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Leipziger Stadtbad: Dach ist bald dicht, Turm kommt drauf, Damenbad wird entwölbt

Ralf Julke
Vorm Abbruch: Das Gewölbe soll mit allen Details wieder hergestellt werden.
Vorm Abbruch: Das Gewölbe soll mit allen Details wieder hergestellt werden.
Foto: Ralf Julke
Es laufen derzeit einige Vereine und Stiftungen mit leuchtenden Jahreszahlen durch die Landschaft: 2013 ist eine davon, 2015 eine andere. Die Förderstiftung Leipziger Stadtbad hat jetzt die 2016 aufgepflanzt: In dem Jahr wird ihr Pflegekind 100 Jahre alt. Und da soll's auch wieder leben.

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2004 musste das imposante Gebäude an der Eutritzscher Straße wegen baulicher Mängel geschlossen werden. Zur Komplettsanierung des 1916 fertiggestellten Hauses fehlte der Stadt das Geld. Ein Kleinod drohte zu verfallen. Was tun, war die Frage. - Retten, meinten die Leipziger Wasserwerke und waren mit dabei, als sich die Förderstiftung Leipziger Stadtbad gründete. Mit großen Blumenherzen in der City warben sie für die Stiftung. Der Vorstand hat zwar mittlerweile in Teilen gewechselt, aber die Stiftung sammelt weiter Geld. 310.000 Euro beträgt mittlerweile der Stiftungsstock. Auch die seit 2006 eingesammelten Spenden von 144.000 Euro reichen natürlich nicht aus. Davon wurde bislang hauptsächlich ein Nutzungskonzept erarbeitet. Das ist zwar auch schon zwei Jahre alt, zeigt aber - erarbeitet von Studenten der HHL - wie der alte Kasten aus einem längst vergangenen Zeitalter wieder genutzt werden kann.


Das Arbeitsgerüst in der ehemaligen Frauenschwimmhalle.
Das Arbeitsgerüst in der ehemaligen Frauenschwimmhalle.
Foto: Ralf Julke
Denn die Badekultur, die hier in Teilen noch besichtigt werden kann, ist die einer Großstadt, in der fließend Warmwasser nur in wenigen Häusern zum Standard gehörte, in der die Geschlechter noch getrennt badeten und so mancher auch zum Wannenbad in die nächste Badeanstalt pilgerte. Das war so eine Art Sonntagsvergnügen. Solche Wannenbäder findet man auch im alten Stadtbad - nebst all den orientalisch anmutenden Sauna- und Erholungsbereichen, die zwar Staunen machen - aber nicht mehr kostendeckend zu rechnen sind.

Und so haben auch diverse andere - zumeist studentische - Arbeiten zu Nutzungskonzepten in der Regel belegt, das eine Wiederaufnahme des alten Badebetriebes wirtschaftlich nicht darzustellen ist. Die beiden Schwimmhallen (Männlein rechts, Weiblein links) sind zu klein. Im Männerschwimmbad waren 2004 einzelne Brocken von der in den 1950er Jahren zuletzt sanierten Decke gefallen. Kein Drama, aber Auslöser für das Trockene "Nein" für den Weiterbetrieb aus dem Bauordnungsamt.

Das Männerschwimmbad mit seinem 800-Quadratmeter-Becken, das einst auch eine eindrucksvolle Wellenmaschine besaß, wird so nicht wieder auferstehen. Zukunft ungewiss. "Im Sommer soll es noch eine Ausschreibung unsererseits für ein Nutzungskonzept geben", sagt Ingolf Weitzmann, verantwortlich fürs Liegenschaftsmanagement im Liegenschaftsamt der Stadt Leipzig. Denn auch wenn die Förderstiftung fleißig Spenden einsammelt: Das Gebäude gehört weiterhin der Stadt. Sie ist auch Bauherr der Baumaßnahmen, die im Februar dieses Jahres begannen.

Ebenfalls original: die Trägerkonstruktion über dem Nordflügel. Darunter hing die - mittlerweile abgebrochene - Gewölbedecke des Männewrschwimmbades.
Ebenfalls original: die Trägerkonstruktion über dem Nordflügel. Darunter hing die - mittlerweile abgebrochene - Gewölbedecke des Männewrschwimmbades.
Foto: Ralf Julke
"Mit etwas Verzug", wie Marcus Kröber vom verantwortlichen Architekturbüro Fuchshuber & Partner erklärt. Aber nicht die Fördergeldgeber in Dresden waren diesmal schuld, sondern der knackekalte Winter. Kröber: "Das spielt bei Dacharbeiten schon eine gewisse Rolle." Denn mit 870.000 Euro aus dem Konjunkturpaket II und weiteren rund 900.000 Euro aus städtischen Mitteln und Leistungen der ARGE Leipzig wird das Dach des Stadtbades energetisch saniert. "Einen weiteren Verfall hätten wir uns hier nicht erlauben können", sagt Weitzmann - und ist sichtlich froh, das die Konjunkturpaket-Mittel helfen, wo der Stadt das Geld schlicht fehlt.

"Damit sichern wir das Haus für die nächsten Jahre", sagt Weitzmann. Vielleicht sogar die nächsten 100 Jahre, meint auch Kröber. Die Dachkonstruktion war noch weitestgehend intakt, auch wenn an einigen Gaupen schon seit Jahren das Wasser eindrang.

Kröber: "Aber weil der Raum hier oben immer gut durchlüftet war, halten sich die Schäden in Grenzen." Einige Teile der Holzkonstruktion mussten ersetzt werden. "Insbesondere im mittleren Bereich, wo wieder der ursprüngliche Dachturm aufgesetzt wird", erklärt der Architekt. "Den haben wir nach alten Bildvorlagen rekonstruiert. In den nächsten Wochen wird er aufgesetzt. Wir überlegen nur noch, ob wir ihn in Einzelteilen liefern lassen oder im Ganzen aufsetzen."

Arbeiten unterm Dachstuhl de Stadtbades: Die stählernen Träger sind original und neu gestrichen.
Arbeiten unterm Dachstuhl de Stadtbades: Die stählernen Träger sind original und neu gestrichen.
Foto: Ralf Julke
Große Teile der Dachkonstruktion sind aus genietetem Stahl. Sie sind weitgehend intakt und auch schon mit neuem Rostschutz versehen. "Nur einige Streben sind vom Rost geschädigt", so Kröber. "Die werden wir wohl austauschen müssen."

Der größte Teil des Daches ist schon gedeckt. Viele der ursprünglichen Dachgauben sind wieder hergestellt und bekommen gerade wieder ihre Kupferverkleidung. Die Gewölbekonstruktion in der einstigen Männerschwimmhalle ist schon komplett abgebrochen worden. Über 150 Tonnen Bauschutt mussten hier aus dem Gebäude geschafft werden, nachdem man vorher ein aufwändiges Baugerüst ebenfalls per Muskelkraft ins Haus schaffen musste.

Dasselbe passiert jetzt auf der Südseite im alten Frauenschwimmbad. Das Gerüst steht. "Muss aber noch abgenommen werden", so Kröber. Für ein kleines Expeditionsteam Leipziger Journalisten ist es stabil genug, als sie am Donnerstagmorgen über Metalltreppen bis unter die Decke des alten Bades klettern. Ein letzter Blick auf die Bauschönheit von 1916. Man ist hier auf Höhe der Gaupenfenster, die auch nur in den ersten Jahren nach 1916 Licht ins Bad gelassen haben dürften. Später wurden die meisten vermauert. Auch künftig werden sie hoch über dem 10 mal 25 Meter großen Schwimmbecken zu sehen sein. Denn das Frauenbad wird - anders als das Männerbad - restauriert und in einen künftigen Sauna- und Wellness-Bereich integriert.

"Jedes Konzept bestätigt uns, das das funktionieren kann", sagt Anja Hesse-Grunert, die seit Mai für die Pressearbeit der Förderstiftung zuständig ist.

Auch die Gewölbedecke wird - nach ihrem Abbruch - wieder erstehen. Sie sieht stabil aus, besteht aus Beton. "Aber was die Erbauer damals mit einer doppelten Schalendecke zu verhindern hofften, hat eben leider nicht geklappt", sagt Kröber. "In Schwimmbädern wird nun mal Chlor genutzt. Und die Chloride haben sich auch in den Beton gefressen."

Also muss auch diese Decke in den nächsten Tagen mühsam abgebrochen werden: um die 100 Tonnen, die das Gerüst, dessen Aufbau allein fast sechs Wochen gedauert hat, aushalten muss. "Wir haben auch geprüft, ob wir das Material einfach ins Schwimmbecken hätten fallen lassen können", so Kröber. "Aber die Schäden wären nicht zu überschauen gewesen." Denn hier will man die alte Schönheit des Raumes bewahren. Anders als auf der Männerseite, wo auch der Denkmalschutz grünes Licht zu baulichen Veränderungen gegeben hat. Zwar ist noch offen, welche Nutzung sich für den Gebäudeteil künftig anbietet. Die Förderstiftung aber rechnet damit, dass vorerst ein Saal einsteht, der für Veranstaltungen mit bis zu 600 Personen genutzt werden kann.

"Denn natürlich kosten auch die nächsten Schritte Geld", sagt Hesse-Grunert. "Wir sammeln weiter und suchen weitere Sponsoren." Neueste Aktion: Man kann für eine Jahresspende von 60 Euro zum "Badefreund" werden, für 500 Euro sogar zum "Bademeister".

Alle Informationen zur Förderstiftung findet man unter:
www.herz-leipzig.de

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