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Praxensterben am Rande der Großstadt Leipzig: Droht Holzhausen ein Ärztemangel?

Gernot Borriss
Buslinie nach Holzhausen.
Buslinie nach Holzhausen.
Foto: Gernot Borriss
In Holzhausen im Südosten Leipzigs könnte bald die letzte Hausarztpraxis schließen. Deshalb sucht der Ortschaftsrat das Gespräch mit der Kassenärztlichen Vereinigung. „Wir können nur mit der Attraktivität des Ortsteiles werben in der Hoffnung, dass sich zu gegebener Zeit Nachfolger finden werden“, so Ortsvorsteherin Ursula Grimm zur L-IZ.

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In Holzhausen im Südosten der Messestadt schrillen die Alarmglocken. „Von Bürgern wurde das Problem an uns herangetragen, dass die beiden niedergelassenen Hausärztinnen bereits im Rentenalter sind und die Gynäkologin die Praxis aus Altersgründen bereits aufgegeben hat“, beschreibt Ortsvorsteherin Ursula Grimm die Situation.

Deshalb hatten die Ortschaftsräte in ihrer Sitzung am 6. Dezember 2011 nicht den Nikolaus zu Gast, sondern einen Vertreter der kassenärztlichen Vereinigung (KV). In dem Gespräch sollte es um die zukünftige medizinische Versorgung im Ortsteil Holzhausen gehen. Und der KV obliegt im deutschen Gesundheitssystem der so genannte Sicherstellungsauftrag: also die organisatorische Vorsorge, dass in einem Gebiet genügend niedergelassene Ärzte für die medizinische Versorgung der Bevölkerung zur Verfügung stehen.

Besorgte Menschen in dem vor gut zehn Jahren unfreiwillig nach Leipzig gekommenen Ort gehen nun davon aus, dass unter den reichlich 6.000 Holzhausenern bald kein niedergelassener Hausarzt mehr sein wird. Die Wege zum Arzt würden länger und die menschlichen Bindungen in der Gemeinde geringer.

Nunmehr sei Holzhausen als Ortsteil der Stadt Leipzig „versorgungsmäßig natürlich nicht separat zu betrachten“, gibt Ursula Grimm, die im Leipziger Stadtrat der CDU-Fraktion vorsteht, zu bedenken. Mit Blick auf den benachbarten Ortsteil Liebertwolkwitz und im Kontext des Stadtbezirks Südost sowie der Gesamtstadt müsse man „feststellen, dass die Versorgung ausreichend ist“, so Grimm weiter zur L-IZ.

Somit sieht die Kassenärztliche Vereinigung in Sachen Holzhausen keinen Handlungsbedarf, gibt Grimm das Gesprächsergebnis wieder. „Wir können nur mit der Attraktivität des Ortsteiles werben in der Hoffnung, dass sich zu gegebener Zeit Nachfolger finden werden“, sieht die Ortsvorsteherin als einzige Handlungsoption. Mit neuen Niederlassungen sei bei dem derzeitigen Versorgungsstand in der Region ohnehin nicht zu rechnen.

Erreicht der Ärztemangel nun auch den Leipziger Stadtrand?
Erreicht der Ärztemangel nun auch den Leipziger Stadtrand?
Foto: Ralf Julke

Ärztemangel als ein gesamtdeutsches Problem

Damit kommt nun auch in der Großstadt Leipzig ein Problem an, das im ländlichen Raum seit Jahren bekannt ist: In Deutschland gehen die Hausärzte aus. Der Run auf das Medizinstudium ist weiter ungebrochen. Doch den Weg, sich jenseits der Großstädte als Arzt und faktischer Einzelunternehmer niederzulassen, finden immer weniger Absolventen.

Die Politik ist um ein Gegensteuern bemüht. So läuft in Sachsen seit Oktober 2008 das „Förderprogramm zur Studienbeihilfe für Medizinstudenten“. In diesen Tagen verkündeten mehrere führende Krankenkassen gemeinsam mit der KV Sachsen und dem sächsischen Sozialministerium die Fortführung des Projekts.

Sozialministerin Christine Clauß (CDU) nennt das Projekt „eine Erfolgsgeschichte“. Nach ihren Worten konnten fast 40 Studenten für das Programm und damit für eine spätere Tätigkeit in einer Region mit Ärztebedarf im Freistaat Sachsen gewonnen werden. „Daher wird es jetzt um weitere zwei Studienjahrgänge verlängert", so Clauß zu Monatsbeginn in Dresden.

Für die gesetzlichen Krankenkassen bleibt angesichts der zunehmend schwierigeren Nachbesetzung von Arztpraxen in ländlichen Bereichen ein wirksames Steuerungsinstrument erhalten, heißt es in der gemeinsamen Presseerklärung. Mit der Bindung von angehenden Ärzten könne vorausschauend Versorgungsengpässen in Problemregionen gegengesteuert werden.

Über maximal vier Jahre erhalten angehende Mediziner eine monatliche Zahlung, wenn sie sich verpflichten, nach Abschluss der Facharztausbildung für Allgemeinmedizin in einem hausärztlich unterdurchschnittlich versorgten Gebiet in Sachsen tätig zu werden.

Kommen die Holzhausener künftig nur noch mit dem Bus zum nächsten Arzt?
Kommen die Holzhausener künftig nur noch mit dem Bus zum nächsten Arzt?
Foto: Gernot Borriss
Doch gerade zu solchen Regionen zählen Leipzigs Außenbezirke nicht. Gleichwohl ist der Hausarzt um die Ecke über die Patienten und den gesamten Kiez ein entscheidendes Stück Lebensqualität.

So stellt sich erneut die Frage, inwieweit das Leitbild des niedergelassenen Arztes in Freiberuflichkeit noch trägt.

„Versorgungsstrukturgesetz ändert nichts an den Strukturen“, kritisiert denn auch die SPD-Gesundheitsexpertin Dr. Marlies Volkmer die Neuregelungen, die der Bundestag am 1. Dezember 2011 beschlossen hat. „Anstatt die Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Medizinern sowie ärztlichen und nicht-ärztlichen Leistungserbringern voranzubringen, wird hier weiter das klassische Berufsbild des 'Einzelkämpferarztes' gefördert“, schimpft die Dresdner Bundestagsabgeordnete. „Anstatt auf moderne Versorgungskonzepte wie Medizinische Versorgungszentren zu setzen, die fachübergreifende Teamarbeit und flexiblere Arbeitszeiten erlauben, wird deren Gründung ohne Notwendigkeit erschwert“, führt Volkmer als weiteren Kritikpunkt an.

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„Das Versprechen einer Verbesserung der Versorgungsstrukturen wird mit dem Gesetz nicht eingelöst“, heißt es auch von den Grünen. Wirksame Strukturveränderungen vor dem Hintergrund der demographischen Veränderungen und der sich ändernden Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten fehlten in dem Gesetz fast völlig. Anreize für eine bessere Vernetzung der verschiedenen Versorgungssektoren seien ebenso Fehlanzeige wie Schritte zu einer engeren Zusammenarbeit ärztlicher und nichtärztlicher Gesundheitsberufe. Auch eine Aufwertung der Primärversorgung beziehungsweise Hausarztmedizin finde aus Sicht der Grünen mit dem Gesetz nicht statt.

Für Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) steht hingegen fest: „Mit dem Versorgungsstrukturgesetz ebnen wir den Weg zu einer langfristigen qualitativ hochwertigen medizinischen Versorgung. Wir sorgen dafür, dass Arztpraxen in Zukunft dort zu finden sein werden, wo die Menschen sie brauchen.“ Vielleicht also auch künftig in Holzhausen.


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