Neonazi-Demos am 16. Oktober: Dritter Aufzug soll im Leipziger Norden stattfinden
Patrick Limbach
13.09.2010
Platz nehmen
Foto: Patrick Limbach
Aller guten Dinge sind drei. Und aller schlechten scheinbar auch. Am Freitag kündigten Leipziger Neonazis im Internet einen dritten Aufzug für den 16. Oktober an. Das Leipziger Ordnungsamt bestätigte heute auf Nachfrage die Anmeldung für den Norden von Leipzig.
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Demnach möchten sich 600 Demonstranten nach Angaben der Anmelder am 16. Oktober um 11.00 Uhr am Rathaus Wahren treffen. Von dort aus planen sie, ab um 12.00 Uhr den langen Weg vom Rathaus Wahren über die Georg-Schumann-Straße, Eutritzscher Straße, Gerberstraße und den Willy-Brandt-Platz zum Hauptbahnhof zurückzulegen, wo sie ihre Abschlusskundgebung abhalten möchten. Eine Zwischenkundgebung ist vor der Agentur für Arbeit in der Georg-Schumann-Straße geplant.
Spätestens um 20.00 Uhr soll die Veranstaltung beendet sein. Die Anreise der meisten Neonazis dürfte mutmaßlich über den S-Bahnhof Leipzig-Wahren erfolgen. "Die Neonazis versuchen mit dieser Route die soziale Frage nationalistisch aufzuladen", erklärt Juliane Nagel (Die Linke) vom Aktionsnetzwerk "Leipzig nimmt Platz", dass zivilgesellschaftlichen Gegenprotest organisiert.
Platz nehmen - nicht nur in Leipzig: 2008 saßen in Berlin ebenfalls junge Menschen, wie in Leipzig die Jahre zuvor auf der Straße
Foto: Patrick Limbach
Als Verantwortlicher fungiert diesmal NPD-Landesorganisationsleiter Maik Scheffler, der den Aufzug im Namen der sächsischen "Jungen Nationaldemokraten" (JN) angemeldet hat. Beim Aufmarsch am 17. Oktober vergangenen Jahres gehörte der Delitzscher Stadtrat noch zum Ordnungspersonal. Scheffler gilt als Führungskader innerhalb des ehemaligen Kameradschaftsnetzwerks und heutigen NPD-Vorfeldorganisation "Freies Netz" sowie als Kopf des militant agierenden "Aktionsbüro Nordsachsen".
Dass die Anmeldung durch ihn erfolgt ist, unterstreicht abermals die Nähe der "Recht auf Zukunft"-Kampagne zur sächsischen NPD. Die JN-Veranstaltung könnte, so sie denn stattfinden sollte, nach ersten Informationen karnevalistische Züge annehmen. Zwanzig Neonazis in Sensenmann-Kostümen sollen den Aufzug anführen. Für den richtigen Marschtakt sollen nach Willen des Anmelders sechs Trommler sorgen. Ob die Veranstaltung im Leipziger Nordwesten tatsächlich stattfinden wird, ist allerdings fraglich. Wenngleich die hohe Teilnehmerzahl und die Person des Anmelders dafür sprechen würden, so scheint die Strategie der Leipziger Neonazis noch schwer durchschaubar.
Dass alle drei Veranstaltungen stattfinden werden, gilt unter Szene-Beobachtern als unwahrscheinlich, da Großaufmärsche der Szene dienen, ihren Mitgliedern Zusammengehörigkeit zu vermitteln.
Als wahrscheinlicher gilt, dass die Rechten ihre politische Gegner durch eine Vielzahl von Anmeldungen hinters Licht führen möchten. "Wir lassen uns nicht angesichts dieser offensichtlichen Verwirrungsstrategie von unserem Ziel abbringen", so Nagel. "Wir werden ihre Aufmärsche in Wahren, Plagwitz oder in der Innenstadt verhindern. Wir stehen damit auch für eine offene Gesellschaft ein, in der soziale Standarts für alle gelten."
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