Angela Merkel zu Besuch in Leipzig und eine Demo: Spontanaktion gegen Atomkraft am Uniriesen
Michael Freitag
19.08.2010
Zirka 50 Protestler warten an der Absperrung auf das Eintreffen der Kanzlerin und des sächsischen Ministerpräsidenten Tillich
Foto: Patrick Limbach
"Schwarz- Gelb produziert Müll – die Atomkraft ist ein Problem" lautete die Überschrift und 50 Protestler kamen. Am heutigen 19. August kam noch eine - Angela Merkel in Leipzig zu Besuch bei der hiesigen Strombörse EEX und auf Energiereise. Die Atomgegner nutzten die Gelegenheit, um ihrem Unmut über die derzeitigen Energie-Pläne der Bundesregierung Luft zu machen.
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Zur Spontandemo am Leipziger Uniriesen hatte das "Bündnis gegen Atomkraft" geladen. Im Aufruf zum Zusammentreffen heute 14:30 Uhr hieß es „Die Bundesregierung will die Laufzeiten für Atomkraftwerke verlängern, dies ist nicht nur vor dem Hintergrund der ungeklärten Endlagerfrage nicht hinnehmbar“.
Dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung ein eher mulmiges Gefühl bei den Bildern unter anderem aus dem nicht so endgültigen Lager Asse hat, dürfte angesichts übereinander gelagerter Fassstapel im Kampf mit der Oxidation klar sein. Bis heute hat keine Regierung der Welt eine wirkliche Lösung für die Altlasten einer Energieerzeugung gefunden - die deutsche noch nicht einmal einen, um die Großkonzerne für die Folgekosten wirklich in Haftung zu bekommen. Diese wird nach wie vor eher sozialisiert, als durch eben jene bezahlt, welche die Energieumsätze aufgrund des angeblich preiswerten Atomstromes einfahren. Vor diesem Hintergrund finden derzeit die Laufzeitverlängerungsdebatten für zudem nicht mehr ganz taufrische Atomkraftwerke der schwarz-gelben Bundesregierung mit den maßgeblichen Anbietern im Lande statt.
Greenpeace hat sich derweil auf dem Augustusplatz positioniert
Foto: Patrick Limbach
Als Reaktion auf die durchaus moderate Brennelementesteueridee der Bundesregierung haben diese mit Abschaltung der alten Meiler gedroht - was so mancher im Lande durchaus für eine gute Nachricht und nicht als eine Drohung ansieht. Macht doch schon die Lagerung der dann anfallenden Reste der eventuell betroffenen sieben Kraftwerke genug finanziellen Ärger - erneut auch für den Steuerzahler. Und so zeigen die Verhandlungsstrategien der Energieriesen meist nur in eine Richtung - Gewinne ja, aufräumen nach dem Reibach eher nicht.
Und so erklärt das Demonstrationsbündnis aus Organisationen und Parteien wie BUND Leipzig, NaBu Leipzig, Klimaallianz, Attac, B90/Die Grünen, Linksjugend, die Leipziger Linke und die Grüne Jugend am heutigen Tage dazu: "Die Bundesregierung wird versuchen, die Laufzeitverlängerung zu beschließen, und im November werden auch wieder die Castor-Transporte nach Gorleben rollen. Damit wird nicht nur das Risiko der strahlenden Zukunft erhalten, sondern gleichzeitig wird auch der Umstieg und Ausbau der erneuerbaren Energien spürbar abgebremst. Die Profiteure der unverantwortlichen Politik sind die großen Energiemonopolisten."
Angela Merkel kommt und ist sofort wieder weg
Foto: Patrick Limbach
Mancher Leipziger wird sich vielleicht noch fragen, was ihn dies alles eigentlich angeht. Die Antwort versteckt sich neben den Umweltfolgekosten der Stromerzeugung aus Atomen auch im finanziellen Aufwand bei aktuellen Vorgängen: "Auch Sachsen überweist seit 1995 jährlich 80.000 Euro nach Ahaus. Dazu kamen im Jahr 2005 noch 834.000 Euro für die Transporttechnik des Castors und 469.000 Euro für den Einsatz von mehr als 6.500 Polizisten zur Sicherung der Atomtransporte. Weil auch im sächsischen Rossendorf immer noch Plutonium lagert, sind die Risiken auch hier nicht beseitigt und am Standort kann bisher kein Cent eingespart werden."
Dass eine ungehinderte Fortsetzung der "alten Energieerzeugungen" auch Kapital für die Förderung erneuerbarer Energien bindet, teilweise aufgrund der immer noch bestehenden Preisunterschiede zu diesen Erzeugungsarten sogar ganze Firmenstrategien behindern kann, weiß man auch bei den Leipziger Stadtwerken.
Stanislaw Tillich und Bodyguard auf dem Weg zur Energiebörse
Foto: Patrick Limbach
Hier dreht man seit Jahren langsam aber bestimmt in Richtung Energieerzeugung auf Basis erneuerbarer Rohstoffe. Da ist der Preiskampf gegen nach wie vor subventionierte Atomriesen schlecht zu gewinnen.
Ins Gespräch kamen dabei heute beide Ansichten im direkten Kontakt nicht. Stanislaw Tillich und Angela Merkel stiegen aus und entschwanden gegen 15 Uhr sogleich zum Termin mit den Energiebrokern.
Vor diesem Hintergrund kündigte das Bündnis auch in Leipzig einen heißen Herbst an. So wird es weitere Protestaktionen geben: Bereits am kommenden Samstag, 21. August wollen sie die Unmutsbekundungen erneut in die Innenstadt Leipzigs, dann direkt vor das Büro des Leipziger Bundestagsabgeordneten Thomas Feist (CDU), tragen. Am 04. 09. 2010 ist dann die nächste Demonstration auf dem Leipziger Augustusplatz geplant und am 18.09. mobilisiert das Bündnis gemeinsam zur Großdemonstration nach Berlin.
Auch Diskussionsveranstaltungen seien bereits in Vorbereitung.
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