Bornaische Brücke: Neubau ab 9. Januar 2012 - Komplettsperrung für Kfz-Verkehr
Ralf Julke
20.12.2011
Bornaische Brücke.
Foto: Ralf Julke
Das neue Jahr bringt eine Riesenbaustelle - und zwei Jahre großräumige Umleitungen im Leipziger Süden mit sich. Am 9. Januar beginnen die Bauarbeiten an der Bornaischen Brücke, da diese - erst 1980 erneuert - nun komplett erneuert werden muss. Denn an der Brücke nagt der Zahn der Zeit. Zu nagen hat er lecker Metall.
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Die Brücke wurde 1980 als Stahlbrücke mit Leichtfahrbahn gebaut. Durchaus modern. Der Fahrbahnboden ist 10 Millimeter dick. Er zeigt schon deutliche Zeichen des Materialverschleißes. Etliche Schweißnähte sind gerissen. Man sieht der Brücke an, dass die Leichtbauweise auch der Not der Zeit geschuldet war, denn die große Stahlkrise, in der der Rohstoff an den Weltmärkten richtig teuer wurde, machte auch um die DDR keinen Bogen. Man probierte sich im ressourcensparenden Bauen.
30 Jahre später sieht man, was das heißt: Das Material ist ermüdet. Auch deshalb, weil die Brücke durch ihre Bauweise sehr schwingungsanfällig ist. Seit über zehn Jahren steht die Brücke deshalb auf der Sanierungsliste der Leipziger Verkehrsplaner ganz oben. "Es ist uns mit einiger Mühe gelungen, jetzt das Geld für den Neubau zusammen zu bekommen", sagt Planungsbürgermeister Martin zur Nedden. Der Brückenneubau selbst wird dabei zu 90 Prozent vom Land gefördert - das sind 4,8 von den 5,4 Millionen Euro, die der Brückenneubau selbst kostet. Den Straßenbau muss die Stadt selbst mit 1,4 Millionen Euro stemmen, weitere 3 Millionen kostet der Gleisbau der LVB.
Dabei wird nicht nur der Brückenteil von 1980 komplett ersetzt. Auch die 100 Jahre alten Brückenträger, die noch aus der Zeit des Neubaus des Hauptbahnhofes stammen, werden erneuert. Dabei wird schrittweise vorgegangen.
Im ersten Schritt wird das Gleis der Straßenbahn auf die Westseite der Brücke verlegt, um auf der Ostseite Baufreiheit zu schaffen. "Wir müssen den Straßenbahnbetrieb auf jeden Fall aufrecht erhalten", sagt Dirk Sikora, bei den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) für die Planung zuständig, "denn hier ist der Straßenbahnhof Dölitz angebunden. Und ohne den geht's nun mal nicht."
Wird ab Januar abgerissen und neu gebaut: Bornaische Brücke.
Foto: Ralf Julke
Zuerst wird dann die östliche Hälfte abgetragen. Wenn hier die Ostseite der neuen Brücke steht, wird die alte Behelfsbrücke, über die vorerst die Straßenbahn fährt, abgerissen und die neu errichtete Brückenhälfte nimmt den Straßenbahn-, Rad- und Fußgängerverkehr auf. Das neue Bauwerk ist als Einfeldbrücke konzipiert, das heißt es besitzt neben den seitlichen Widerlagern keine weiteren Stützen in der Mitte. Immerhin überspannt sie eine Weite von 45 Metern. Aufgrund der Verwendung von Spannstählen weist es eine sehr schlanke Überbaukonstruktion auf.
Für die Straßenbahn wird es Vollsperrungen nur an wenigen Wochenenden geben, nämlich dann, wenn ihr Gleis neu angebunden wird. Das erste wird am 14. und 15. Januar sein, wenn Baufreiheit für das Behelfsgleis geschaffen werden muss, das nächste am 25. und 26. Januar - dann wird das Gleis verschwenkt. Der Schienenersatzverkehr, so Sikora, wird über Lößnig geführt. Dafür wenden die LVB sogar einen Trick an: An den Sperrungswochenenden tauschen sie die Linie 10 und 11. Die 10 fährt dann vom Connewitzer Kreuz zur Klemmstraße in der Bornaischen Straße, wo sie endet und wendet. Die 11 fährt dafür nach Lößnig. Am Moritzhof können die Fahrgäste dann in den Bus umsteigen, der weiter nach Dölitz und Markkleeberg fährt. Umgekehrt passiert das genauso.
Auch Fußgänger und Radfahrer werden während der gesamten Bauzeit die Möglichkeit haben, die im Bau befindliche Bornaische Brücke zu überqueren. Gebaut wird voraussichtlich zweieinhalb Jahre. Im Sommer 2014 soll alles fertig sein.
Großräumige Umleitungen für den motorisierten Verkehr
Tram, Radfahrer und Fußgänger können die Brücke während der Bauzeit weiter nutzen. Autofahrer müssen jedoch Umleitung fahren.
Foto: Ralf Julke
Die Sperrung für den Fahrzeugverkehr beginnt am 9. Januar 2012 und dauert voraussichtlich bis Juli 2014. Sie wird etwa eine Woche vor bis eine Woche nach Beginn der Umleitungsführung mit LED-Informationstafeln angezeigt – zusätzlich zu den Mitteilungen in den Medien. Eine solche LED-Anzeige steht dann zum Beispiel auch am Connewitzer Kreuz.
Während der Sperrung gelten folgende Umleitungen: Stadtauswärts fließt der Verkehr über die Karl-Liebknecht-Straße (Connewitzer Kreuz) / Wolfgang-Heinze-Straße / B2 / Goethesteig / Matzelstraße.
Stadteinwärts wird er umgeleitet über die Matzelstraße / Goethesteig / B2 / Ausfahrt auf Koburger Straße bzw. über die Siegfriedstraße / Dürrstraße / Zwickauer Straße / Umleitungsende vor Probstheidaer Straße. Die Umleitungsstrecken werden während der gesamten Bauzeit ausgeschildert sein.
Mit möglichen Neubauvorhaben an der B2 käme man dabei nicht ins Gehege, meint Edeltraut Höfer, die Leiterin des Verkehrs- und Tiefbauamtes. Entsprechende Anfragen zu einem Planungsbeschluss an der B2 habe man noch keine erhalten, so dass mit möglichen Baumaßnahmen dort in den nächsten Jahren nicht zu rechnen sei. Was auch daran liegt, dass die Markkleeberger durchaus noch nicht wissen, ob sie die Brücke der B2 über den agra-Park nun erneuern oder die Autobahn künftig in einem Tunnel drunterweg führen wollen.
Stadt und LVB nutzen die Gelegenheit des Neubaus der Bornaischen Brücke in Stahlbetonbauweise, um auch die Verkehrsführung zu verbessern. Künftig erhalten auch die Radfahrer neben den Fußwegen eigene Radstreifen. Die Gleise der Straßenbahn werden schon von der Haltestelle Klemmstraße an bis zur Kreuzung Liechtensteinstraße südlich der Brücke auseinandergerückt. Das hat den Vorteil: Der normale Verkehr rollt zwar auf der selben Trasse wie die Straßenbahn, Linksabbieger können aber schon auf der Brücke auf die mittlere (freie) Fahrbahn einschwenken und behindern beim Abbiegen an der Liechtensteinstraße bzw. der Prinz-Eugen-Straße nicht mehr den Straßenbahnverkehr.
Fest steht auch, dass die Haltestelle Klemmstraße "im Schatten der Brückenbaustelle" (Dirk Sikora) barrierefrei umgebaut wird. Hier werden Haltestellen-Kaps entstehen, die das Einsteigen ebenerdig möglich machen. Ob dasselbe in dieser Zeit auch mit der Haltestelle Raschwitzer Straße möglich ist, werde noch geprüft, sei aber wahrscheinlich.
Mit der Bahn habe man sich auch abgestimmt, denn die führt ja im Zusammenhang mit der Fertigstellung des Citytunnels Leipzig auch in diesem Bereich "netzergänzende Maßnahmen" durch. Das sei, so Klaus Barthel aus der Abteilung Brückenbau und -unterhaltung der Stadt, minutiös abgestimmt.
Die LVB wollen über die geplante Baumaßnahme in den nächsten Tagen auch mit öffentlichen Aushängen informieren. Die Stadt wird die nächsten Wochen nutzen, um an wichtigen Knotenpunkten LED-Anlagen aufzubauen, die auf die kommenden Umleitungen hinweisen. Dort wird dann in der Regel auch die Ampelanlage neu geschaltet oder eine Bau-Ampel-Anlage errichtet. Dasselbe im Verlauf der geplanten Umleitungen. So wird es in der Wolfgang-Heinze-Straße, wo sich das Verkehrsaufkommen deutlich erhöhen wird, auch eine Extra-Fußgänger-Ampel geben, die das sichere Queren ermöglicht.
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