2012 - was bleibt: Leipzig finanziert das Projekt Aufsuchende Straßensozialarbeit für Alkoholkranke nun selbst
Redaktion
01.01.2012
Projekt Aufsuchende Sozialarbeit geht weiter.
Foto: Ralf Julke
Das unterdessen stadtweit bekannte und erfolgreiche Projekt „Von der Straße ins Leben - Aufsuchende Straßensozialarbeit für alkoholkranke Erwachsene“, dessen Träger die Suchtzentrum Leipzig gGmbH ist, kann in bewährter Weise im kommenden Jahr in Leipzig-West in den Stadtteilen Lindenau, Plagwitz und Leutzsch seine Arbeit fortsetzen.
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Die Finanzen wurden im nötigen Umfang aufgestockt, indem der Stadtrat mehrheitlich in seiner Sitzung am 15. Dezember dem Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen gefolgt war. Somit ist die Anschlussfinanzierung der Stadt Leipzig an die im April auslaufende EU-Förderung für das Projekt gesichert.
Katharina Krefft, sozialpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, erklärt dazu: "Alkoholkranke Menschen und die damit verbundenen Probleme – und Auswirkungen auf die Umwelt – gibt es an vielen Orten im Stadtgebiet. Eigentlich nur durch direkte Ansprache und zuverlässigen Beziehungsaufbau der Sozialarbeiter entstehen realistische Re-Integrationschancen. Nur mit langem Atem gelingt es im Suchtfall, Menschen bei diesem Ausstiegsweg ausreichend zu begleiten und alle anhäuften Probleme zu bearbeiten, so dass das eigene Leben wieder übersichtlich wird und Tagesabläufe zu bewältigen sind."
Die Grünen freuen sich im Nachhinein auch über die unterstützenden Stimmen aus den anderen Fraktionen zu ihrem Haushaltsantrag. Eine Fortführung des Projektes hatten sie schon im April 2011 beantragt. Zum Inhalt des Projektes: "Im Modellgebiet Plagwitz, Lindenau und Leutzsch arbeiten zwei Straßensozialarbeiter erfolgreich mit Bürgern, die sich regelmäßig an bestimmten Trinkplätzen einfinden. Von diesen Bürgern gehen teilweise erhebliche Störungen für die Nachbarschaft aus. Die Streetworker sprechen die Trinkenden regelmäßig an, informieren sie über Beratungs- und Ausstiegsangebote, vermitteln in weiterführende Angebote (Entgiftung, ambulant betreutes Wohnen, Angebote der Wohnungslosenhilfe, ...) und bieten auch alternative soziale Kontakte an. Alternativ werden tagesstrukturierende Angebote unterbreitet." Die Ergebnisse können sich nach zwei Jahren Arbeit sehen lassen. Der öffentliche Alkoholismus ist im Straßenbild des Leipziger Westens deutlich zurückgegangen.
Im Leipziger Westen hat das Projekt schon sichtbare Ergebnisse erzielt.
Foto: Ralf Julke
Katharina Krefft zur Unterstützung durch andere Fraktionen: "Wir können daraus ableiten, dass das nichtrepressive Herangehen an Sucht/Alkoholismus von unseren Stadtratskollegen als erfolgreich und unbedingt auszubauen gewertet wird. Repression hingegen spaltet die Gesellschaft und baut Suchtkranken unüberwindbare zusätzliche Hürden."
Das Problem war hier dasselbe wie bei all den anderen geförderten Projekten in der Stadt: Fast nie findet sich auf kommunaler Ebene selbst eine Anschlussfinanzierung. Die Stadt steht vor dem Dilemma, die Projekte, die oft genug zeigen, wo Finanzmittel tatsächlich gut angelegt sind, auslaufen zu lassen - oder die Finanzierung im eigenen Haushalt darzustellen.
In diesem Fall fand sich eine Mehrheit im Stadtrat, die für die Bereitstellung der Mittel in Höhe von 85.000 Euro stimmte.
Bestens angelegtes Geld, wie Katharina Krefft findet, denn die gesellschaftlichen Folgen von Sucht und Alkoholismus würden eben auch langfristige Kosten für Kommune, Krankenkassen und sonstige Aufgabenträger bedeuten. Krefft: "Mit diesem Projekt können sie vermieden werden – und die Zumutungen für das Umfeld werden deutlich gemindert."
Leipzig nimmt mit diesem Projekt eine Vorreiterrolle ein - es wird von anderen Großstädten mit Interesse beobachtet. Das EFRE-finanzierte Projekt war auf Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und engagierte Bearbeitung durch das Gesundheitsamt nach Ausschreibung durch die Suchtzentrum gGmbH realisiert worden.
„Von der Straße ins Leben“ wirkt bereits seit zwei Jahren, einige Trinkerplätze konnten aufgelöst, die Menschen für Soziale Hilfen angesprochen und in ihrem Trinkverhalten positiv beeinflusst werden. Katharina Krefft: "Der Erfolg ist ebenfalls messbar an der auffallend stark zurückgegangenen Anzahl von Anzeigen wegen Störung öffentlicher Ruhe und Ordnung. Die Arbeit wird von zwei Sozialarbeitern ausgeführt, die den Kontakt zu den Gruppen auf- und ausbauen konnten."
Ein Blick in andere Leipziger Stadtteile zeigt: Hier gibt es ähnliche Erscheinungsformen. Es liegen der Stadt etliche Anfragen aus anderen Stadtbezirken vor, die allerdings bisher nicht berücksichtigt werden konnten, da die Förderung durch EU-Mittel die strenge Beschränkung auf das Fördergebiet verlangte.
„Mit der städtischen Finanzierung wird nun auch die stadtweite Ausweitung des Angebotes ermöglicht“, betont Katharina Krefft die neuen Möglichkeiten.
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