Wieder-Aufbau im Polder: Rollhockeyclub legt Sozialgebäude am Auwald höher
Gernot Borriss
04.05.2012
Das Stadion des Rollhockeyclubs Aufbau Böhlitz-Ehrenberg.
Foto: Gernot Borriss
Das Sozialgebäude des Rollhockeyclubs Aufbau Böhlitz-Ehrenberg wird nach Pfingsten saniert und um einen halben Meter angehoben. Und die Stadt Leipzig schießt für den ersten Bauabschnitt knapp 15.000 Euro dazu. Das Vereinsgelände liegt im Polderbereich des nordwestlichen Auwaldes, der beim Hochwasser im Januar 2012 geflutet wurde.
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Rollhockey spielt man mit Rollschuhen an den Füßen und dem traditionellen Krummstab in der Hand. Rollhockey spielt man in Böhlitz-Ehrenberg seit Sommer 1940 auf der eigens dafür angelegten Rollschuhbahn. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage von Aufbau Böhlitz-Ehrenberg so etwas wie eine Rollhockey-Hochburg in Ostdeutschland. Reihenweise wurden DDR-Meisterschaften gewonnen und DDR-Pokal eingesammelt. Heute spielt die erste Männermannschaft in der Regionalliga Ost.
Doch Rollhockey ist immer noch eine Randsportart. Das merkt man schon bei der Anreise zum Vereinsgelände in der Böhlitz-Ehrenberger Ludwig-Jahn-Straße 24. Vorn an der Hauptstraße des Ortes residieren die Fußballer des TSV Böhlitz-Ehrenberg auf einer stattlichen Anlage. Na gut, zum Verein gehört auch eine Abteilung Gymnastik.
Fährt man nun die Ludwig-Jahn-Straße 24 entlang, kommt nach dem großen Fußballgelände: noch ein Fußballgelände des TSV. Dann folgt ein Tennisclub, und dann steht man vor dem Tor des Rollhockeystadions des Rollhockeyclubs.
Die Sportanlage der Krummstabflitzer ist fast schon in den Auwald hineingebaut. Und genau hier liegt das Problem: für den Sportverein. Als beim Januarhochwasser 2011 die Deiche das Wasser von Weißer Elster, Luppe und Nahle kaum noch zu halten vermochten, ordnete die städtische Einsatzleitung um Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke) die Öffnung aller 16 Schütze des nahen Nahle-Auslaufbauwerkes an.
Kerstin Kirmes und Mario Naumann mit der neuen Beklebung für die Aufbautafel.
Foto: Gernot Borriss
Der nordwestliche Auwald wurde so auf der Böhlitz-Ehrenberger Seite zum Polder. So hatte es vor den Menschen schon die Natur gewollt.
"Eine Flutwelle wird es dadurch nicht geben, auch eine Gefährdung der Wohnhäuser im an den Auwald angrenzenden Leipziger Ortsteil Böhlitz-Ehrenberg schließen die Experten aus", erklärten die Experten damals zur Flutung. So kam es auch. Doch in den Gebäuden des RHC Aufbau Böhlitz-Ehrenberg stand das Wasser daraufhin kniehoch.
Seit dieser Zeit ist im nordwestlichen Auwald viel passiert. An den Deichen ließ die Landestalsperrenverwaltung massenhaft Bäume roden. Die Anfahrts- und Deichverteidigungswege wurden deutlich aufgeschüttet.
Die Luppe mit den entbaumten und neu aufgeschütteten Deichen.
Foto: Gernot Borriss
Nur die Rollhockey-Spieler mit ihren gut 60 Mitgliedern kamen bislang erst einmal nicht in den Genuss so viel staatlichen Engagements. Mit Eigenleistungen und Spenden von Rollhockey-Freunden aus ganz Deutschland bauten die Böhlitzer ein Gebäude zum Interims-Sozialtrakt um. Natürlich nur im Bestand, denn anderes ist auf Polder-Land auch nicht erlaubt.
Als nächstes soll nun das alte Sozialgebäude saniert werden. „Um künftig vor neuem Hochwasser sicher zu sein, wird die Bodenplatte des Sozialgebäudes um 50 Zentimeter angehoben“, teilte dazu die Leipziger Stadtverwaltung mit. Für den ersten von insgesamt vier Bauabschnitten sind etwa 50.000 Euro veranschlagt. Für die anderen Bauabschnitte werden weitere 150.000 Euro benötigt.
Für den ersten Bauabschnitt schießt das Leipziger Sportdezernat unter der Leitung von Bürgermeister Heiko Rosenthal nun 14.943,77 Euro aus dem Stadthaushalt zu. Den Fördermittelbescheid übergab Sportsamtsleiterin Kerstin Kirmes am Mittwoch an den RHC-Präsidenten Mario Naumann.
Symbolisch überspannt nun ein Banner mit dem Hinweis auf die städtische Hilfe die große Spendentafel. Dort hieß es bislang: „Bitte helft uns …! Die Sport-Stadt Leipzig kann es leider im Moment nicht.“
„Wir freuen uns sehr, dass jetzt auch die Stadt mit uns im Boot sitzt, das hoffentlich nicht so schnell wieder Wasser unter dem Kiel haben wird“, freute sich Naumann. Für die späteren Bauabschnitte setzt man auch auf Landeshilfe.
Los mit dem Bauen geht es aber erst nach Pfingsten. Denn zu den Feiertagen veranstaltet der RHC erneut sein traditionelles Pfingstturnier. Am 26. und 27. Mai 2012 messen Mannschaften aus Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Deutschland ihre Kräfte.
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