passieren konnten.
Die Gruppierung hielt nicht nur Fahrzeuge an und bewarf diese mit Schnee, sondern die weißen Bälle trafen auch viele vorbei fahrende Autos und wurden auch gegen die Scheiben einer Kaufhalle geworfen.
Die notwendigen Einsatzkräfte der Polizei standen innerhalb kürzester Zeit zur Verfügung und kamen am Ereignisort zum Einsatz. Sie wurden vom Personenkreis bedrängt und ebenfalls mit Schneebällen und sogar mit Flaschen attackiert. Zwei Beamte (31, 42) erlitten dadurch Verletzungen. Um 22.00 Uhr verständigten sich Polizei und die Leitstelle der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB). Straßenbahnen und Busse fuhren daraufhin Umleitungen.
Außerdem waren die Zufahrten zum Connewitzer Kreuz für den Straßenverkehr gesperrt. Zwischenzeitlich wurde bekannt, dass es zu Sachschäden an Pkw und zu Beschädigungen an einem Einkaufsmarkt kam. Zudem waren Müllcontainer auf die Straße geschoben wurden, ein Glascontainer brannte. Dieser wurde dann von Anwohnern noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr gelöscht. Die auf der Bornaischen Straße stehenden und dann umgeworfenen Container wurden weggeräumt, die Straßenreinigung verständigt.
Die sich noch immer im Bereich aufhaltenden Personen nahmen von einer weiteren Schneeballschlacht Abstand und zogen sich teilweise in das Werk II zu dortigen Feierlichkeiten zurück. Im Ergebnis der „Schneeballschlacht“ gab es fünf beschädigte Fensterscheiben an einem Einkaufsmarkt und an der Wiedebach-Passage sowie einen angebrannten Wertstoffbehälter.
Von 67 Personen wurden die Personalien festgestellt. Bei zwei Personen konnten gefährliche Gegenstände – Schlagring, Messer - , die einem Verbot unterliegen, festgestellt und beschlagnahmt werden. Beide haben sich jetzt wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz zu verantworten.
Bei diesem Einsatz waren Polizeibeamte aus ganz Sachsen im Einsatz.
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