100-jähriges Denkmal: Sporthalle Leplaystraße nach Sanierung für Ringer freigegeben
Ralf Julke
02.09.2011
In der großen Ringerhalle in der Leplaystraße.
Foto: Ralf Julke
Markus Ulbig wäre gern gekommen. Als Innenminister ist Ulbig in Sachsen auch für die Verteilung der Städtebaufördermittel zuständig. Und einen Termin wie die feierliche Wieder-Inbetriebnahme der denkmalgeschützten Sporthalle Leplaystraße hätte der CDU-Minister sich keineswegs entgehen lassen - hätte er nicht zeitgleich im Innenausschuss des Landtages Rede und Antwort stehen müssen.
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"Der Termin war leider wichtiger", sagt Dr. Michael Wilhelm, Staatssekretär im Innenministerium. Er vertrat seinen Minister und freute sich an diesem 1. September auch, Leipzig einmal loben zu können. "Leipzig ist eine Erfolgsgeschichte", sagte er. Und meinte nicht nur die Denkmal-Sporthalle in der Leplaystraße. Sie ist ja keine Ausnahme. Sie steht für 20 Jahre erfolgreiche Sanierungspolitik, die Leipzig wieder zu einer der schönsten deutschen Großstädte gemacht hat. Und dazu gehört - was Wilhelm nicht erwähnt - der lange Jahre vorbildliche sächsische Denkmalschutz. Er hat Maßstäbe gesetzt.
Er hat auch viele Bauherren gezwungen, Geld in eine originalgetreue Restaurierung zu investieren. In Leipzig ist zu besichtigen, welchen Wert das einer Stadt wieder verleiht. Mit der Sporthalle Leplaystraße ist für fast 7 Millionen Euro in den letzten beiden Jahren ein Sportbau restauriert worden, der selbst ein Stück Leipziger Sportgeschichte ist. Den Grundstein legte einer der Großväter des Leipziger Sports, Dr. Ferdinand Goetz, lange Zeit Vorstandsvorsitzender der deutschen Turnerschaft. 1913 fand in Leipzig das 12. Deutsche Turnfest statt, in dessen Rahmen am 28. Juni 1913 die damals wohl größte Sporthalle in Deutschland feierlich eingeweiht wurde: 5.000 Quadratmeter groß und - ein echtes Novum: Erstmals waren zwei Sporthallen übereinander gebaut worden.
In Ocker strahlt die sanierte Sporthalle in der Leplaystraße.
Foto: Ralf Julke
1967/1968 wurde die Halle für 3,5 Millionen Mark vom VEB Baukombinat Leipzig letztmalig umgebaut. Damals zogen Sportarten wie Volleyball, Handball, Hockey und Ringen ein. Seit den 1990er Jahren war der neuerliche Sanierungsbedarf akut. "Das war eine der ersten Ortsbegehungen, die ich 1999 als neuer Sportdezernent machte", erinnert sich Leipzigs Oberbürgermeister an das lange, zähe Ringen um die Sanierung der Halle. "Schon damals lagen die Kostenprognosen im zweistelligen Millionenbereich. Das waren damals noch D-Mark."
Immer wieder war die Sporthalle Thema in den Haushaltsverhandlungen. Immer wieder flog sie raus, weil andere Projekte noch dringender waren. Aus eigener Kraft hätte Leipzig das Projekt sowieso nicht gestemmt. Am Ende sagten Bund und Land 4,7 Millionen Euro aus dem Förderprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz – Innenstadt“ zu. Den Rest musste Leipzig als Eigenanteil stemmen. Und ganz fertig war am Donnerstag, 1. September, doch noch nicht alles. Auch wenn die geladenen Gäste schon begutachten konnten, was aus dem zuvor recht dunklen Haus geworden ist. Das Erdgeschoss ist schon bespielbar. Hier sind in zwei Hallen die Ringerinnen und Ringer des Kampfsport- und Fitness-Clubs (KFC) zu finden, deren Tradition mehrere Medaillengewinner bei Weltmeisterschaften und Olympiaden verzeichnet. Die Hallen sind nach modernen Standards gestaltet, lichtdurchflutet.
Banddurchschnitt zur Wiederinbetriebnahme mit Sportbürgermeister Heiko Rosenthal, Staatssekretär Michael Wilhelm und OBM Burkhard Jung.
Foto: Ralf Julke
Eine Etage höher sind die Fitness-Räume. Und darüber konnten die Gäste der Wiedereröffnung zumindest durch die geöffnete Tür ein Blick in die große Volleyballhalle werfen, die schon die wiederhergestellte architektonische Eleganz von 1913 zeigt. Wie im Theater sitzt das Publikum hier auf den Rängen. Nur der Fußboden ist noch nicht bespielbar. Vier Wochen dauert es noch, bis die Versiegelung trocken ist und auch die Volleyballer der LE Volleys ins Haus dürfen.
„Ich freue mich sehr, dass die traditionsreiche Sporthalle pünktlich vor ihrem 100. Geburtstag im Jahr 2013 nun nach einer baulichen Verjüngungskur wieder genutzt werden kann“, sagte Oberbürgermeister Burkhard Jung zur sonnigen Eröffnung. „In ihr haben schon Generationen von Sportlerinnen und Sportlern geschwitzt oder aber im Publikum geklatscht – sie ist ein Stück Sportgeschichte unserer Stadt. Mit der Sanierung hat die Stadt einen weiteren wichtigen Baustein aus dem Sportprogramm 2015 für Leipzig umgesetzt.“
Ein Blick in die Volleyballhalle, in der der Belag noch imprägniert werden muss.
Foto: Ralf Julke
Die Inschrift unter der Turmtraufe erinnert jetzt wieder daran, dass in der Sporthalle mal ein anderer Verein zu Hause war - der Allgemeine Turnverein zu Leipzig. Den ATV gibt es heute immer noch. Die Sporthalle aber gehört heute der Stadt. Einer Stadt, die - wie ihr OBM betont - 1913 "im Zenit ihres Reichtums" stand. Ein Reichtum, der durch die nicht immer billige Sanierung der Stadt wieder sichtbar und erlebbar wurde. Auch wenn das Innenleben modernen Bedürfnissen angepasst werden musste, wie es auch in der Leplaystraße geschah. "Die Städtebauförderung ist das erfolgreichste Programm", das wir haben, sagte Burkhard Jung. Und weiß sich da eins mit Michael Wilhelm, der für die sächsische Staatsregierung versprach: "Wir werden darum kämpfen, dass die Mittel für Städtebauförderung weiter fließen."
"Ich habe darüber auch schon mit Herrn Ramsauer gesprochen", sagte Jung. Peter Ramsauer verantwortet als Bundesminister des Bereiches Verkehr, Bau und Stadtentwicklung die in letzter Zeit diskutierten Kürzungen der Städtebauförderung. Obwohl ihm seine Statistiker wohl sehr genau vorrechnen könnten, wie wichtig die Mittel für die Erhaltung und Revitalisierung der deutschen Städte sind. Jung verwies auf die entsprechend finanzierten Infrastrukturen insbesondere im Fördergebiet Leipziger Osten.
In vier Wochen, so wünscht sich Jung, können auch die LE Volleys ihre neue Sporthalle in Besitz nehmen. Und dann, so wünscht sich auch Michael Wilhelm, könnte es ruhig wieder Medaillen für die Leipziger Sportler geben.
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