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Das Einkaufszentrum am Lindenauer Markt: Im Interview dazu Rita Fleischer (IHK Leipzig)

Daniel Thalheim
Rita Feischer
Rita Feischer
Bild: IHK Leipzig
Es scheinen alle Messen gesungen zu sein – was das Thema Einkaufscenter am Lindenauer Markt betrifft. Die IHK sah und sieht die jetzige Umsetzung immer noch kritisch, denn viel geändert hat sich zu den Plänen von 2007 nicht.

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Rita Fleischer von der IHK gab der L-IZ zum Thema – der Center-Idee allgemein und nachhaltigen Lösungen zur Straßenraumbelebung – ein Interview. Als Geschäftsführerin für Grundsatzfragen, Geschäftsfeldverantwortliche für Standortpolitik des Kammerbezirks Leipzig begleitet sie die Pläne zum Bau des Einkaufscenters am Lindenauer Markt seit Jahren.

Wie lange beschäftigt das Thema Lindenauer Markt die IHK zu Leipzig?


Die ersten Ideen zum Lindenauer Markt standen 1999 zur Debatte. Über die Zeit haben sich die Vorstellungen konkretisiert. Es gab über die Jahre immer wieder Änderungen, was man dort planen und umsetzen wollte. Es gab auch einen B-Plan-Entwurf, zu dem wir eine Stellungnahme abgegeben hatten. Dann wurde dieser B-Plan wieder überarbeitet, es gab wieder eine Stellungnahme von unserer Seite und immer so weiter.

Wie haben Ihre Stellungnahmen ausgesehen, was wurde an Für und Wider formuliert?
Wir haben uns nicht gegen den Standort ausgesprochen, aber die Stadtplaner hätten sich die Frage stellen sollen, ob nicht eine kleinere Variante geeigneter gewesen wäre. Über die Jahre hat sich die Versorgungssituation im Stadtteil weiterentwickelt. Es ist ja nicht so, dass der Stadtteil Alt-West unterversorgt ist – zumal sich ganz in der Nähe die „Elsterpassage“ und die „Merseburger Straße“ als zentrale Versorgungsbereiche befinden. Ein Supermarkt, der sich vor allem auf die Waren des täglichen und kurzfristigen Bedarfs konzentriert, wäre unserer Meinung nach ausreichend gewesen.

Wir haben in unseren Stellungnahmen zum Ausdruck gebracht, dass wir dem Projekt des SB-Warenhauses am Lindenauer Markt kritisch gegenüber überstehen. Die geplante Größe und die Vertriebsform können nach unserer Einschätzung zu negativen substanziellen Auswirkungen für den Händlerbestand am Lindenauer Markt und zur Beeinträchtigung der fußläufigen Nahversorgung für die umgebenden Stadtteile führen. Der kleinteilige Facheinzelhandel, dessen Sortimente sich mit dem des SB-Warenhauses überschneiden, wird zurückgedrängt und gefährdet.

Wir befürchten, dass der Bau des SB-Warenhauses nicht zu einer Belebung des Standortes und damit zu Synergieeffekten für die am Lindenauer Markt bereits ansässigen Einzelhändler führen kann. Dies ist vor allem dadurch begründet, dass die Betriebsform des SB-Warenhauses durch einen hohen Anteil an Non-Food-Produkten im Sortiment gekennzeichnet ist. Es ist nicht gelungen, das Projekt ausgewogen in das Gesamtkonzept für den Stadtteil Lindenau einzubinden.

Die Etablierung eines C-Zentrums am Standort kann unter den gegebenen Wettbewerbsbedingungen nur erfolgreich sein, wenn es einen lebendigen Branchenmix liefert, der die bereits bestehende Handelsstruktur berücksichtigt.

Rita Fleischer (IHK): Geschäftsführerin für Grundsatzfragen, Geschäftsfeldverantwortliche Standortpolitik des Kammerbezirks Leipzig
Rita Fleischer (IHK): Geschäftsführerin für Grundsatzfragen, Geschäftsfeldverantwortliche Standortpolitik des Kammerbezirks Leipzig
Bild: IHK Leipzig
Wann hatten Sie die letzte Aufforderung zur Stellungnahme erhalten?
Im März 2007 ist das gewesen.

Im Dezember 2009 wurde bekannt, dass das Center gebaut wird. Für die Lindenauer anscheinend eine plötzliche Entscheidung. Man kommt sich überrumpelt vor. Was können Sie aus Ihrer Sicht dazu sagen?
Das Thema ist über die Jahre sehr intensiv diskutiert worden. Im Zusammenhang mit dem Urban II-Projekt war es auch auf der Agenda. Die IG Lindenauer Markt war eingebunden. Das ist die Interessengemeinschaft der Händler vor Ort. Von der IG und den Händlern sowie Unternehmern haben wir immer wieder gehört, dass wir einen Magneten am Lindenauer Markt brauchen. Dieser Magnet sollte möglichst so gestaltet sein, dass er die bereits vorhandenen Unternehmen am Markt nicht kannibalisiert. Das war die Bedingung für die Umsetzung dieses Projektes. Ich kann also nicht nachvollziehen, dass das nicht vor Ort bekannt ist. Fakt ist natürlich, dass die Realisierung sich extrem in die Länge gezogen hat.

Es heißt, dass Investoren abgesprungen sind, weil 1.000 Quadratmeter Verkaufsfläche nicht wirtschaftlich seien.
Weniger Verkaufsfläche bedeutet weniger Mieteinnahmen. Aus Sicht des Investors ist es selbstverständlich, dass er um eine möglichst große Verkaufsfläche kämpft. Die potentiellen Mieter sind natürlich an der Funktionsfähigkeit und Attraktivität des Centers interessiert, um die betriebswirtschaftlich notwendigen Umsätze zu erwirtschaften.

Es sollen kostenlose Kundenparkplätze entstehen. Ist das nicht das Problem, weil es so nicht als fußläufiges Stadtteilcenter wahrgenommen wird?
In der sächsischen Bauordnung ist das so vorgeschrieben, dass neue Verkaufsflächen mit einer Mindestzahl an Parkplätzen ausgestattet werden müssen. Es gibt also diese Gesetzesvorgabe, ansonsten müsste der Investor Parkplatzablösegebühren bezahlen. Zum anderen ist das Handelsunternehmen daran interessiert Parkstellflächen zu bekommen, weil die Leute heute mit dem Auto kommen. Das ist auch eine Frage des Kaufverhaltens, wenn der Kunde seinen Wochenbedarf an Lebensmitteln einkauft, möchte er diese lieber mit dem Auto transportieren als mit dem ÖPNV oder zu Fuß.

Das Kaufland wird eine kleine Variante eines SB-Warenhauses sein. Ein ähnliches steht bereits in Großzschocher. Der Lebensmittelanteil liegt bei der Fläche von ungefähr 3.800 Quadratmetern bei über 60 Prozent. Der Schwerpunkt liegt eindeutig in der Lebensmittelversorgung.

Was ist aus Ihrer Sicht für den Lindenauer Markt wirklich rentabel?
Wir regten schon 2004 an, dass dort ein Supermarkt entstehen sollte mit integriertem kleinflächigem Einzelhandel. So haben wir es auch damals in unserer Stellungnahme niedergelegt. Aus unserer Sicht ist eine Bauweise vorteilhafter, die sich durch eine integrierte Ladenzone zum Lindenauer Markt hin öffnet. Wir sind immer der Meinung gewesen, dass das ein richtiger Ansatz ist. Abschließend können wir nicht sagen, ob sich das Center günstig oder ungünstig auf den Lindenauer Markt auswirkt. Da warten wir die Entwicklungen ab.

Wie sehen Ihre Erfahrungen mit den bisherigen Centern in Leipzig aus?
Das letzte aktuelle Beispiel ist die Alte Brauerei in der Georg-Schumann-Straße. Das Kauflandcenter an der Georg-Schumann-Straße ist nach innen gerichtet. Die Kunden bewegen sich größtenteils im Center, nicht im Straßenraum. Sie fahren rein, gehen einkaufen und düsen wieder ab. Wäre das auch in Lindenau der Fall, dann fände am Markt keine Belebung statt. Das ist jedoch die ursprüngliche Zielstellung für die Entwicklung des C-Zentrums gewesen.

Wir hatten im Fall von Gohlis von Anfang an auf das Problem eines nach innen gerichteten Centers hingewiesen. Das ist nicht optimal für die Entwicklung der alten Einkaufslage zum Straßenraum hin. Ich bin gespannt, wie die Belebung der Georg-Schumann-Straße vonstatten geht.

Wenn am Lindenauer Markt eine offene Ladenzeilenstruktur umgesetzt wäre, würde das ein großes Plus für das Centerprojekt werden.

Vielen Dank für das Interview.


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