Lange Straße 15: Eigentümerin tritt Nazi-Gegnern mit Abmahnung entgegen
Patrick Limbach
17.01.2012
Drei Wochen lang hing die Fahne in der Langen Straße.
Foto: Aktionsbündnis Ladenschluss
Nicole Kling sorgt sich um ihr Image. Dazu hat die Rechtsanwältin aus dem Württembergischen allen Grund. In einem Mehrfamilienhaus in der Langen Straße 15, das sich im Besitz einer von ihr geführten Firma befindet, haben sich Neonazis eingenistet.
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Die neuen Mieter aus dem NPD-Umfeld bezogen hier Mitte November zwei Wohnungen, die sie für Partys und Zusammenkünfte nutzen. Während einer Feier am 9. Dezember beschädigten sie Briefkästen und die Klingelanlage. In der Silvesternacht demolierten Partygäste zwei Autos und skandierten rechte Parolen. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.
Eines tun die Kameraden in dem Haus offenbar nicht vorrangig: Wohnen. Nicht zuletzt dieser Umstand rief die übrigen Anwohner auf den Plan, sich gegen die unliebsamen Nachbarn zu wehren. Sie beschwerten sich mehrfach bei der Hausverwaltung, schrieben sogar einen Brief an Nicole Kling. Sieht man einmal davon ab, dass die Juristin Mitte Dezember aus noch ungeklärten Gründen die Hausverwaltung austauschen ließ, passierte augenscheinlich nichts. Zumindest nichts, wovon die Hausgemeinschaft etwas erfahren hätte.
Drei Wochen lang hing die Fahne in der Langen Straße.
Foto: Aktionsbündnis Ladenschluss
Das wiederum nährt einen ungeheuerlichen Verdacht. "Die wollen uns hier raushaben", mutmaßt ein Bewohner, der nicht genannt werden möchte. Mietern zufolge plant die Eigentümerin, das Objekt zu sanieren. Seine Bewohner wollten wegen der günstigen Miete bisher jedoch nicht freiwillig ausziehen. Wurden die Neonazis möglicherweise ins Haus geholt, um die übrigen Mieter aus ihren Wohnungen zu ekeln? Hausverwaltung und Eigentümerin jedenfalls gingen bisher nicht auf die mehrfachen Beschwerden der übrigen Mieter ein. Diese fühlen sich durch die regelmäßige Neonazi-Präsenz in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt.
Mittlerweile haben die Vorgänge in der Langen Straße Wellen geschlagen. Die linke Szene in Leipzig hat sich des Problems angenommen. Und die Presse berichtet. Ausnahmsweise nicht zur Freude der "Kling Group". Statt mit offenen Karten zu spielen und der Öffentlichkeit reinen Wein einzuschenken, versteckt man sich dort hinter schwammigen Worthülsen. Mittels einer Abmahnung möchte Nicole Kling der Hausgemeinschaft und ihren Unterstützern offensichtlich einen Maulkorb verpassen. Adressat des Schreibens, das auch L-IZ.de zugesandt wurde, ist ein "Aktionsbündnis gegen Rechts - Leipzig Ost". Die Initiative verteilte in der Nachbarschaft Flyer, in denen sie der Eigentümerin vorwarf, einen Nazi-Treffpunkt zu tolerieren.
Der Vorwurf wiegt schwer. Ist er auch berechtigt? Nicole Kling war für eine persönliche Stellungnahme bislang nicht zu erreichen. Ihr Schreiben an die Anti-Rechts-Initiative liefert keinerlei Gründe, die die "Kling Group" schnell aus der Affäre ziehen könnten. Stattdessen stellt sie derzeit die rechten Umtriebe gänzlich in Frage, spricht an einer Stelle gar von "angebliche(n) Vorkommnisse(n)". Ihre Argumentation: Die Verfasser konnten nicht wissen, ob sie bereits Maßnahmen getroffen hätte, um den braunen Spuk zu unterbinden. Das mag bei Gericht genügen, um eine Unterlassungserklärung zu erwirken – so denn ein Verantwortlicher für das anonym abgefasste Flugblatt ausfindig gemacht werden kann.
Vom erhobenen Vorwurf befreit es sie nicht. Und die Frage, ob die Hausverwaltung etwas unternommen hat, bleibt ebenso offen.
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