Wächterhäuser: Haushalten e.V. informiert jetzt auf frisch gestalteter Website
Ralf Julke
05.11.2007
Projekthaus: Lützner Straße 39. Foto: Haushalten e.V.
Wer auffallen will, lässt es leuchten. Gelb zum Beispiel. Oder hängt ein Transparent ans Haus, auf em zum Beispiel "Wächterhaus" steht. Letzteres tat der Verein Haushalten e.V. erstmals 2003. Und seitdem gehören die Wächterhäuser zu einer der Erfolgsgeschichten im Leipziger Stadtumbau. Oder besser: Nicht-Umbau. Denn der Ansatz, gefährdete Häuser durch einen Nutzungsvertrag mit dem Eigentümer zu beleben und damit zu retten, bewahrt ein Stück gebauter Stadtkultur.
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Angefangen hat es damals in der Demmeringstraße in Lindenau. Besonders das Amt für Stadtsanierung und Wohnungsbauförderung und der Stadtteilverein Lindenau machten sich für die Idee stark. So konnten erstmals wieder Häuser "bespielt" werden, die in aktuellen Sanierungsprogrammen keine Chance hatten und am "Wohnungsmarkt" erst recht nicht. Und leer stehende Kleinode auch und gerade in den alten Gründerzeitvierteln der Stadt gibt es nach wie vor genug. Niemand weiß, ob sie einmal von der Sanierungswelle erreicht werden. In diversen Hauptstraßen ist es sogar fraglich, weil entsprechende Aufwertungsstrategien der Stadt bislang völlig fehlen.
Die Homepage.
Dass die lauten Straßen trotzdem attraktiv sein können für diverse Nutzungen, zeigt die zunehmende Zahl der Wächterhäuser. Acht sind derzeit in Nutzung, sechs im Leipziger Westen, zwei mittlerweile im Fördergebiet Leipziger Osten. Dort sind auch andere Hausprojekte immer wieder im Gespräch, aber immer wieder wird auch spürbar, dass sich verschiedene Strategien des "Stadtumbaus" ins Gehege kommen, die Freiraumgestaltung etwa, die im Leipziger Osten schon usurpierende Züge angenommen hat, mit dem Substanzerhalt der Gebäude. Letztere insbesondere dort schwierig, wo - wie im Fall der Wurzner Straße - die Stadt sogar eine offensive Abbruchstrategie vertritt und an eine Stärkung der alten Geschäftsstraße überhaupt nicht gedacht ist.
Ein Problem, das in vielen Leipziger Geschäftsstraßen akut ist und nicht nur sichtlich Einkaufskultur verloren gehen lässt, sondern auch die Chancen der Hausbesitzer, ihr Haus überhaupt einmal wieder zu vermieten. Die Wächterhäuser sind - so gesehen - von Anfang an auch Mahn-Häuser: Mahnung an eine fürs Kleinteilige und Urbane fast völlig blinde Stadtumbaupolitik. Ohne Unterstütung der Stadt, insbesondere des ASW geht trotzdem nichts. Auch wenn hier nur Unterstützung und Begleitung zu sichern sind. Die Lösungen für jedes einzelne Haus können nur privater oder privatwirtschaftlicher Art sein.
Geglückt ist es beim einstigen Wächterhaus Nr. 2, das mittlerweile als "Entlassenes Wächterhaus" in der Kuhturmstraße von Kunststudenten belebt wird. Noch Projekt ist die Lützner Straße 39, eines der ältesten erhaltenen Gebäude in Lindenau, wo der Verein künftig sein Domizil aufschlagen will. Vor wenigen Tagen ging die frisch in Gelb und neu gestaltete Website des Vereins online, die für alle Neugierigen jetzt die aktuelle Übersicht über die Arbeit und die Erfolge des Haushalten e.V. bietet.
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