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Neonazi-Demo am 16. Oktober: Anmelder bekannt, die Planungen der Gegenproteste haben begonnen

Patrick Limbach & Michael Freitag
Foto: L-IZ.de
Bisher schweigt sich das Ordnungsamt zu den Anmeldern des Doppel-Aufzuges am 16. Oktober 2010 aus, doch Leipzig ist etwas zu klein für so etwas. "Wir fragen bei Anmeldungen von Privatpersonen zunächst die Anmelder, ob sie mit der Weitergabe ihrer Namen an die Presse einverstanden sind", erklärte Amtsleiter Helmut Loris die Haltung seiner Behörde. Nun ist dennoch bekannt, was zu ahnen war.

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Nach Informationen, die L-IZ.de vorliegen, wurden die beiden Aufzüge von zwei bekannten Personen aus der nationalistischen Szenerie Leipzigs angemeldet. Der sächsische JN-Landesvorsitzende Tommy Naumann zeichnete bereits für die nach Ausschreitungen von der Polizei aufgelöste Demonstration am 17. Oktober 2009 und nun für die erneute Anmeldung verantwortlich. Sein Mitstreiter und Anmelder Nummer zwei, Istvan Repaczki ist in der Messestadt ebenfalls kein Unbekannter.

Durch eine Vielzahl von Anmeldungen kleiner bis mittelgroßer Veranstaltungen im Jahr 2008 avancierte der 22-Jährige, der beruflich bei der NPD-Landtagsfraktion in Dresden für die Öffentlichkeitsarbeit mitverantwortlich zeichnet, zu einer der bekanntesten Leipziger Führungspersonen. Manchem Leipziger ist er noch in unguter Erinnerung, als er nach dem Tod seiner Nichte Michelle, die Tragödie zum Anlass für politische Demonstrationen in Leipzig-Reudnitz nutzte.

Tommy Naumann steht dem hiesigen Stützpunkt der NPD-Nachwuchsorganisation "Junge Nationaldemokraten" seit seiner Gründung am 20. April 2008, zufällig der 119. Geburtstag Adolf Hitlers, vor. Im November des gleichen Jahres übernahm der 25-Jährige den Vorsitz des sächsischen Landesverbands. In dieser Funktion gehört der gelernte Mechatroniker Kraft dieses Amtes dem Vorstand der sächsischen NPD an. Naumann und Repaczki bewarben sich im Juni 2009 für die NPD erfolglos um Sitze im Leipziger Stadtrat.

Beide gehören über ihre JN-Mitgliedschaft dem sogenannten "Freien Netz" an – ein Zusammenschluss von sowohl freien als auch parteigebundenen Kameradschaftsstrukturen im mitteldeutschen Raum. Was als parteiferne Kameradschaftsstruktur begann, hat sich in Sachsen binnen weniger Jahre zu einer Vorfeldorganisation der sächsischen NPD entwickelt.

Für die Partei ein guter Handel: Sie bietet den Kameradschaftern finanzielle Ressourcen, Infrastruktur und den Führungskadern Jobs. Im Gegenzug kann sie bei Bedarf auf den Nachwuchs zurückgreifen, der im Gegenzug Wahlkampfunterstützung leistet, Ordnerdienste übernimmt oder sich als festes Mobilisierungspotential zur Verfügung stellt.

Mit der Nähe der Anmelder zur sächsischen NPD dürfte sich die gern verbreitete Annahme, es handele sich bei den Demos um Veranstaltungen freier Kameradschafter also in Luft aufgelöst haben.
Mit der Nähe der Anmelder zur sächsischen NPD dürfte sich die gern verbreitete Annahme, es handele sich bei den Demos um Veranstaltungen freier Kameradschafter also in Luft aufgelöst haben.
Foto: L-IZ.de

Mit dem Delitzscher Stadtrat Maik Scheffler stellt das "Freie Netz" mittlerweile deren Landesorganisationsleiter. Eine Anzahl von Mitgliedern des "Freien Netz" steht inzwischen auf den Gehaltslisten der sächsischen NPD oder einzelner NPD-Abgeordneter.

Mit der Nähe der Anmelder zur sächsischen NPD dürfte sich die gern verbreitete Annahme, es handele sich bei den Demos um Veranstaltungen freier Kameradschafter also in Luft aufgelöst haben. Wenngleich Naumann und Repaczki ihre Aufzüge am 16. Oktober 2010 als Privatpersonen angemeldet haben, verbirgt sich hinter der ausrichtenden Organisationsstruktur dennoch niemand anderes als die sächsische JN und ihr personelles Umfeld, hier also im weiteren Kreis und durch persönliche Verbindungen die sächsische NPD. Ob alle an Planung und Durchführung beteiligten Akteure ein Parteibuch in der Tasche haben oder nicht, ist schlussendlich jedoch Augenwischerei und nicht von Belang für den Teil der Szene, dem die NPD noch ein Stück zu demokratiefreundlich scheint.

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Während sich die Demonstrationsanmelder in den kommenden Tagen mit Vertretern des Leipziger Ordnungsamtes und der hiesigen Polizei zu einem ersten Absprachetermin treffen werden, planen verschiedene Leipziger Initiativen im Eiltempo die ersten Gegenproteste. Die Vereine Erich-Zeigner-Haus e.V. und Leipzig. Courage Zeigen e.V. haben unter dem Motto "16. Oktober 2010 – Dem Nazi-Aufmarsch entgegen treten" in der Zeit von 10.00 – 18.00 Uhr auf der Freifläche Karl-Heine-Straße, Ecke Zschochersche Straße eine Kundgebung angemeldet. Das Aktionsbündnis Leipzig, das im Vorjahr unter Beteiligung Leipziger Bürger den Neonazi-Aufmarsch in der Eisenbahnstraße durch "Platznahme" bereits am Starten gehindert hatte, hat seine Arbeit ebenfalls wieder aufgenommen. Auf der Internetseite des Bündnisses findet sich bereits das Datum des kommenden Aufmarsches im Kopf der Seite.

Details zu Aktionen dieses Bündnisses sind noch nicht bekannt.

Ob die Neonazis die angemeldeten Routen überhaupt nutzen können, scheint indes durchaus fraglich. Gleich drei Veranstaltungen tangieren die geplanten Aufzugsstrecken. Am Nachmittag des 16. Oktober 2010 empfängt RB Leipzig im ehemaligen Zentralstadion die Amateure des VfL Wolfsburg. Am Abend tritt in der Arena der Comedian Mario Barth auf. Die Jahnallee wäre vom An- und Abreiseverkehr der Besucher des Sportforums gleich doppelt frequentiert - eine Nadelöhrsituation auf halbem Streckenweg aus dem Leipziger Westen Richtung Hauptbahnhof. Daneben geben sich am Abend prominente Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport ein Stelldichein beim Leipziger Opernball.

Neben dem zu erwartenden Verkehrschaos bei einer Routenführung des zweiten Aufzuges über den Leipziger Innenstadtring am Tage, kann es also bei einer eventuellen Verzögerung auch ein merkwürdiges Aufeinandertreffen am Augustusplatz geben.

Das Aktionsbündnis Leipzig im Netz: www.leipzig-nimmt-platz.de

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