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Dresden: Menschenketten, Blockaden und eine stehende Demonstration der JLO + Updates

Patrick Limbach (vor Ort) & Michael Freitag
Gegendemonstranten lassen sich bereits seit dem Morgen in der Hansastraße nieder...
Gegendemonstranten lassen sich bereits seit dem Morgen in der Hansastraße nieder...
Foto: Patrick Limbach
14:00 Uhr. Derzeit scheint in Dresden irgendwie nichts so zu laufen, wie es sich die Demonstranten rund um den Veranstalter Junge Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO) vorgestellt hatten. An unzähligen Stellen in der Stadt haben Blockierer Barrikaden errichtet.

Gestalter im Handwerk
Gestalter im Handwerk Zweijähriger berufsbe-
gleitender Studiengang

Die rechte Demonstration findet sich kaum zusammen und weitere Dresdner beginnen, eine Menschenkette um die Innenstadt zu bilden.

Auf dem Vorplatz des Neustädter Bahnhofes in Dresden stehen derzeit knapp 1.000 Demonstranten aus dem rechten Spektrum, während sich fast 10.000 Dresdner und Gäste der Stadt auf Barrikaden und Sitzblockaden eingefunden haben. Dresden hat sich wohl noch nie so entschlossen und massenhaft gegen einen Aufmarsch gestellt wie in diesem Jahr. Am Albertplatz hat sich zur Stunde eine große Gegendemonstration zusammengefunden, deren Teilnehmerzahl deutlich höher als die der immer noch anreisenden rechten Demonstranten ist.

... die Polizei hat ebenfalls schon Aufstellung genommen und beobachtet das Treiben ...
... die Polizei hat ebenfalls schon Aufstellung genommen und beobachtet das Treiben ...
Foto: Patrick Limbach

In den Zugangsstraßen zum Neustädter Bahnhof, wie die Hansastraße, Leipziger Straße und Marienbrücke haben sich seit heute morgen in Gruppen von 200 bis 500 Personen Sitzblockaden gebildet, welche die Polizei derzeit Stück um Stück versucht zu räumen. Aufgrund der Masse an Gegendemonstranten ein Vorhaben, welches wohl noch ein paar Stunden dauern könnte. In dieser Zeit haben die Demonstranten der JLO-Veranstaltung Probleme, mit den Reisebussen überhaupt bis zum Treff- und Startpunkt der Demonstration vorzudringen. Ein Weg, welchen Udo Voigt (Vorsitzender der NPD) bereits geschafft zu haben scheint, da er sich unter den ersten Teilnehmern vor Ort befindet.

... während sich auf dem Bahnhofsvorplatz in Dresden Neustadt die Demonstranten sammeln ...
... während sich auf dem Bahnhofsvorplatz in Dresden Neustadt die Demonstranten sammeln ...
Foto: Patrick Limbach

Die Polizei kontrolliert zur Stunde Demonstranten bereits vor der Ankunft am Neustädter Bahnhof in den Reisebussen auf Personalien und ordnungsgemäße Kleidung sowie Waffen und sorgt somit für weitere Verzögerungen des Demonstrationsstarts. Die Demonstration der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO) hat sich also zur Stunde noch keinen Meter bewegt - sie steht sich am Neustädter Bahnhof die Beine in den Bauch, während gefühlt ganz Dresden sich gegen sie positioniert hat. Dass der Frustrationspegel bei den rechten Teilnehmern der Demo steigt, scheint sich bereits gerüchteweise in einem ersten Angriff auf Blockierer bestätigt zu haben.

Ebenfalls gleichzeitig beginnt sich eine Menschenkette um die Dresdner Innenstadt zu bilden, um so symbolisch das Rathaus der Stadt vor dem Aufmarsch zu schützen. Es sollen sich auch an dieser Aktion bereits tausende Menschen beteiligen. In Dresden sind aktuell etwa 8.000 Kräfte der Polizei im Einsatz.

... um ihre Meinung zu artikulieren.
... um ihre Meinung zu artikulieren.
Foto: Patrick Limbach

Update 14:20 Uhr
Die Lage scheint sich für die Polizei aufgrund der Dezentralität zunehmend unübersichtlicher zu gestalten. Anreisende Neonazis verlassen vorzeitig die Reisebusse und bewegen sich unkontrolliert und gewaltbereit durch die Dresdner Neustadt.

Update 14:32 Uhr
Scheinbar wird die Lage in Dresden im Bereich der Barrikaden immer angespannter. Erste Räumungen der Polizei fanden nun unter vermehrtem Einsatz von Pfefferspray statt und die Menge der rechten Demonstranten, welche sich zunehmend dezentral in Dresden Neustadt bewegen, soll auf über 5.000 angestiegen sein. Ob diese eher "marodierenden Gruppen" jedoch überhaupt noch als Demonstranten gezählt werden können, scheint fraglich.

Update 14:53 Uhr
Die Hinweise aus Dresden verdichten sich, dass sich die Lage wieder beruhigt hat und die Polizei damit befasst ist, die Demonstration der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland zu beenden. Die Barrikaden rund um den Neustädter Bahnhof sind alle noch besetzt und nach derzeitiger Informationslage wird es wohl am heutigen Tage zu keinem Aufmarsch der Rechten in Dresden kommen. Augenscheinlich ist es nicht möglich, diesen sicherheitstechnisch seitens der Stadt Dresden zu gewährleisten.

Update 15:05 Uhr
Die Demonstration der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO) wird nicht stattfinden. Die Polizei ist mit ihrer Auflösung beschäftigt. Damit ist es das erste Mal seit Jahren, dass am Tag des Gedenkens an den 13. und 14. Februar 1945 keine Neonazi-Demonstration durch Dresden marschieren wird.

Update 15:52 Uhr
Nun gibt es doch noch einmal eine überraschende Wendung am heutigen Tage in Dresden. Michael Schäfer von der anmeldenden JLO hat soeben eine neue Route bei der Polizei beantragt und somit die Auflösung der Demonstration gestoppt. In diesen Minuten setzt sich also doch ein Demonstrationszug von etwa 5.000 Teilnehmern vom Neustädter Bahnhof kommend in Richtung Dammweg in Gang.

Die Ausweichroute geht nun über den Dammweg, Bischofsplatz, Hansastraße. Nach einer Zwischenkundgebung werden die rund 5.000 rechten Demonstranten dann den gleichen Weg zurück nehmen.

Andere Demonstranten hatten die falschen Fahnen dabei. Zumindest wollten diese die JLO selbst laut eigenen Vorab-Auflagen eigentlich nicht sehen.
Andere Demonstranten hatten die falschen Fahnen dabei. Zumindest wollten diese die JLO selbst laut eigenen Vorab-Auflagen eigentlich nicht sehen.
Foto: Patrick Limbach

Update 16:30 Uhr
Das Hin und Her in Dresden nimmt kein Ende. Nun ist die Durchsage am Neustädter Bahnhof erfolgt, dass die Strecke für die Demonstration nicht genutzt werden kann, da diese nicht frei ist. Damit sind die Blockaden gemeint, welche das Aktionsbündnis "Dresden Nazifrei" angekündigt hatte und nun bereits seit heute Morgen an vielen Punkten rund um den Sammelpunkt am Neustädter Bahnhof durchführt. Der Twitteraccount von "Netz gegen Nazis" meldet mittlerweile erste Rangeleien der Demonstrationsteilnehmer untereinander.

Update 17:10 Uhr
Die Demonstration ist – ohne stattgefunden zu haben – beendet worden, da die alternative Route von der Polizei nicht geräumt werden konnte. Die Demonstrationsteilnehmer sollen laut Polizei nun mit der Bahn zu ihren Bussen via Nahverkehr abreisen, was diese jedoch nicht wollen. Derzeit bestehen sie noch darauf, zu Fuß wieder zu ihren ca. 3 Kilometer entfernten Bussen zu gelangen. Bevor und während die Demonstration gegen 17 Uhr aufgelöst wurde, war es bereits zu Rangeleien mit den Einsatzkräften gekommen. Vereinzelte Böller, eine Fahnenstange und Schneebälle flogen dabei gegen Einsatzkräfte und Journalisten. Marschiert sind die Teilnehmer bis zum offiziellen, angemeldeten Ende ihrer Demonstration um 17 Uhr nicht.

Update 17:26 Uhr
Berichte, welche vor Ort kursierten und aus Kreisen der nationalen Demonstration stammen, wonach angeblich ein Überfall linker Autonomer auf eine Gruppe von rechten Demonstranten zu schweren Verletzungen oder gar mit Todesfolge stattgefunden haben soll, wurden von offizieller Seite vor Ort auf Nachfrage nicht bestätigt.

Zur Zeit sammeln sich alle an den Blockaden Beteiligten am Dresdner Albertplatz zu einer Feier.

Update 22:34 Uhr
Auch im Nachgang an die Demonstration scheint es weitgehend ruhig in Dresden zu bleiben. Etwas merkwürdig scheint nur die Berichterstattung einiger Medien, welche statt weitgehend friedlicher Blockierer nur "linke Krawallos" gesehen haben und bildhaft suggerieren, dass die durch die Dresdner gebildete Menschenkette der Grund sei, dass ein Aufmarsch am heutigen 13. Februar 2010 seitens der "Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland" nicht stattfinden konnte. Da scheint Vorurteilspflege über Journalismus zu gehen, was dem weitgehend friedlichen Ausgang der Ereignisse in der sächsischen Landeshauptstadt jedoch keinen Abbruch tut.

Währenddessen sind für einige rechte Demonstranten die eingesetzten Polizeikräfte schuld, dass die Straßen trotz Einsatz nicht rechtzeitig geräumt werden konnten. Die Polizei hatte am Bischofsweg jedoch zwischenzeitlich Wasserwerfer gegen die Blockierer eingesetzt. Nach Leipzig ist dies bereits die zweite Demonstration innerhalb weniger Monate in Sachsen, welche als Kundgebung am Versammlungsort ohne Marsch endete.


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