Planverfahren für Areal westlich des Hauptbahnhofs: Wohnen und Lernen mit Blick auf Parthe und S-Bahn
Ralf Julke
06.11.2012
Das Gelände "Am Alten Zoll" - im Winter fotografiert.
Foto: Ralf Julke
Noch steht der Termin nicht fest, wann der Bebauungsplan-Vorentwurf für die ehemaligen Bahnflächen zwischen Hauptbahnhof und Parthe ausgelegt werden soll. Aber die Öffentlichkeit soll frühzeitig beteiligt werden, beschloss die Dienstberatung des OBM am vergangenen Dienstag. Den meisten Leipzigern ist das Gelände terra incognita. Die aurelis Real Estate GmbH & Co. KG will das Gelände auf der "Preußenseite" des Hauptbahnhofs entwickeln.
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Im Zug des Umbaus des Hauptbahnhofs zum Shopping-Center mit Gleisanschluss entstand hier aus einem der ursprünglichen Gebäude ein Parkhaus. Der Rest des Geländes, der einstmals als Güterabfertigung, Zoll und Packhofgelände des Hauptbahnhofs diente, wurde in den letzten Jahren nicht mehr genutzt und verfiel zusehends.
11 Hektar Areal in bester Innenstadtlage sind hier zu finden. Die Leipziger brauchen ihren Hauptbahnhof nicht erst abzureißen wie die Stuttgarter, um solche attraktiven City-Lagen zu finden. Hätte die Stadtverwaltung auch schon früher wissen können. Mittlerweile haben ihr Investoren, die die Gunst der Stunde erkannt haben, die Filethäppchen vor der Nase weggekauft. Auf der Ostseite, der "Sachsenseite", betrifft das aktuell den Platz, auf dem derzeit die Touristenbusse so komfortabel parken können.
Da der Investor, der das Areal von der Bahn gekauft hat, hier bauen will, wird aktuell emsig nach einem neuen Busparkplatz gesucht. Eine Hoffnung war dabei die Westseite des Hauptbahnhofs. In den Plänen, die aurelis bislang vorgelegt hat, ist das so noch nicht vorgesehen. Aber vielleicht findet sich das Eckchen ja noch.
Der erste Bau, den aurelis auf dem Gelände verwirklicht, ist eine Logistikhalle für die Bahn. Dafür wurde im August der Grundstein gelegt. Der Großteil des Geländes soll unter dem Namen "Am Alten Zoll" als Mischgebiet mit Wohnungen, Büros, Gewerbe, Hotel und Dienstleistung entwickelt werden.
Zwei Straßen - jetzt noch lakonisch Planstraße A und B genannt - sollen das Gelände erschließen. Und gleich linkerhand vom Parkhaus soll künftig ein Geh- und Radweg mitten durchs Gelände führen, der dann am Ende der Mischbebauung abknickt Richtung Parthe, wo er auf einen ebensolchen Geh-/Radweg trifft. Der Radweg ist aus Sicht der Stadt der notwendige Bypass für die Berliner Straße, die - auf dem Westufer der Parthe - Teil der so genannten Nordtangente ist. Der Straßenquerschnitt und die Belegung mit motorisiertem Verkehr ist aber so hoch, dass die Verkehrsplaner perspektivisch keine Chance sehen, beim Umbau der Straße auch noch die Radwege mit unter zu kriegen. Weshalb man in den Gesprächen mit aurelis den Bau einer Radwegverbindung durch das neue Plangebiet "Am Alten Zoll" mit eingebracht hat.
Die Planstraße B, die direkt zwischen Parkhaus und Hauptbahnhofsgebäude Richtung Norden führt, soll ganz am Ende einen Schwenk bekommen und dann über eine Brücke über die Parthe führen und gegenüber der Roscherstraße dann auf die Berliner Straße stoßen.
Das Gelände "Am Alten Zoll" - im Winter fotografiert.
Foto: Ralf Julke
Vorher aber wurde noch ein ganzes Geländestück auf der Karte in hübschem Rosarot eingefärbt: Hier ist der Bau eines Gymnasiums vorgesehen. Was schon verblüfft. Aber so langsam hat die Stadt so ihre liebe Not, geeignete Schulstandorte zu finden. Dieser hier schaut ostwärts direkt aufs Gleisvorfeld des Hauptbahnhofes, genau da hin, wo künftig möglicherweise wirklich auch S-Bahnen aus dem City-Tunnel gefahren kommen, westwärts auf eine Grünanlage direkt an der Parthe. Da wird es wohl manchem Gymnasiasten künftig so gehen wie dem kleinen Ringelnatz - er wird träumend aus dem Fenster sehen und das Lernen verträumen.
Der im Gelände geplante Rad- und Fußweg ist nicht nur als Umfahrung eines Stücks der Nordtangente interessant. Der Ökolöwe hat schon den Vorschlag gemacht, den Radweg hier - auf ehemaligem Gleisgelände - weiterzuführen Richtung Gohlis und dort den Anschluss an den Gohliser Radbogen herzustellen. Ein Vorschlag, der natürlich umso spannender wird, je mehr sich die Überflüssigkeit all der Ringe und Tangenten für motorisierte Autokolonnen herausstellt.
Denn wenn die Stadt ihre Pläne, den Anteil der umweltfreundlichen Verkehrsarten an den täglichen Wegen der Leipziger deutlich zu erhöhen, wirklich ernst nimmt, dann wird diese Stadt mit einem wirklich attraktiven Radnetz künftig punkten können.
Für das 11,1 Hektar große Areal soll jetzt in zwei aufeinander folgenden Stufen Baurecht geschaffen werden. Anvisiert wird eine der exponierten Lage angemessene Entwicklung im Sinne der sozial- und wirtschaftspolitischen Strategie Leipzigs, betont die Verwaltung extra - heißt: Es sollen im Gelände auch Arbeitsplätze entstehen und es soll eine schöne Altersmischung geschaffen werden. "Rahmenbedingungen für eine ausgeglichene Altersstruktur" heißt dieses strategische Ziel, das sich die Stadt gesetzt hat. Mit einer Schule im Gebiet ist man da auf jeden Fall auf dem richtigen Weg. Mit attraktiven Frei- und Grünflächen an der Parthe auch.
Der vorliegende Entwurf enthält unter anderem Festsetzungen über den Verlauf der öffentlichen Straßen, die Infrastruktur, die Lage der öffentlichen Grünflächen und die Bauflächen. Weiter gehende Festsetzungen sollen dann in der zweiten Stufe des Planungsprozesses in maßnahmenbezogenen Bebauungsplänen getroffen werden.
Und Charakter soll das Gebiet auch behalten. So sollen sowohl das denkmalgeschützte "Alte Zollgebäude" auf der Südseite (gleich an der Kurt-Schumacher-Straße), der Kopfbau der westlich davon stehenden Güterschuppen und das Mitropa-Gebäude auf der Ostseite erhalten bleiben. Auch die Doppeltor-Anlage, über die man ins Gelände kommt, ist denkmalgeschützt - genauso wie die Einfriedung hin zur Kurt-Schumacher-Straße. Selbst das Straßenpflaster soll möglichst in originaler Form erhalten bleiben.
Das Eisenbahnbundesamt hat das Gelände 2007 zwar für bahnliche Nutzungen entwidmet. Nur für zwei Erschließungstrassen gilt das nicht. Sie behalten ihre Widmung für Bahnzwecke, auch wenn sie stadtplanerisch in das Planvorhaben mit einbezogen werden. Im November werden sich Fachausschüsse und Stadtbezirksbeirat mit dem Thema beschäftigen.
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