Das wirklich Böse und ein Gallierdorf: Bürgersprechstunde mit OBM Burkhard Jung zum Wasserwerke-Skandal
Matthias Weidemann
21.04.2010
Burkhard Jung in der Bürgersprechstunde über die Machenschaften bei der KWL: „Das Ganze hat das Zeug zu einem Drehbuch für einen Krimi ..."
Foto: Matthias Weidemann
Wie gut, dass es das Böse gibt. Besonders dann, wenn es als so richtig dunkelschwarze Epiphanie wie den ehemaligen KWL-Managern Klaus Heininger, Andreas Schirmer und den Beraterfirmen aus der Schweiz daher kommt.
Anzeige
So hatten Leipzigs OBM Burkhard Jung und die Epigonen der Wasserwerke, Detlev Kruse und Volkmar Müller, schon einmal ein Abwehrbollwerk aufgebaut, das des Volkes Sturm der Entrüstung zu einem lauen Lüftchen verhaltenen Protestes abflauen ließ.
Zwar hatte OBM Burkhard Jung bei der gestrigen Bürgersprechstunde im Stadtbüro keine wirklich neuen Enthüllungen in Sachen KWL-Skandal zu bieten, was denn auch tatsächlich eine Überraschung gewesen wäre. Doch war das Stadtoberhaupt fast krampfhaft um Lockerheit bemüht, als es bei der durchaus spannenden Debatte mit den anwesenden Bürgern darum ging, warum denn der „arme“ Aufsichtsrat der KWL zu seiner Zeit von den hochriskanten CDO-Geschäften (Credit Default Option) keinen blassen Schimmer hatte.
Burkhard Jung: „Das Ganze hat das Zeug zu einem Drehbuch für einen Krimi mit den beiden ehemaligen Geschäftsführern der KWL, den Beratern aus der Schweiz und global angelegten Finanzgeschäften.“ Einstiegsdroge für die fatalen CDO-Geschäfte seien damals Cross Border Leasing Kontrakte gewesen. „Man hatte wohl das große Geld gerochen, als gewissenlose Beraterfirmen durch die Welt zogen, um solche Hochrisiko-Geschäfte anzubahnen.“
Dabei griff Jung auf die alte Kunst der Parabel zurück, um das trübe Wasser der komplizierten Gemengelage zu klären, um im KWL-Jargon zu bleiben.
Großer Andrang und Erklärungen, die nicht ganz neu, aber in Form von Parabeln daherkamen. Burkhard Jung diskutiert mit Leipziger Bürgern über den KWL-Skandal
Foto: Matthias Weidemann
„Es ist, als habe man sich ein Auto auf Kredit gekauft, den man nicht tilgen kann. Also versuche ich wiederum den Kredit, den ich aufgenommen habe, zu versichern. Der Clou dabei: Ich muss andere finden, für die ich Autos versichere, um den eigenen Kredit abzusichern. Ich agiere quasi selbst als Versicherer. Das kann man sich wie eine Wette vorstellen. Maximal fünf Prozent meiner von mir versicherten Partner dürfen während der Kreditlaufzeit in Konkurs gehen. Bleibt während dieser Kreditlaufzeit die Zahl der Konkurse unter fünf Prozent, fahre ich den vollen Gewinn ein und habe zudem meinen Kredit getilgt. Liegt der Anzahl der Konkurse der von mir Versicherten über fünf Prozent, gehe ich selber in Konkurs und muss zudem die Absicherung aller anderen voll bezahlen."
Zum derzeitigen Stand konstatierte der OBM dann etwas lakonischer: "Fest steht: Die Wette ist verloren und alle Risiken, die man sich vorstellen kann, sind eingetroffen und über die kommenden Monate werden die 290 Millionen Euro fällig. Übrigens, hätten Heininger und Co. die Wette gewonnen, frage ich mich, wie das so gewonnene Geld ans Licht gekommen wäre. Ich habe diesbezüglich meine ganz eigene Theorie.“
„Es ist, als habe man sich ein Auto auf Kredit gekauft, den man nicht tilgen kann...."
Foto: Matthias Weidemann
Bei der dreisten Nummer seien laut Jung, neben den „normalen“ Leipziger Bürgern rund 50 Beteiligte betrogen worden, die mit der Angelegenheit betraut waren. Besagte durchtriebene Bösewichte hatten die CDO-Geschäfte an allen Büchern vorbei mit rund 160 anderen Versicherungsnehmern abgewickelt, darunter bekanntermaßen auch Spielcasinos in Las Vegas. Und wieder muss das Böse zur Reinwaschung des vermeintlich Guten herhalten. Jung: „Die Herren Berater aus der Schweiz waren wohl mit allen Wassern gewaschen und hätte es die Finanzkrise nicht gegeben, wäre das Geld auf deren Konten aufgeschlagen und wir hätten nie etwas davon mitbekommen.“
Um in Zukunft ähnliche Vorfälle möglichst zu vermeiden, kündigte der OBM Reformen bei der LVV an. „Ich sammle schon seit einiger Zeit Vorschläge von Kommunalmanagern, Stadträten, Beratern und externen Experten, wie die Kontrolle stadteigener Firmen verbessert werden kann. Der Aufsichtsrat soll im Wortsinne wirklich beaufsichtigen und Rat geben. Im Zoo-Aufsichtsrat haben wir dahingehend schon erste Schritte unternommen, einen Zoologen und einen Finanzexperten als externe Berater berufen.“
Die spinnen doch, die Römer.
Foto: Matthias Weidemann
Zu den Chancen, was den anstehenden Prozess betrifft, bei dem man noch nicht weiß, ob er in London oder in Leipzig eröffnet wird, meinte Burkhard Jung: „Ein Sprichwort sagt, dass wir vor Gericht und auf hoher See in Gottes Hand sind. Der GAU wäre, wenn tatsächlich die gesamte Summe fällig wird. Aber ich bin kämpferisch bis in die Fußspitzen. Und was mich zusätzlich empört: Die UBS (Union de Banques Suisses, d. Red.) bekommt von der Schweiz einen Rettungsfallschirm von 70 Milliarden Euro. Und dann wagen die es, uns eine Rechnung zu stellen.“
Ja, da sind sie wieder, die Bösen, diesmal in Form des düsteren Bankenkonsortiums. Und dann kommt der Kämpfer im Stadtoberhaupt wieder durch: „Ich bin sicher, dass wir gute Chancen haben. Und mit Professionalität und guten Anwälten werden wir das schaffen.“ Und dann begibt Jung sich final in die bunte Welt des Comics: „Schließlich haben die unbeugsamen Gallier bei Asterix den Römern auch die Stirn geboten.“ „Ein Dorf voller Verrückter,“ pflegte Cäsar dazu zu sagen und sich müde die Stirn zu reiben.
Während Asterix´ Kumpel Obelix derweil keine Gelegenheit ausließ, zu betonen: "Die spinnen doch, die Römer."
„Anders wachsen – Eine sächsische christliche Initiative gegen die Ideologie des Wirtschaftswachstums“ lautet das Thema eines Vortrags- und Gesprächsabends am Freitag, 10. Februar. Die Veranstaltung im Pfarrhaus der Gnadenkirche Leipzig-Wahren, Rittergutsstraße 2, beginnt um 20 Uhr. mehr…
Die Selbsthilfegruppe für Kinderlose sucht neue Mitstreiter zum regelmäßigen Erfahrungsaustausch. Nächster Treff ist am kommenden Mittwoch, 8. Februar, um 19 Uhr im Soziokulturellen Zentrum „Die Villa“ (Beratungsraum 3. Etage, Lessingstraße 7), teilt das Gesundheitsamt mit. mehr…
Ganz unbekannt ist Anne Dorn als Lyrikerin nicht. Aber trotzdem feiert die 1925 in Wachau bei Dresden Geborene mit 86 eine Premiere: Erstmals erscheinen ihre Gedichte in einem eigenen Band - und das noch als Nummer 1 der Reihe "Neue Lyrik", die im Poetenladen erscheint. Ein Auftakt in Quittegelb. mehr…
Die Fördermittelvergabe durch den schwarz-gelb regierten Freistaat orientiere sich offenbar weniger an den tatsächlichen Problemlagen als an Parteipräferenzen, meint Ilse Lauter. Eine solche Einschätzung lege die jüngste Analyse der Dresdner Vergabepraxis für die Jahre 2007 bis 2010 nahe, nach der Leipzig insgesamt 600 Millionen Euro weniger Mittel erhalten hat als die Landeshauptstadt. mehr…
„Zum jetzigen Zeitpunkt sind Kürzungen bei der Förderung im Bereich erneuerbare Energien und energieeffizientes Bauen das völlig falsche Signal. Es fehlt ein schlüssiges Gesamtkonzept. Die Energiewende ist so nicht zu schaffen“, erklärt Reinhard Schröter, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Leipzig, vor der Sitzung des Vermittlungsausschusses (8. Februar) zwischen Bund und Ländern zur steuerlichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung. mehr…
Das Viertelfinale im europäischen Cupwinners Cup ist für die Handballerinnen des HC Leipzig zum Greifen nah. Im Achtelfinal-Hinspiel am Sonntag gab die Madsen-Sieben ihren mazedonischen Gästen von Metalurg Skopje einen 12-Tore-Rucksack mit auf die Heimreise. Ob der schwer genug ist, wird sich bereits am kommenden Sonntag herausstellen. mehr…
Die beiden sind eigentlich putzig. Mutti macht in Frankreich Wahlkampf und der Kleine kommt sicher auch mal vorbei, wenns 2013 losgeht. Obwohl man kaum glaubt, dass dies etwas nützen sollte. Und natürlich nur wenn er gegen den bösen Sozialisten die Wahl gewinnt. Heute saßen sie traut vereint vor der ZDF-Kamera und erklärten die Welt. mehr…
Martin Scorsese ist Cineasten bekannt für harte Stoffe. Seine Mafia-Trilogie hat längst Kultstatus. Zuletzt tischte er dem Publikum mit "Shutter Island" (2010) einen düsteren Psychothriller auf. Sein Kinderfilm-Debüt "Hugo Cabret" entpuppt sich dagegen als leicht verdauliche Kost höchster Güte. mehr…
Kettcar ist mit "Zwischen den Runden“ zurück. Und wie! Vor allem anders als erwartet. War ihre letzte Scheibe „Sylt“ eine wütende, eher weniger positive Bestandsaufnahme der Gegenwart, so dominieren jetzt die persönlichen, auch ruhigeren Töne. Auf einmal gewinnen die Texte enorm an Bedeutung. Für Radio Mephisto ist die CD schon jetzt das Album der Woche. mehr…
Armin Zarbock ist Schauspieler. Sonst oft in den Leipziger Cammerspielen zu sehen, verschlägt es ihn am 8. Februar ins Horns Erben. Zusammen mit Susanne Bolf und August Geyler erzählt er die Geschichte von Adolf Südknecht und Familie. Mal historisch verbürgt, mal halb wahr, mal völlig erfunden. Armin Zarbock erzählt mehr. mehr…
"Stellplatzbaupflicht - Fluch oder Segen?" heißt eine Veranstaltung im Tapetenwerk am 8. Februar. In der "K3 Werkstatt" im Haus K diskutieren Verkehrsexperten über den Sinn oder Unsinn von Parkplätzen. Die so genannte Stellplatzbaupflicht gehört dazu. Jürgen Kasek, Vorsitzender BUND Regionalgruppe Leipzig, gab der L-IZ im Interview einen Einblick rund um das Auto und seinen Stellraum. mehr…
Dietmar Pellmann rechnet gern. Eigentlich ist der Landtagsabgeordnete der Linken studierter Historiker. Aber mit Zahlen lässt sich Geschichte ganz hübsch illustrieren. Diesmal hat er den Finanzminister nach den sächsischen Staatspensionären gefragt. 4.519 gab es davon zum Stichtag 31. Dezember 2011. Dazu 816 Witwen und Waisen. mehr…
Während Bürgerinitiativen in Frankfurt, München, Berlin und Leipzig verzweifelt darum kämpfen, den Fluglärm über ihren Köpfen eingedämmt zu bekommen, hat die EU-Kommission gerade eine Verordnung auf den Weg gebracht, die Betriebsbeschränkungen an Flughäfen aufheben kann, wenn sie den Wettbewerb einschränken. mehr…
Der Leipziger Südraum vor etwas mehr als 20 Jahren, vom Tagebau verwüstete Mondlandschaften, aufgerissene, erodierte Erde, ungesund silbrig glänzende Seen. Jedem, der einem damals erzählt hätte, dass hier einmal ein florierender Touristikstandort mit kristallklaren Seen und „blühenden Landschaften“ entstehen werden, hätte man den Vogel gezeigt. mehr…
Radball-Leipzig steht erstmals im deutschen Pokalfinale. Als Zweitplatzierte der Vorschlussrunde löste das Leipziger Duo Sven Broedel und Nils Dreyhaupt am Samstag die Endspieltickets. In heimischer Halle gelangen zwei Siege und ein Remis. Nächster Höhepunkt ist nun das Bundesliga-Heimturnier am 25. Februar in der Kleinen Arena. mehr…