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Beschleunigung auch ohne separate Gleise in der "Karli"? Umweltverbände schreiben offenen Brief an Fachausschuss

Ralf Julke
Karl-Liebknecht-Straße im heutigen Zustand.
Karl-Liebknecht-Straße im heutigen Zustand.
Foto: Ralf Julke
Am 28. März fand das letzte Interessenforum zur künftigen Großbaustelle "Karli" statt. Da war auch noch einmal die Plattform für den Interessenbeirat, der das Projekt begleiten soll. Doch die Ergebnisse aus den Beiratssitzungen las dann die Moderatorin des Forums, Gudula Kienemund, vor. Der Grund ist simpel: Auch der Beirat hatte seine widerstreitenden Konflikte. Jetzt haben drei Beiratsvertreter einen offenen Brief an den Fachausschuss für Stadtentwicklung und Bau geschrieben.

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Dem haben sie auch noch einmal das Beiratsprotokoll angehängt, in dem deutlich wird, dass einige Interessen auch im Beirat nicht wirklich ausgeglichen werden konnten. Es sind der ADFC, der Ökolöwe und der FUSS e.V., die noch einmal deutlich machen, dass sie sich eigentlich - in erstaunlichem Einklang mit den Gewerbetreibenden - gar keine Separierung der Straßenbahn im Straßenabschnitt Peterssteinweg/südliche Karl-Liebknecht-Straße wünschen.

"Wir möchten darauf verweisen, dass der ADFC Leipzig, der FUSS e.V. und der Ökolöwe – Umweltbund Leipzig e.V., anders als es letztlich der Kompromiss im Interessenbeirat vorsieht, die weiterführende Position vertreten, dass eine räumliche Separierung der Straßenbahn im gesamten Bauabschnitt verkehrstechnisch nicht nötig und aufgrund der daraus folgenden starken Eingriffe in die Gehwege abzulehnen ist", schreiben Alexander John, Bertram Weisshaar und Holger Seidemann.

Ohne separaten Gleiskörper auch künftig durch die "Karli"? - Die Umweltverbände favorieren den Verzicht.
Ohne separaten Gleiskörper auch künftig durch die "Karli"? - Die Umweltverbände favorieren den Verzicht.
Foto: Ralf Julke
Sie verweisen auch auf die jetzt ausgewertete Umfrage der IHK unter den Gewerbetreibenden im künftigen Baubereich: "Zudem lehnt laut einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer zu Leipzig, auch eine große Mehrheit der Unternehmer in der Karl-Liebknecht-Straße einen separaten Gleiskörper ab. Wir bitten Sie, dieses klare Votum der Öffentlichkeit zu respektieren und dem aktuellen Entwurf nicht zuzustimmen."

Sie betonen, dass es ein Separat-Votum ist. Die Mehrheit des Interessenbeirats hat zustimmend zur Planvariante 6 votiert. Ausnahme: der Abschnitt zwischen Hohe Straße und Paul-Gruner-Straße, wo künftig die Haltestelle "Hohe Straße" ihren neuen Platz finden soll.

Hier hat der Interessenbeirat mehrheitlich für eine von den Planungen abweichende Bauvariante der Haltestelle votiert: "Der Interessenbeirat spricht sich dafür aus, die Haltestelle Hohe Straße als Haltestellenkap mit angehobener Radfahrbahn auszubilden und auf den besonderen Gleisbereich im Abschnitt Hohe Straße bis Paul-Gruner-Straße zu verzichten."

Ein Vorschlag, den Ulf Middelberg, kaufmännischer Geschäftsführer der LVB, aus finanziellen Gründen deutlich ablehnt, denn damit wird der separierte Gleisabschnitt zwischen Paul-Gruner-Straße und Shakespearestraße zum Torso. Damit könnte die Grundbedingung für eine Förderung durch den Bund in Frage gestellt sein. Denn für die Bauherren - die Stadt genauso wie die LVB - geht es zwangsläufig ums Geld. Allein können sie die veranschlagte Summe von 10,5 Millionen Euro nicht aufbringen.

"Oder wir müssen andere Projekte, die genauso dringend sind, um Jahre hinausschieben", sagt Middelberg.

Die drei Umweltverbände plädieren auf der gesamten Strecke - anders als die LVB - nicht für eine Separierung der Gleise, sondern "für eine zeitliche Trennung von Straßenbahn und KfZ-Verkehr im gesamten Bauabschnitt, so wie es im Bereich zwischen Körnerstraße und Braustraße bereits vorgesehen ist. Ein Zeitgewinn für die Straßenbahn von mehr als 2 Minuten käme auch durch eine ampelgeregelte Pulkführerschaft der Straßenbahn gegenüber dem KfZ-Verkehr und die Sicherung der Pulkführerschaft im Bereich der Haltestellenkaps" zustande.

Ihr finanzielles Argument: "Wir gehen davon aus, dass Mehrkosten für die LVB von maximal 1 Million Euro auftreten, wenn auf die Bundesförderung verzichtet wird. Dieser Betrag kann zum Beispiel durch die Senkung der Gesamtbausumme teilweise kompensiert werden."

Jetzt ist es an den Mitglieder im Fachausschuss für Stadtentwicklung und Bau und den Mitgliedern des gesamten Stadtrates, eine Abwägung zu treffen. Sie haben nicht nur die verschiedenen Planungsvarianten bis hin zur Planungsvariante 6 auf dem Tisch, sondern - nun wohl doppelt - auch das Protokoll des Interessenbeirates. In der Stadtratssitzung am 18. April soll nach Ablaufplan eigentlich die Entscheidung für eine Planvariante fallen. Wenn das nicht gelingt, ist der Baubeginn 2013 in Frage gestellt.

Der Offene Brief des Interessenbeirats an den Fachausschuss für Stadtentwicklung und Bau als PDF zum download.


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