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Das wirklich Böse und ein Gallierdorf: Bürgersprechstunde mit OBM Burkhard Jung zum Wasserwerke-Skandal

Matthias Weidemann
Burkhard Jung in der Bürgersprechstunde über die Machenschaften bei der KWL: „Das Ganze hat das Zeug zu einem Drehbuch für einen Krimi ..."
Burkhard Jung in der Bürgersprechstunde über die Machenschaften bei der KWL: „Das Ganze hat das Zeug zu einem Drehbuch für einen Krimi ..."
Foto: Matthias Weidemann
Wie gut, dass es das Böse gibt. Besonders dann, wenn es als so richtig dunkelschwarze Epiphanie wie den ehemaligen KWL-Managern Klaus Heininger, Andreas Schirmer und den Beraterfirmen aus der Schweiz daher kommt.

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So hatten Leipzigs OBM Burkhard Jung und die Epigonen der Wasserwerke, Detlev Kruse und Volkmar Müller, schon einmal ein Abwehrbollwerk aufgebaut, das des Volkes Sturm der Entrüstung zu einem lauen Lüftchen verhaltenen Protestes abflauen ließ.

Zwar hatte OBM Burkhard Jung bei der gestrigen Bürgersprechstunde im Stadtbüro keine wirklich neuen Enthüllungen in Sachen KWL-Skandal zu bieten, was denn auch tatsächlich eine Überraschung gewesen wäre. Doch war das Stadtoberhaupt fast krampfhaft um Lockerheit bemüht, als es bei der durchaus spannenden Debatte mit den anwesenden Bürgern darum ging, warum denn der „arme“ Aufsichtsrat der KWL zu seiner Zeit von den hochriskanten CDO-Geschäften (Credit Default Option) keinen blassen Schimmer hatte.

Burkhard Jung: „Das Ganze hat das Zeug zu einem Drehbuch für einen Krimi mit den beiden ehemaligen Geschäftsführern der KWL, den Beratern aus der Schweiz und global angelegten Finanzgeschäften.“ Einstiegsdroge für die fatalen CDO-Geschäfte seien damals Cross Border Leasing Kontrakte gewesen. „Man hatte wohl das große Geld gerochen, als gewissenlose Beraterfirmen durch die Welt zogen, um solche Hochrisiko-Geschäfte anzubahnen.“

Dabei griff Jung auf die alte Kunst der Parabel zurück, um das trübe Wasser der komplizierten Gemengelage zu klären, um im KWL-Jargon zu bleiben.

Großer Andrang und Erklärungen, die nicht ganz neu, aber in Form von Parabeln daherkamen. Burkhard Jung diskutiert mit Leipziger Bürgern über den KWL-Skandal
Großer Andrang und Erklärungen, die nicht ganz neu, aber in Form von Parabeln daherkamen. Burkhard Jung diskutiert mit Leipziger Bürgern über den KWL-Skandal
Foto: Matthias Weidemann

„Es ist, als habe man sich ein Auto auf Kredit gekauft, den man nicht tilgen kann. Also versuche ich wiederum den Kredit, den ich aufgenommen habe, zu versichern. Der Clou dabei: Ich muss andere finden, für die ich Autos versichere, um den eigenen Kredit abzusichern. Ich agiere quasi selbst als Versicherer. Das kann man sich wie eine Wette vorstellen. Maximal fünf Prozent meiner von mir versicherten Partner dürfen während der Kreditlaufzeit in Konkurs gehen. Bleibt während dieser Kreditlaufzeit die Zahl der Konkurse unter fünf Prozent, fahre ich den vollen Gewinn ein und habe zudem meinen Kredit getilgt. Liegt der Anzahl der Konkurse der von mir Versicherten über fünf Prozent, gehe ich selber in Konkurs und muss zudem die Absicherung aller anderen voll bezahlen."

Zum derzeitigen Stand konstatierte der OBM dann etwas lakonischer: "Fest steht: Die Wette ist verloren und alle Risiken, die man sich vorstellen kann, sind eingetroffen und über die kommenden Monate werden die 290 Millionen Euro fällig. Übrigens, hätten Heininger und Co. die Wette gewonnen, frage ich mich, wie das so gewonnene Geld ans Licht gekommen wäre. Ich habe diesbezüglich meine ganz eigene Theorie.“

„Es ist, als habe man sich ein Auto auf Kredit gekauft, den man nicht tilgen kann...."
„Es ist, als habe man sich ein Auto auf Kredit gekauft, den man nicht tilgen kann...."
Foto: Matthias Weidemann

Bei der dreisten Nummer seien laut Jung, neben den „normalen“ Leipziger Bürgern rund 50 Beteiligte betrogen worden, die mit der Angelegenheit betraut waren. Besagte durchtriebene Bösewichte hatten die CDO-Geschäfte an allen Büchern vorbei mit rund 160 anderen Versicherungsnehmern abgewickelt, darunter bekanntermaßen auch Spielcasinos in Las Vegas. Und wieder muss das Böse zur Reinwaschung des vermeintlich Guten herhalten. Jung: „Die Herren Berater aus der Schweiz waren wohl mit allen Wassern gewaschen und hätte es die Finanzkrise nicht gegeben, wäre das Geld auf deren Konten aufgeschlagen und wir hätten nie etwas davon mitbekommen.“

Um in Zukunft ähnliche Vorfälle möglichst zu vermeiden, kündigte der OBM Reformen bei der LVV an. „Ich sammle schon seit einiger Zeit Vorschläge von Kommunalmanagern, Stadträten, Beratern und externen Experten, wie die Kontrolle stadteigener Firmen verbessert werden kann. Der Aufsichtsrat soll im Wortsinne wirklich beaufsichtigen und Rat geben. Im Zoo-Aufsichtsrat haben wir dahingehend schon erste Schritte unternommen, einen Zoologen und einen Finanzexperten als externe Berater berufen.“

Die spinnen doch, die Römer.
Die spinnen doch, die Römer.
Foto: Matthias Weidemann

Zu den Chancen, was den anstehenden Prozess betrifft, bei dem man noch nicht weiß, ob er in London oder in Leipzig eröffnet wird, meinte Burkhard Jung: „Ein Sprichwort sagt, dass wir vor Gericht und auf hoher See in Gottes Hand sind. Der GAU wäre, wenn tatsächlich die gesamte Summe fällig wird. Aber ich bin kämpferisch bis in die Fußspitzen. Und was mich zusätzlich empört: Die UBS (Union de Banques Suisses, d. Red.) bekommt von der Schweiz einen Rettungsfallschirm von 70 Milliarden Euro. Und dann wagen die es, uns eine Rechnung zu stellen.“

Ja, da sind sie wieder, die Bösen, diesmal in Form des düsteren Bankenkonsortiums. Und dann kommt der Kämpfer im Stadtoberhaupt wieder durch: „Ich bin sicher, dass wir gute Chancen haben. Und mit Professionalität und guten Anwälten werden wir das schaffen.“ Und dann begibt Jung sich final in die bunte Welt des Comics: „Schließlich haben die unbeugsamen Gallier bei Asterix den Römern auch die Stirn geboten.“ „Ein Dorf voller Verrückter,“ pflegte Cäsar dazu zu sagen und sich müde die Stirn zu reiben.

Während Asterix´ Kumpel Obelix derweil keine Gelegenheit ausließ, zu betonen: "Die spinnen doch, die Römer."


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