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Autoarme Innenstadt: Ab Montag werden Poller in der Thomasgasse montiert – die Katharinenstraße folgt

Ralf Julke
Buslinie 89 in der Thomasgasse.
Buslinie 89 in der Thomasgasse.
Foto: Ralf Julke
Seit 1993 arbeitet die Stadt Leipzig an ihrem Konzept zu einer autoarmen Innenstadt. Ursprünglich mal als autofreie Innenstadt diskutiert, immer wieder vertagt, zurückgestellt, weil immer noch ein neuer Investor mit großer Tiefgarage in die City drängte oder große Baustellen die City blockierten. Seit 2009 gilt das sogenannte Raus-Rein-Konzept. Ab Montag, 5. November, wird davon ein nächster Baustein verwirklicht.


Dann beginnt der Einbau eines versenkbaren Pollers in der Thomasgasse. Die Anlage soll verhindern, dass Autos unberechtigterweise in Richtung Markt oder Fußgängerzone einfahren, was bislang des öfteren vorkam, besonders in den Abendstunden oder an Wochenenden, betont das Verkehrs- und Tiefbauamt.

Aber auch mitten am Tag. Es gibt zwar 5.200 Stellplätze in Hoch- und Tiefgaragen in der und um die Innenstadt. Aber noch gilt für viele Leipziger der Satz: Wo ich mit dem Auto hinkomme, da fahre ich auch mit dem Auto hin.

Die Abendstunden gehörten bislang auch vielen Ausflüglern, die den Marktplatz gern zum Parken nutzten und das Nachtleben der Stadt genossen.

Eine Zeit lang hat man versucht, das Einfahren in die Innenstadt mit einfachen Verboten zu unterbinden. Doch teilweise entwickelten sich in den Nächten regelrechte Autokorsos um den Markt.

Buslinie 89 in der Thomasgasse - naja - und ein verirrter Pkw.
Buslinie 89 in der Thomasgasse - naja - und ein verirrter Pkw.
Foto: Ralf Julke

"Die tägliche Verkehrsbeobachtung zeigt, dass ohne Poller jeder in die Innenstadt einfährt, zum Teil trotz eindeutiger Beschilderung bis zum Markt. Poller werden missachtet, umgefahren oder weggezogen. Jährlich werden Reparaturkosten benötigt, auch für Schadensfälle. Die Verwaltung wird daher eine Weiterentwicklung der Poller vorantreiben, um Schadensfälle von der Stadt abzuwenden", betonte das verantwortliche Amt 2008 das Problem.

Spätestens Ende der kommenden Woche soll nun der Poller in der Thomasgasse installiert sein, teilt das Verkehrs- und Tiefbauamt mit. Womit sich auch auf dem Westteil der Innenstadt das 2008 formulierte Prinzip umsetzt: Einfach durch die City zu fahren ist dann nur noch für jene Nutzer möglich, die eine Berechtigung haben - die Busse der LVB zum Beispiel. Auch für den Lieferverkehr bleibt die Innenstadt wie bisher zwischen 5 und 11 Uhr frei. Während dieser Zeit werden die Poller abgesenkt.

Andere Kraftfahrer aber können zwar am Thomaskirchhof vom Innenstadtring abfahren - wenn sie dort aber nicht die Tiefgarage der Marktgalerie nutzen, können sie nur über die Burgstraße und die Ratsfreischulstraße wieder aus der Innenstadt herausfahren. Seit 2009 lautet das Prinzip: Wo man in die City eingefahren ist, muss man auch wieder raus. Auch wenn es relativ langsam und stückweise umgesetzt wird. Der Umbau an der Universitätsstraße/Rossplatz ist schon die Vorbereitung gewesen für das dortige Rein/Raus, das ab 2013 umgesetzt werden soll, wenn der Westteil der Schillerstraße ebenfalls mit Pollern abgesperrt und die südliche Petersstraße zur Fußgängerzone wird.


Nach dem Einbau der Poller in der Thomasgasse werden auch an einer anderen Stelle, die beliebt ist als Einflugschneise auf den Markt, Poller installiert - an der Einmündung Katharinenstraße auf den Markt. Die Polleranlagen sollen das illegale Befahren in der Innenstadt aus Richtung Thomasgasse bzw. Katharinenstraße verhindern, betont das Verkehrs- und Tiefbauamt. Wer trotzdem so weit reingefahren ist, kann über das Böttchergässchen und die Reichsstraße Richtung Hallisches Tor wieder rausfahren.

Chipkarten für die Poller in der Innenstadt haben ungefähr 1.100 Personen und Unternehmen, darunter 460 Taxi-Fahrer - aber auch Feuerwehr, Straßenreinigung, Paket- und Notfalldienste.

Für den Radverkehr ergeben sich keine Änderungen, betont das Verkehrs- und Tiefbauamt. Die Fahrbahnen um den Markt sind nach wie vor für Radler frei. Und nicht nur die: Tatsächlich ist die komplette Innenstadt für Radfahrer frei zugänglich. Einschränkungen gibt es nur in den Fußgängerzonen Petersstraße, Grimmaische Straße, Hainstraße und Nikolaistraße. Hier muss in der Hauptgeschäftszeit 11 bis 20 Uhr vom Rad abgestiegen und dieses geschoben werden. Die Polizei kontrolliert das auch ab und zu mal, das Ordnungsamt verteilt seit drei Jahren fleißig die Flyer.

Das Konzept "autoarme Innenstadt":
www.leipzig.de/imperia/md/content/90_verkehrsplanung/autoarme_innenstadt_020908.pdf



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