Leipziger Peterskirche: Ein Schmuckstück wird stückweise saniert
Daniel Thalheim
20.12.2011
Foto: Daniel Thalheim
Noch ist nicht alles in Sack und Tüten. Aber wenn alles klappt, wird der zehnte Bauabschnitt an der Leipziger Peterskirche größtenteils aus dem Bund-Länder-Programm Stadtumbau Ost finanziert. Leipzig braucht so nur einen kleinen Teil beizusteuern. Nur noch zwei Mal durch den Fachausschuss Stadtentwicklung und Bau, im neuen Jahr im Verwaltungsausschuss und Stadtbezirksbeirat. Dann können die Fassaden der Taufkapelle, Chorraum und Kapellenkranz sowie Gewölbe und Dach saniert und restauriert werden.
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Als August Hartel und Constantin Lipsius ihre Baupläne 1877 als zwei von 80 einreichten, schwebte ihnen die französische Kathedralgotik vor. Die alten in die Höhe ragenden Kathedralen Frankreichs im Hochmittelalter beflügelten auch die Baumeister in den westdeutschen Gebieten zu Höchstleistungen. In Leipzig gab es so einen Bau bislang nicht. Mit der ab Mitte des 19. Jahrhunderts aufkommenden Mode, wieder Kirchen nach dem mittelalterlichen Typus zu bauen, konnte sich Leipzig mit einem "gotischen" Bau schmücken. Wenngleich die kleine Silbe "neu" davor prangt.
Die Westfassade der Thomaskirche und die Ostfassade der Paulinerkirche wurden im 19. Jahrhundert nur "neugotisch" umgestaltet. Beide Gotteshäuser haben eine längere Geschichte. Auch St. Petri kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, die bis ins 11. Jahrhundert zurück reichen soll. Damals gab es laut Petrigemeinde nahe der "urbs lipsi" ein Vikariat, das "St. Petri" hieß und eine Fischersiedlung war. In dessen Zentrum stand die alte Peterskirche, deren Gestalt weder schriftlich noch bildlich überliefert wurde.
Choransicht der Leipziger Peterskirche.
Foto: Daniel Thalheim
Erst im 16. Jahrhundert tauchte in den wenigen Abbildungen dr Stadt Leipzig ein Gebäude auf, das die Peterskirche sein könnte. Der Bau wurde als einschiffige spätgotische Hallenkirche beschrieben, verlor mit der Einführung der Reformation im Herzogtum Sachsen 1539 schnell an Bedeutung.
Die wuchs erst mit der Restaurierung und Umgestaltung im frühen 18. Jahrhundert. Schnell war Johann Sebastian Bach hier und führte am heutigen Peterskirchhof Kantaten auf. Dort stand bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts das Gotteshaus, das 1867 zur Pfarrkirche erhoben wurde. Die Gemeinde wuchs und wuchs. Bereits 1876 war die Kirche am Peterskirchhof zu klein. Damals entstand die Leipziger Südvorstadt. Ein neues Gotteshaus musste her.
1885 war der Neubau von Hartel und Lipsius fertig. Mit ihm wuchs auch der höchste Kirchturm der Messestadt ganze 88,5 Meter in die Höhe. Der höchste Kirchturm in Leipzig ist er heute immer noch. Aber im 2. Weltkrieg hatten er und sein Kirchenschiff stark gelitten. Danach gingen 40 Jahre DDR drüber. Das tat der Peterskirche auch nicht gut. Man hielt nicht viel von Kirchen im Arbeiter- und Bauernstaat. Schon 1943 verlor die Kirche durch Kriegsschäden ihre von Wilhelm Sauer gebaute Orgel. Dafür ging die Schulorgel der 1968 gesprengten Paulinerkirche an den seit 2011 in "Gaudigplatz" umbenannten Schletterplatz. Seit 1995 steht sie im Kirchenschiff als Dauerleihgabe der Leipziger Universität, nachdem sie zuvor umfangreich restauriert wurde.
Im südlichen Seitenschiff der Peterskirche.
Foto: Daniel Thalheim
Gewerkelt und gehämmert wurde an der Peterskirche seit der Deutschen Einheit stetig. 2012 soll der zehnte Bauabschnitt folgen. Doch noch ist nicht alles in trockenen Tüchern. Dazu geht der Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung aus der Dienstberatung durch mehrere Ausschüsse.
Erst Mitte Januar 2012 steht fest, wohin das Förderboot für den letzten Bauabschnitt paddelt. Denn die Stadt Leipzig muss einen Teil (150.000 Euro, Eigenmittel der Stadt Leipzig) gemeinsam mit der Evangelisch-Sächsischen Landeskirche (350.000 Euro, Eigenanteil der Landeskirche für Förderung) und der Petersgemeinde (20.000 Euro, Finanzierungsanteil des Eigentümers für weitere bzw. nicht förderfähige Kosten) stemmen. Die eine Million Euro als Löwenanteil kommt als Finanzhilfe des Landes und des Bundes. Insgesamt soll die Maßnahme an der Peterskirche 1.520.000 Euro kosten.
Die Folgen bei Ablehnung des künftigen Vorhabens skizziert die Verwaltung mit den Worten: "Die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde St. Petri ist beim Erhalt des Kirchgebäudes auf die Unterstützung der Stadt Leipzig und den Einsatz von Fördergeldern aufgrund des Gebäudezustandes und des immensen Kostenumfanges angewiesen. Mit einem relativ geringen Einsatz städtischer Mittel kann ein hoher Fördermitteleinsatz ermöglicht werden, der durch die Verkleinerung der Fördergebietskulisse Stadtumbau Ost zukünftig nicht mehr möglich ist. Bei Ablehnung ist eine Durchführung der beabsichtigten Maßnahmen nicht möglich bzw. zeitlich sehr gestreckt, so dass sich der Gebäudezustand verschlechtern würde und Sicherungsmaßnahmen drohen."
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