Elsterstausee ist nur mit einem wasserwirtschaftlichen Zweck zu erhalten
Gernot Borriss
10.04.2011
Der Elsterstausee verschwindet ....
Foto: Bernd Reiher
Der Elsterstausee ist nur dann zukünftig wirklich gesichert, "wenn er wieder einen wasserwirtschaftlichen Zweck bekommt.“ Seinen Lösungsvorschlag erläutert der Leipziger Wasserwirtschaftler William Grosser im L-IZ-Interview. Zugleich kritisiert der Linken-Stadtrat den fehlenden Willen der Stadtverwaltung am Erhalt des Sees.
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Herr Grosser, der Leipziger Verein Industriekultur widmete dem Elsterstausee in dieser Woche einen Vortragsabend. Dort sprachen Sie über die technischen Möglichkeiten zur Wiedergewinnung des Sees. Worin besteht Ihr Konzept?
Grundlage meines Konzeptes ist die Feststellung, dass der Elsterstausee nur dann zukünftig wirklich gesichert ist, wenn er wieder einen wasserwirtschaftlichen Zweck bekommt.
Und diesen Zweck erhält er, wenn mein Konzept umgesetzt wird. Er wäre zwar dann kein Stausee mehr, aber das ist er seit den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts schon nicht mehr. Vielmehr könnte er als Wasserspeicher innerhalb eines gesunden Wasserhaushalts im südlichen Auwald dienen und obendrein auch für die Bootsgängigkeit im Floßgraben sorgen.
Mit dem Konzept werden mehrere technische Lösungen aufgezeigt, die alle Wasser aus der Weißen Elster vor der Gefällestufe in Hartmannsdorf entnehmen, dem See zuführen, wo es zunächst gelagert wird und nach Bedarf über ein Grabensystem in den Auwald und die Hartmanns-Schlenke abgeleitet wird.
Wie soll das geschehen?
William Grosser.
Foto: Fraktion Die Linke Leipzig
Diese technischen Lösungen unterscheiden sich untereinander nur marginal. Meine Vorzugslösung ist, dass mit einer Dükerleitung zwischen Weißer Elster und Elsterstausee das Prinzip der kommunizierenden Röhren realisiert wird. Damit hätten wir im Elsterstausee immer die gleiche Wasserspiegelhöhe wie in der Weißen Elster vor der Gefällestufe von etwa 117,5 m NN. Wir könnten damit im See 1.200.000 m³ speichern und trotzdem 1000 l/s bis 1350 l/s in die Zielsenken leiten.
Das ist bitter nötig, weil durch die Absenkung der Sohle des Floßgrabens eine weitere Dränagewirkung eingetreten ist, die zu einem weiteren Wasserverlust im Auwald führt. Die Stadt will diesen Effekt mit der Kapazitätserweiterung einer bestehenden Leitung zwischen der Weißen Elster (Wehr in Höhe Stilles Wasser / Lauerscher Weg) zur Hartmanns-Schlenke erzielen. Allerdings beträgt da die Gefällehöhe nur ca. 50 cm. Bei Niedrigwasser der Weißen Elster funktioniert dieses System nicht mehr.
Aber wie es so ist: Dieses System wird über das Dritte ergänzende Verwaltungsabkommen über die Regelung der Finanzierung der ökologischen Altlasten (VA Altlastensanierung) vom 10.01.1995 über die Finanzierung der Braunkohlesanierung in den Jahren 2008 bis 2012 (VA IV Braunkohlesanierung) vom 2. Juli 2007) gefördert, ein Schildbürgerstreich.
Die technischen Möglichkeiten zum dauerhaften Erhalt des Elsterstausees sind also offenbar gegeben. Dennoch weiden auf der Seesohle Schafe. Woran scheitert die Wiedergewinnung des Sees bislang?
Dass im ausgetrockneten See Schafe weiden, geht auf eine Initiative von mehreren Stadträten zurück. Diese befürchteten, dass mit der zunehmenden Verbuschung eine Schädigung der Auelehm-Dichtung weiter vor sich geht. Eine fortschreitende Sukzession der Seesohle muss unbedingt gestoppt werden.
Allerdings glaube ich, dass das Amt für Stadtgrün und Gewässer hierbei nicht wirklich im Sinne des See-Erhalts handelte. Mit einem Fünfjahresvertrag hat es sich praktisch selbst fünf Jahre Zeit eingeräumt, um Tatsachen zu schaffen. Und die Schafbeweidung wird das Problem nicht beseitigen.
Wasserreste und grünes Gras im auslaufenden Elsterstausee.
Foto: Bernd Reiher
Wo liegen für Sie die Ursachen für diese Entwicklung?
Die Wiederherstellung des Sees scheitert nach meiner Ansicht vor allem am Willen der Stadtführung. Die Finanzierung wäre wesentlich einfacher zu bewerkstelligen, wenn der Oberbürgermeister sich für diesen See wirklich interessierte. Aber er kennt ihn wahrscheinlich überhaupt nicht. Er weiß nicht, dass der Elsterstausee mehrere Alleinstellungsmerkmale besitzt. Eines davon ist, dass er höher liegt als alle anderen Seen rings herum, was ihn befähigt, als Wasserspeicher zu fungieren. Weder der Cospudener noch der Zwenkauer See kann diese Funktion übernehmen, ohne dass man Energie hineinstecken muss.
Auch der Freistaat nimmt die Brisanz des Wasserhaushaltes im südlichen Leipziger Auwald bislang nicht zur Kenntnis. Beispiel: Die jüngsten Hochwasserschutzmaßnahmen zeugen davon, dass man nicht den Auwald in seiner natürlichen Funktion nutzen will. Und auch der Elsterstausee spielt keine Rolle in der Planung zur Gesundung des Wasserhaushaltes.
Welche Zukunft wünschen Sie sich für den Elsterstausee?
Ich wünschte mir zunächst, dass alle Verantwortlichen zu Akteuren in Sachen Erhalt des Elsterstausees als Gewässer werden. Ich wünsche mir, dass diese Leute erkennen, welche Chancen in der Erhaltung liegen. Ich wünschte mir, dass begriffen wird, dass wasserwirtschaftliche Prozesse komplex sind und dass sie deshalb nicht Klein-Klein-Lösungen präferieren.
Sie stellen den Elsterstausee in den Gesamtkontext des Leipziger Auwaldes und des Hochwasserschutzes für die Region. Welche Rolle kann der Elsterstausee hierbei spielen?
Für den Hochwasserschutz spielt er eher eine geringe Rolle. Dazu ist sein Fassungsvermögen durch die Teilung in den siebziger Jahren zu klein. Neben der Rolle im Wasserhaushalt spielt er aber auch eine große Rolle als technisches Kulturgut und im Kontext mit dem Auwald als ökologisches System.
Welche Bedeutung haben für Sie persönlich der Auwald und der Elsterstausee?
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