Friedliche Blaupause wiederentdeckt? Das Bündnis 17. Oktober wertet die Aktionen der Leipziger als riesigen Erfolg
Michael Freitag
17.10.2009
Vielfalt statt Monokultur. Eine der Forderungen der Veranstaltungsteilnehmer gegen den Nazimarsch Richtung Hauptbahnhof
Foto: Daniel Thalheim
Es muss gehörig Frust geherrscht haben, als heute die Demonstranten um Tommy Naumann feststellen mussten, dass sie keinen Meter Boden gut machen konnten. Über Stunden, bis der Geduldsfaden riss. Nun meldet sich das Aktionsbündnis zu Wort, welches zum Widerstand aufgerufen hatte. Man ist glücklich.
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In einer ersten Einschätzung nur wenige Stunden nach der Auflösung der Demonstration der Freien Kräfte heißt es in der Mitteilung des Aktionsbündnisses: "„Bitte nehmen Sie Platz“: Widersetzen war riesiger Erfolg!!!" Die drei tanzenden Ausrufezeichen am Schluss sind wohl ein gleichzeitiges Zeichen für die Freude über die Gewaltfreiheit und den erzielten Erfolg am heutigen 17. Oktober auf der Leipziger Eisenbahnstraße. Denn dort war auf dem Weg zum Leipziger Hauptbahnhof bereits Schluss für die Demonstration der Freien Kräfte.
Ein Gespenst geht um? Mit Kreativität sind Leipziger heute der Demonstration von Rechts entgegen getreten
Foto: Daniel Thalheim
Weiter meldet das Bündnis erste Schätzungen über die Anzahl der Menschen, welche ihrem Aufruf bereits bis 15 Uhr gefolgt waren. "2000 Gegendemonstrant_innen verhindern gewaltfrei Neonaziaufmarsch." heißt es schon in der ersten Zeile und die beiden Pressesprecher_innen Stefan Kausch und Juliane Nagel haben dabei in der Tat Grund zur Freude: "Wir freuen uns über den immensen Zuspruch, den die gemeinsamen und gewaltfreien Proteste gefunden haben. Mehr als 2000 Menschen, Initiativen und Vereine aus allen Spektren der Gesellschaft waren an diesem Samstag auf der Straße. Diese Menschen haben den Ideologien der Ungleichwertigkeit und deren neonazistischen Akteuren ein deutliches „Nein“ entgegen gesetzt!"
Auch zum Ablauf des Tages finden sich in der ersten Einschätzung eine der seltenen Lobesbekundungen gegenüber den Polizeikräften. "Die Neonazis mussten frustriert und erfolglos das Feld räumen. Das Bündnis weiß jedoch, dass die alltägliche Arbeit gegen Neonazis, Alltagsrassismus usw. weiter gehen muss. Die Polizei hat für heute ein Lob verdient. Auch wenn wir die Personenkontrollen auf dem Weg zu den Gegendemos weiterhin übertrieben finden, könnte die Einsicht in die Notwendigkeit und Entschlossenheit der Widersetzaktionen aus unserer Sicht ein erster Schritt in ein maßvolles Polizeiverhalten sein.
Denn antifaschistische Aktivitäten gehören nicht kriminalisiert, sondern sind als politisch legitim einzustufen. Insgesamt herrscht für den Moment große Freude und Zufriedenheit bei den Organsator_innen des Bündnisses. Weder in Leipzig, noch in irgendeiner Gesellschaft sollen Neonazis Räume erhalten."
Im Fazit scheint sich am heutigen 17. Oktober eine wirksame und friedliche Form des Widerstandes gegen Naziaufmärsche in der "Heldenstadt" gemeinsam mit vielen Leipziger Bürgern (wieder)gefunden zu haben. Denn noch bei Christian Worchs Dauerdemonstrationen waren bis zu 20.000 Leipziger auf die Straße gegangen, welche später jedoch durch die zunehmende Gewalt abgeschreckt worden waren.
Eben jene Gewalt, welche heute von Seiten der Gegner der Demonstration zugunsten eines phantasievollen Widerstandes ausblieb.
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