Selbstnutzerprojekt im Leipziger Westen: Im Brunnenviertel sprudelte das erste Nass
Gernot Borriss
10.05.2011
Martin zur Nedden zu Besuch im Brunnenviertel.
Foto: Gernot Borriss
Symbolisch sprudelte der erste Brunnen schon im künftigen Brunnenviertel an der Georg-Schwarz-Straße. Am Sonntag hatten Stadtteilakteure in das Karree geladen, das die Stadtbau AG gemeinsam mit Selbstnutzern entwickeln will. Die historischen Tiefen des Areals will der Lindenauer Stadtteilverein zu Tage fördern.
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Lindenau ist nah am Wasser gebaut. Rein geographisch, versteht sich. Wie der Name des Ortsteils im Leipziger Westen verrät, entstand das Dörfchen in der Leipziger Auenlandschaft.
Diese besondere Lage soll nun zum Tragen kommen, wenn das Geviert gegenüber dem Diakonissenkrankenhaus von Selbstnutzern zu neuem Leben erweckt werden soll. Was Brunnenviertel heißt, soll auch durch Brunnen geprägt sein.
Kaffee Schwarz: Martin zur Nedden, Suzanne Wittig Raymond Romanos und Konrad Scheibe (v.ln.r.).
Foto: Gernot Borriss
Das erste symbolische Nass sprudelte am vergangenen Sonntag zwar noch aus der Leitung und ergoss sich in einem kleinen Pool. Doch das Zeichen ist klar: Im idyllischen Innenhof der Anlage werden Brunnen gebohrt werden. Und was den besonderen Reiz ausmacht: Die Innenfläche kann terrassengleich gestaltet werden, da der Niveauunterschied zwischen Georg-Schwarz-Straße und William-Zipperer-Straße ausgeglichen werden muss.
Zu jedem der 60 Gründerzeithäuser des Viertels werde es einen kleinen Garten in Gemeinschaftseigentum geben, erläuterte Konrad Scheibe vom Architekturbüro Gregor Fuchshuber & Partner beim Rundgang mit Leipzigs Baubürgermeister Martin zur Nedden. „Und in der Mitte entsteht dann ein kleiner Park“. Dieser soll allen zugänglich sein, eine strikte Parzellierung passe nicht ins Konzept.
Ein Planschbecken darf schon mal die Rolle des Brunnens spielen.
Foto: Gernot Borriss
Die gut 38.000 Quadratmeter Wohnfläche solle von Selbstnutzern entwickelt werden. Drei bis vier Jahre sei für die Entwicklung veranschlagt, so Konrad Scheibe. Besitzer Stadtbau AG und das beauftragte Architekturbüro verstehen sich hierbei als Partner und Ermöglicher. Räume schaffen, die Leben anziehen, lautet das Motto. Um besondere Wohnqualitäten zu schaffen, setze man nach den Worten von Konrad Scheibe auf Maisonetten- und Etagenwohnungen.
Bürgermeister zur Nedden nennt das Geviert eine „Oase inmitten der Stadt“. Jede westdeutsche Stadt könne sich glücklich schätzen, wenn sie so ein Quartier habe, so der Stadtbaurat. Er sei sich sicher, dass „mit innovativen Ideen, die Selbstnutzer haben“, das Potenzial des Viertels gehoben werden könne.
Zum Fixpunkt und Ankerplatz des Brunnenviertels entwickelt sich zunehmend das Kaffee Schwarz in der Georg-Schwarz-Straße 56. Suzanne Wittig und Raymond Romanos vom Verein Haustaucher e.V. eröffneten hier Mitte April. Neben Kaffee und Kuchen geht es in den neu hergerichteten Räumen auch um Kilzut und um die Geschichte der umliegenden Häuser und der Georg-Schwarz-Straße.
Die historischen Tiefen des Brunnenviertels will auch der Lindenauer Stadtteilverein zu Tage fördern. Vereinsmitglied Christina Weiß hat alte Akten gewälzt. „Hier war alles ursprünglich Wiese“, hat sie zu diesem Teil des alten Auendorfes Lindenau herausgefunden. In den 1880er Jahren habe dann ein gewisser Moritz Friedrich das Gelände aufgekauft und bebauen lassen.
„Wir sammeln Geschichte(n) rund um die Georg-Schwarz-Straße“, sagt Christina Weiß. Sie lädt Anwohner ein, mit ihren Erinnerungen und Fotos die Geschichte der Straße lebendig werden zu lassen und Wegmarken zu setzen.
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