Kaufland in Lindenau: Für Siegfried Schlegel braucht der Stadtteil einen Einkaufsmarkt
Daniel Thalheim
21.02.2010
Häuser, zur Entkernung vorgesehen.
Das Diskussionsthema Kaufland am Lindenauer Markt ist nicht vom Tisch. Politisch und planerisch ist der Einkaufsmarkt der Kategorisierung C Ergebnis jahrelanger Abwägung im Stadtplanungsamt und Stadtrat. Siegfried Schlegel, Sprecher für Stadtentwicklung, ist für den Bau des Kaufland-Marktes am Lindenauer Markt.
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Zur Vorgeschichte erzählt Schlegel im L-IZ-Interview: „Die Linksfraktion hatte 2007 mit großer Mehrheit den Billigungs- und Auslegungsbeschluss für den Einkaufsmarkt im C-Zentrum Lindenauer Markt seine Zustimmung gegeben. Es sollte daran erinnert werden, dass bereits 1993, nicht zuletzt initiiert durch einen Antrag der PDS-Fraktion von 1991 für ein Stadtteilzentrenkonzept, zunächst als ein Handelszentrenkonzept erarbeitet und beschlossen wurde.“ Der Sprecher für das Ressort Stadtentwicklung der Linksfraktion im Stadthaus ergänzt: „Inzwischen wurde das erste Konzept wiederholt aktualisiert und wie ursprünglich von uns gewollt zum Stadtteilzentrenkonzept weiterentwickelt. Es ist aber auch fester Bestandteil des im vergangenen Jahr beschlossenen Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (SEKO).“
Siegfried Schlegel.
Foto: Linksfraktion Leipzig
In dem darin festgeschriebenen SEKO sind neben dem Stadtzentrum auch die Entwicklung von Stadtteilzentren mit Einkaufsmärkten an traditionellen und neuen Standorten unterschiedlicher Größe ausgewiesen. Entsprechend ihrer Bedeutung ermöglichen sie ein wohnortnahes Einkaufen im gesamten Stadtgebiet.
Schlegel verteidigt das Konzept als wirtschaftlich und ökologisch verantwortlich, wohingegen er den Wildwuchs auf der Grünen Wiese eine Absage erteilt: „Ohne Zweifel kann Marktwirtschaft den Bau oder die Erneuerung von Stadt- und Stadtteilzentren befördern, eine durchdachte und visionäre Stadtplanung ersetzt sie aber keinesfalls. Im Gegenteil, Wildwuchs wie überdimensionierte Handelsflächen auf der 'grünen Wiese' oder eine vorrangige Ansiedlung von Büroflächen in den Stadtzentren oder soziale Segregation führen zur Verödung der Innenstädte. So ist das Leipziger Stadtteilzentrenkonzept nachhaltige Strategie für die Zukunft als Teil der gesamtstädtischen Entwicklung.“
Geplanter Standort: Freifläche am Lindenauer Markt.
Foto: Daniel Thalheim
Der Sprecher der Linksfraktion für Stadtplanung hebt im allgemeinen die Zentrenplanung als Leipziger Modell hervor, indem er sagt, dass die frühzeitige Einleitung dieses Stadtentwicklungsprozesses und die Beharrlichkeit der Verwaltung und des Stadtrates zu den scheinbaren Geheimnissen gehören, um die Leipzig von nicht wenigen Städten beneidet wird.
Weiter heißt es von ihm: „Der Lindenauer Markt gehörte als sogenanntes C-Zentrum von Anbeginn dazu. Hingegen wurden im Westen der Bundesrepublik Einkaufen und andere Funktionen in den Innenstädten erst ab Mitte der Neunziger Jahre wieder ein Thema.“
Dazu gab es tatsächlich Wettbewerbe. Leipzig wurde laut Schlegel auf Grund seines stadtentwicklerischen Vorlaufs wiederholt Preisträger.
„Durch die Erneuerung der Platzgestaltung des Lindenauer Marktes und der Kuhturmstraße sowie im Rahmen der Olympiaplanungen, Baubeschlüsse zur Musikalischen Komödie oder dem Haus der Volkskunst mit dem Theater der Jungen Welt, wurden zu Lindenau wiederholt Beschlüsse im Stadtrat gefasst. Von Anbeginn konnte sich der Planungsausschuss an diesem Standort aber keine, andernorts so 'beliebte' und noch in Mode befindliche 'Mall' vorstellen – besser als Einkaufshöhlen zu bezeichnen.“
Nach Schlegel sollte stattdessen in Lindenau nur ein größerer Markt mit Waren des täglichen Bedarfs und wenigen kleinen Läden wie einen Getränkemarkt mit Zugang auch von der Straßenseite entstehen. Der gemütliche Flanier-Charakter soll also bleiben, ohne für einen Kaugummi oder ein Brötchen in den Supermarkt stiefeln zu müssen.
Schon vor Jahren von Häusern beräumt: Freifläche an der Kuhturmstraße.
Foto: Daniel Thalheim
Schlegel vertieft die Planung des Kauflandmarktes mit weiteren Gesichtspunkten. Es gab nämlich auch Überlegungen für ein Ärztehaus oder eine Bankfiliale an dieser Stelle. Dazu kam es aber nicht. „Wegen des umfunktionierten ehemaligen Westbades kamen auch kein Ärztehaus und Apotheke in Betracht. Ebenfalls gibt es Bank- und Sparkassenfilialen in der Nachbarschaft.“
Für Schlegel werden auch in Zukunft viele traditionelle Läden und Dienstleistungsangebote für den Lindenauer Markt prägend sein. Unter vielen Leipzigern können sich auch einige Stadträte noch gut daran erinnern, dass beispielsweise Bewohner des Waldstraßenviertels immer überlegten, ob sie in der „Stadt“ (Zentrum) oder in Lindenau größere Einkäufe tätigen. So gab es in der Merseburger Straße sogar zwei Kaufhäuser, den jetzt umgenutzten „Josef-Konsum“ an der Karl-Heine-Straße und eines an der Ecke Demmeringstraße, das zuletzt durch Karstadt bis Anfang der Neunziger Jahre betrieben wurde.
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