Verfügungsfonds hilft: Georg-Schwarz-Straße bekommt Kräuterladen im Jugendstil
Gernot Borriss
19.12.2011
Juliane Eichentopf.
Foto: Gernot Borriss
Wenn der Auwald wieder aromastark blüht, will Juliane Eichentopf ihr Fachgeschäft „Auenland-Kräuter“ in der Georg-Schwarz-Straße 170 eröffnen. Die Hälfte der Umbaukosten in dem Jugendstil-Haus kommt aus dem Verfügungsfonds der Städtebauförderung. Der Fonds half schon bei der Sanierung der Georg-Schwarz-Straße 7, dem kunZstoffe-Domizil.
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So ein Verfügungsfonds dient dazu, dass „der, der was macht, und selbst Aktivitäten einbringt, auch die Chance hat, die Hälfte aus Förderprogrammen dazuzubekommen“, erläuterte Karsten Gerkens, Leiter des Amtes für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung ASW, am Freitagvormittag in Lindenau. „Fifty–Fifty“, lautet das Prinzip, auf das das ASW in Flyern mit rot-grünen Äpfeln hinweist.
Wichtig sei dabei, betonte Gerkens, dass die Aktiven auch von Beginn an den Kontakt zu den Ansprechpartnern beim jeweiligen Quartiers- oder Magistralenmanagement suchen. Mitnichten handele es sich um ein „Denkmalpflegeprogramm“, so der Amtsleiter weiter: „Verschönerung nützt gar nichts, wenn nicht hinter der Fassade etwas passiert“.
Hinter der Fassade des Hauses Georg-Schwarz-Straße 170 wird in Kürze Juliane Eichentopf neues Leben bringen. In einem kleinen Ladenlokal im nördlichen Teil der Georg-Schwarz-Straße möchte sie ab dem Frühjahr Kräuter anbieten. „Natürlich alles in bio“, wie sie versichert.
Georg-Schwarz-Straße 7, das kunZstoffe-Domizil
Foto: Gernot Borriss
Auch wenn der Laden „Auenland-Kräuter“ heißen wird, hat die Existenzgründerin nicht vor, im nahen Auwald im Frühjahr Bärlauch und andere Gewächse zu sammeln. Ihr Kräuterfachgeschäft wird Produkte aus dem Fachhandel anbieten. Später sollen Gewürze, Tee, hochwertiger Kakao, Kräuterlikör und die zur Weinherstellung erforderlichen Geräte das Sortiment erweitern.
In ihrem künftigen Ladenlokal hat Juliane Eichentopf die Spuren einer Gestaltung im Jugendstil aufgespürt. Die studierte Archäologin will das Ambiente vor gut hundert Jahren schrittweise wieder aufleben lassen. Für das Vorhaben überreichte Amtsleiter Gerkens einen Scheck über 2.950 Euro an das nunmehr zweite Verfügungsfonds-Projekt im Leipziger Westen.
kunZstoffe setzt auf Signalwirkung
Manchmal geht es bei Verfügungsfonds-Projekten doch nicht nur um neues Leben hinter der Fassade. Sondern auch um das Aufhübschen der Fassade selbst. Vor dem Haus Georg-Schwarz-Straße 7 ist das Gerüst mittlerweile schon wieder gefallen.
Scheckübergabe: Roman Grabolle (kunZstoffe), Juliane Eichentopf, Magistralenmanagerin Daniela Nuß, Karsen Gerkens und Norbert Raschke (beide ASW, vlnr.).
Foto: Gernot Borriss
Mit der Förderung konnte kunZstoffe e.V. an der Fassade nicht nur das baulich zwingend Notwendige tun. „Wenn wir schon einmal einrüsten, dann wollten wir auch etwas für das Stadtbild tun“, sagte Roman Grabolle von der urbanen Ideenwerkstatt mit dem klangvollen Namen. Gemeinsam mit anderen hat er das Haus 2009 von der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft LWB in Erbbaupacht übernommen.
Mittlerweile sind hier fünfzehn Arbeits- und Atelierräume für Manufakturisten entstanden. Im Erdgeschoss betreibt Monika Eppelt die Galerie „kunZ von kaufungen“.
„Aufgrund der 50-prozentigen Förderung im Rahmen des Verfügungsfonds haben wir uns entschlossen, noch einmal die gleiche Summe an Eigenmitteln draufzulegen, um damit rund 7.000 Euro Fördergeld zu erhalten“, so Grabolle weiter.
Das Tun von kunZstoffe will Grabolle auch als Signal verstanden wissen. Zum einen an andere Anlieger an der Georg-Schwarz-Straße, mit viel Eigenleistung und Mitteln des Verfügungsfonds die Häuser schrittweise zu sanieren. Der Nachbar aus der Georg-Schwarz-Straße 9 hat dieses Signal erhört und legt baulich bald los. Natürlich auch mit Unterstützung aus dem Verfügungsfonds.
Das zweite Signal sandte der kunZstoffe-Aktivist bei der Scheckübergabe an die LWB. Das kommunale Unternehmen solle doch künftig unsanierte Häuser an Vereine und Nutzergruppen übergeben. An der Goerg-Schwarz-Straße könne man doch sehen, dass es funktioniere.
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