Autofreie Innenstadt: Leipzigs Linke findet die Idee sympathisch
Ralf Julke
12.06.2010
Fußgängerzone Petersstraße in der Leipziger Innenstadt.
Foto: Ralf Julke
Ein Wechsel bahnt sich an in der Verkehrspolitik für die Leipziger Innenstadt. Zumindest im Fachausschuss Umwelt und Ordnung sieht man das Thema "autoarme" Innenstadt mittlerweile kritisch. Am 11. Mai war der Fachausschuss gemeinsam mit dem Verkehrs- und Tiefbauamt in der City unterwegs, um die Argumente für eine autobefreite Innenstadt abzuwägen.
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Das ist nicht ganz einfach, stellt denn auch der verkehrspolitische Sprecher der Linksfraktion, Jens Herrmann, fest. "Als Hauptproblem, das zwingend einer Lösung in diesem Zusammenhang zugeführt werden muss, stellte sich dabei die weitere Nutzung der innerstädtischen Parkhäuser und Tiefgaragen heraus." Denn obwohl seit Jahren an der "autoarmen Innenstadt" gebastelt wird, wurden für Neubauprojekte auch immer neue Tiefgaragen genehmigt, teilweise so groß dimensioniert, dass sie von den Mietern der Gebäude gar nicht ausgelastet werden. Die wenigsten Zufahrten dieser Garagen aber liegen - wie etwa bei der Marktgalerie - außerhalb der von Pollern abgesperrten Zonen. Wer hier mit seinem Auto rein und raus will, muss teilweise weiter durch ausgewiesene Fußgängerzonen fahren.
"Prüfen sollte man darüber hinaus die Möglichkeit, im Zusammenhang mit dem vorgeschriebenen Abbau der Tempo-40-Schilder für den Innenstadtring, den Autoverkehr auf dem Innenstadtring zukünftig nur noch in einer Richtung fließen zu lassen", plaudert Herrmann aus dem Nähkästchen. "So könnte man eine frei werdende Trasse für den ungestörten Fahrradverkehr um die City nutzen."
In den letzten Tagen haben Umweltverbände und Radfahrerinitiativen vermehrt Druck gemacht, die Problematik des Radfahrers zur Innenstadt und in ihren Straßen neu aufzurollen. Die vor einem Jahr eingeführte Sperrung der Boulevards für den Radverkehr in der Hauptgeschäftszeit hat zwar für jede Menge Ärger gesorgt, aber eine Alternativlösung für die Radfahrer liegt bis heute nicht auf dem Tisch.
Kontrolle von Radfahrern in der Petersstraße.
Foto: Ralf Julke
Nun freilich hat sich auch wieder jene Partei zu Wort gemeldet, die den Autofahrer gegen allen Augenschein zum Leidtragenden der Entwicklung erklären möchte. Auch das ein Grund für Herrmann, etwas deutlicher zu werden: "Es hat kaum Neuigkeitswert, wenn sich die FDP als Vertreter von Partikularinteressen aufspielt. Scheinheilig, wie sie sich seinerzeit gegen die Umweltzone stemmte, versucht sie sich nunmehr wiederum als Lobbyist der Autofahrer. So macht die FDP-Stadtratsfraktion eine beträchtliche Benachteiligung der Autofahrer aus, wenn die Innenstadt zur Fußgängerzone erklärt wird. Sicherheit und Gesundheit der Menschen, die die City aufgrund ihrer Kompaktheit und guten Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu schätzen wissen, zählen dabei offenbar nicht."
Und er machte - stellvertretend für die Linksfraktion - seine Sympathie für den Vorschlag deutlich, den Autoverkehr im Interesse der vielen Besucher der Leipziger Innenstadt aus dieser zu entfernen.
Nicht nur das Vorhandensein zahlreicher Parkhäuser rund um die City spräche für solch einen Schritt. Auch die aktuelle Verkehrsmittelnutzung zur Fahrt in die Innenstadt spricht dafür. Die größere Teil der Leipziger (44 Prozent) fährt mit der Straßenbahn in die Innenstadt. Besonders augenfällig: Je älter die Befragten, umso häufiger nutzen sie die Bimmel. Von den über 65-Jährigen fahren 62 Prozent mit der Straßenbahn in die City. Nachzulesen in der "Bürgerumfrage 2009".
Nur 23 Prozent der Leipziger nutzen zur City-Fahrt den Pkw, 20 Prozent gehen zu Fuß, 12 Prozent nutzen das Fahrrad. Alles Zahlen, die sehr wohl Anlass zum Umdenken geben, denn bis auf ein paar wirklich hartnäckige Rad- und Autofahrer verwandeln sie sich in der City allesamt in Fußgänger.
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