Tag Blau im Floßgraben: Am Ende sind sie alle Paddler
Gernot Borriss
12.07.2011
Anfangs nicht ganz freiwillig - am Ende wie ein Kapitän: OBM Burkhard Jung hier im Paddelboot auf dem Floßgraben (Landrat Gerhard Gey links von ihm im Nachbarboot)
Foto: Privat
Der Floßgraben ist und bleibt der neuralgische Punkt der schönen neuen Leipziger Gewässerwelt: ökologisch hochsensibel und für motorbetriebene Boote eigentlich ungeeignet. Deshalb stiegen am Montag beim Tag Blau Oberbürgermeister Burkhard Jung, Landrat Gerhard Gey und Bürgermeister Heiko Rosenthal dort auf das Paddelboot um – nicht ganz freiwillig.
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Der Tag Blau am Montag war der Tag der großen Gesten und Einladungen. Da wollten auch die Leipziger Umweltverbände nicht zurückstehen und luden zu einer „entschleunigten Naturführung gegen die weiterhin zu befürchtende Motorisierung des Floßgrabens“.
Die Einladung dazu ging nicht per Post an die Spitzen der regionalen Politik, sie wurde am Montag persönlich ausgesprochen. Als die Leipzig-Boote mit den Honoratioren der Region von der Pleiße in den Floßgraben einbiegen wollten, sah sich die E-Motor-betriebene Armada plötzlich dem maritimen Empfangskomitee der Leipziger Umweltschützer gegenüber. Ihre Forderungen waren unmissverständlich und bekannt: „Keine Motorboote in den Floßgraben“.
Auch Heiko Rosenthal wurde aus dem Motorboot gelockt und schipperte gemeinsam mit den Umweltaktivisten über den Floßgraben- ob die Bo(o)tschaft ankam?
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Damit die Reisegesellschaft dennoch ihr Ziel am Cospudener See zu Wasser erreichen konnte, waren in den Paddelbooten Plätze für die Spitzen der regionalen Politik vorgesehen. Das Angebot wurde hingegen nicht gleich wahrgenommen. Mancher Beobachter sah sogar die Grundregel des Wasserverkehrs missachtet, wonach muskelbetriebene Wasserfahrzeuge immer Vorrang vor motorbetriebenen zu gewähren ist.
Doch dann verbeugten sich Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), der Landrat des Landkreises Leipziger Gerhard Gey (CDU) und Leipzigs Sport- und Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke) vor der besonderen Schutzwürdigkeit von Floßgraben und Auwald. Sie wagten den Umstieg ins Paddelboot und griffen selbst zum Stechpaddel.
Bei der nunmehr gemeinsamen Fahrt konnten die Umweltschützer der Politik ihre Bedenken nochmals mitteilen. Umstieg und Gespräch wertete NABU-Landesgeschäftsführer Philipp Steuer im Anschluss gegenüber L-IZ als Bekenntnis zum Floßgraben und Erfolg der Umweltverbände. „Es wird sich nun zeigen, wie verbindlich das ist“, fügte er mit Blick auf die weitere Entwicklung hinzu.
Am Tag Blau war der Wasserstand über 60 Zentimeter- auch das Motorboot konnte passieren: Der OB saß derweil mit dem Paddel in der Hand bei den Floßgrabenschützern
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„Ich denke, die Botschaft ist angekommen, dass sehr viele Leipziger keine Motorboote im Floßgraben wollen“, so Philipp Steuer weiter nach dem gemeinsamen Paddeln mit den Promis. Mit den Erkenntnissen des Tages Blau sollten Landesdirektion und Landrat das Vorhaben der allgemeinen Schiffbarkeit im Floßgraben und auf den Trainingsstrecken gleich endgültig aufgeben, forderte Steuer zudem.
„Die heutige naturkundliche Führung hat deutlich gezeigt, dass der Floßgraben nicht geeignet ist für den Begegnungsverkehr zwischen Motorbooten und Natursportlern“, unterstrich der Umweltaktivist am Montagabend. Im Übrigen hätte nur der Regen der letzten Tage zu einer Wasserhöhe geführt, die ein Passieren des Floßgrabens durch Leipzigboote im Rahmen der gesetzten Auflagen erlauben. „Aber bis vor einer Woche lag der Wasserstand im Floßgraben seit Monaten unter den geforderten 60 Zentimeter“, führte Steuer als Begründung dafür an, warum eine allgemeine Schiffbarkeit hier nicht möglich ist.
„Die Verwaltungsspitze hat ein Zeichen gesetzt und ist umgestiegen“, schätzte auch Leipzigs Grünen-Sprecher Jürgen Kasek nach der Aktion der Umweltverbände ein.
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