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Capa-Haus: LS Immobiliengruppe will Jahnallee 61 ab September 2013 sanieren

Gernot Borriss
Aktueller Zustand des Capa-Hauses.
Aktueller Zustand des Capa-Hauses.
Foto: Gernot Borriss
Für das baulich stark gefährdete Haus Jahnallee 61 hat die Zukunft nun offenbar begonnen. Die LS Immobiliengruppe als Eigentümerin will im September 2013 mit der denkmalgerechten Sanierung des geschichtsträchtigen Capa-Hauses beginnen. Der Bauantrag ist gestellt, teilten Eigentümerin und Stadtverwaltung nun mit. Der Leipziger Westen bekommt sein attraktives Eingangstor zurück. Dort, an der Kreuzung Jahnallee/Lützner Straße, soll das historische Stadtbild wieder hergestellt werden.


„Die im bayerischen Mühldorf ansässige LS Immobiliengruppe als Eigentümer will das geschichtsträchtige Bauwerk denkmalgerecht sanieren und hat einen entsprechenden Bauantrag eingereicht“, teilte die Leipziger Bauverwaltung nun mit. Gemeint ist das gesamte Areal: also das Haus Jahnallee 61 samt den angrenzenden Gebäuden Luppenstraße 28 und 26.

Was gut ist für das Stadtbild, ist auch gut für das historische Gedächtnis dieser Stadt. Denn mittlerweile hat sich für das Haus Jahnallee 61, vormals Frankfurter Straße 39, der Name „Capa-Haus“ durchgesetzt. Kein Geringerer als der weltberühmte Pressefotograph Robert Capa (1913 – 1954) dokumentierte im April 1945 mit seinen Bildern die Befreiung Leipzigs von der NS-Diktatur durch US-amerikanische Soldaten.

Im heutigen Haus Jahnallee 61 entstand in der Mittagszeit des 18. April 1945 Capas Foto „Der letzte Tote des Krieges“. Es zeigt einen jungen, amerikanischen MG-Schützen, der soeben von dem Schuss eines deutschen Soldaten tödlich getroffen worden war. Das Bild erschien am 14. Mai 1945 im Life-Magazine und ging um die Welt.

Die Geschichte war im Nachkriegs-Leipzig lange tabu. Denn Befreier konnten nach der herrschenden Lesart nur Sowjetsoldaten sein.

Bürgerforderung nach einer sofortigen Sanierung des Capa-Hauses.
Bürgerforderung nach einer sofortigen Sanierung des Capa-Hauses.
Foto: Gernot Borriss

Abrissgenehmigung im Herbst 2011 erteilt

Nach 1990 fand sich dann für das markante Gebäudeensemble keine nachhaltige Nutzung. Im Herbst 2011 drohte gar der Abriss. Wie die L-IZ im Oktober 2011 exklusiv berichtete, sah sich die Leipziger Stadtverwaltung gehalten, eine Abrissgenehmigung zu erteilen.

Gleichwohl wollte die Stadtverwaltung das Kapitel Capa-Haus damit nicht schließen. Knapp eineinhalb Jahre später nun die frohe Kunde: „Mit dem Engagement der LS Immobiliengruppe ist eine gesicherte Zukunft in greifbare Nähe gerückt“, erklärte Baubürgermeister Martin zur Nedden (SPD), „die Stadt wird im Rahmen ihrer Möglichkeiten das Ihre dazu beitragen, dass die gemeinsamen Bemühungen um den Erhalt dieses für Leipzigs jüngere Geschichte markanten Hauses von Erfolg gekrönt sein werden.“

So sieht das auch Horst Langner von der LS Immobiliengruppe. Dank der sehr guten und konstruktiven Zusammenarbeit mit der städtischen Bauverwaltung könne man „hoffentlich schon bald maßgebliche Schritte einleiten, um die Zukunft des gesamten „Capa-Haus-Ensembles“ zu sichern“.


Zustand des Innenhofes des Capa-Hauses.
Zustand des Innenhofes des Capa-Hauses.
Foto: Gernot Borriss
Für Langer stehen die nächsten Schritten schon fest: „Nach Erhalt der Baugenehmigungen beginnen wir umgehend mit der Notsicherung der Gebäude, da die internen Planungen abgeschlossen sind. Parallel zu den Notsicherungsarbeiten starten wir auch die Bauausschreibung. Nach dem derzeitigen Planungsstand wird das Ensemble in drei Bauabschnitte aufgeteilt und mit dem „Capa-Haus“ begonnen. Der geplante Baubeginn ist für September 2013 anberaumt.“

Die LS Immobiliengruppe will dem Gebäudeensemble alten Glanz und neue Pracht zurückgeben. „Die Straßenfassaden mit den Gliederungen und Zierelementen werden restauriert und nach historischer Vorlage ergänzt, sowie die ehemaligen historischen Wintergärten mit Blick zum Palmengarten wieder hergestellt“, so die Eigentümerin. „Auch die ehemals vorhandenen überdachten Balkone sollen in ihrer historischen Erscheinungsform wieder entstehen. Das historische Nutzungskonzept soll wieder belebt werden. Im Erdgeschoss entstehen Gewerbe- und Ladenflächen, in den Obergeschossen soll wieder gewohnt werden.“

So bekommt die oft diskutierte Reurbanisierung Leipzigs mit diesem Eingangstor zum Leipziger Westen ein weiteres Gesicht. In Bildanimationen von LS wird dies schon sichtbar.

Bürgerinitiative setzt sich für Erhalt des Hauses ein

Doch es ist nicht allein die Dynamik des örtlichen Immobilienmarktes, die die Sanierung des Capa-Hauses zum Ereignis machen.

Leipziger Bürger engagierten sich seit Herbst 2011 für den Erhalt des Hauses. Der Wissenschaftler Ulf-Dietrich Braumann gab den Hinweis, dass mit Lehmann Riggs der Kamerad des am 18. April gefallenen Soldaten noch lebt. Auf Einladung des Mitteldeutschen Rundfunks besuchte Riggs im letzten April nach über 67 Jahren erstmals wieder Leipzig.

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Durch Recherchen verschiedener Medien und von Mitgliedern der Bürgerinitiative wurde schließlich auch die Identität des Gefallenen bekannt: Raymond J. Bowman, Jahrgang 1924. Die Bürgerinitiative schlug im letzten Frühjahr die Benennung einer Raymond-J.-Bowman-Straße in Lindenau vor.

Nach all diesen Nachrichten gibt es für das Haus Jahnallee 61 wohl eine gesicherte Zukunft. „Nach Erteilung der Baugenehmigung folgt eine Einladung zum Pressefrühstück, in der die nächsten Schritte der Notsicherung und des Bauvorhabens kommuniziert werden“, sendet die LS Immobiliengruppe schon mal ein „Save the date“. Bei der Sonntagsmatinee Ende November 2011 warb die Bürgerinitiative mit ihrer ersten öffentlichen Veranstaltung für eben diese Schritte.

www.ls-immobiliengruppe.de



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