Vollversammlung in der Moritzbastei: Leipziger Erklärung der Freien Kulturszene, ein Blick nach Dresden und ein runder Tisch
Daniel Thalheim
16.11.2010
Torsten Reitler und Falk Elstermann
Foto: Daniel Thalheim
Die freie Szene macht Druck und auf sich aufmerksam. Es ist wohl der Schulterschluss des OBM Jung mit den städtischen Kulturbetrieben gegen die Novellierung des Kulturraumgesetzes, die die freien Kulturschaffenden der Initiative Leipzig+Kultur zu dieser Entscheidung treibt.
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Am gestrigen Abend trafen sich Leipziger Vertreter von Theater, Musik, Soziokultur, Schriftsteller und Bildende Kunst, um eine gemeinsame Leipziger Erklärung zu verabschieden. Die Sprecher der Initiative Leipzig+Kultur luden am 15. November in die Veranstaltungstonne der Moritzbastei, um neben der Stoßrichtung der Initiative auch die Definition und das Vorgehen der freien Szene in Leipzig gegen den kommenden Landtagsbeschluss zur Kulturraumförderung vorzugeben. Falk Elstermann, Michael Berninger, Martin Heering, Torsten Reitler und Steffen Birnbaum bilden den Sprecherrat, der in Zukunft an Öffentlichkeit und Politiker herantritt, um die Interessen aller Kulturschaffenden in der freien Szene zu vertreten.
Ein "Runder Tisch" für Leipzig. So stellt die Initiative Leipzig+Kultur den Anwesenden aus Kultur und Medien den neu anberaumten Runden Tisch vor, der vor der Kommunalwahl 2009 bereits vier Ausgaben erlebte und die Kommunikation zwischen Kulturausschuss, Fraktionsvertretern und freien Kulturschaffenden der freien Szene verbessern soll. Nach den Wahlen ist dieser Runde Tisch eingeschlafen. Nun muss man den neuen Kulturausschuss erneut überzeugen und erklären, was das Anliegen der freien Kulturszene in Leipzig ist. Falk Elstermann erklärte daraufhin gestern den zahlreichen Anwesenden in der Moritzbastei: "Der Fachausschuss begrüßt die Wiederaufnahme der Gespräche zwischen Politikern, Kulturamt und Szenevertretern. Es soll baldmöglichst eine konstituierende Sitzung geben. Der Kulturausschussvorsitzende Wolfram Leuze besprach mit uns eine Arbeitsvorlage, die wir vorbereitet hatten, um diese am 19. November auf der nächsten Sitzung des Ausschusses zu besprechen."
Der Runde Tisch kommt. Ab Januar 2011 wird es soweit sein.
Vollversammlung am gestrigen Montag in der Moritzbastei: Michael Berninger, Steffen Birnbaum, Torsten Reitler, Falk Elstermann und Martin Heering (ganz rechts aussen) (v.l.n.r.)
Foto: Daniel Thalheim
Ein "Kulturrat" soll nach Wunsch der Initiative ins Leben gerufen werden. "Das ist eine Idee von Burkhard Jung", so Elstermann. Während eines persönlichen Frühstücks im Theater der jungen Welt mit Vertretern der städtischen Theater und freien Szene hatte der Oberbürgermeister laut Elstermann diese Idee, vielleicht auch, um alle am Frühstückstisch versöhnlich zu stimmen nach dem Wirbel um den 2009 gewählten Kulturdezernenten Michael Faber und den jetzigen Ereignissen. Dieser Idee geht der nicht besonders produktive KEP-Kreis voraus, einem Arbeitskreis der Chefs der städtischen Theater und des damaligen Kulturdezernenten Dr. Girardet, die sich mit dem Kulturentwicklungsplan beschäftigen wollten. Daraus wollte man ein Gremium wie den Kulturrat gründen, was nun geschehen soll. Wann das sein wird, ist jedoch noch offen.
Greifbare Nahziele hat die Initiative auch schon und die ersten Stellschrauben sollen nun ins Holz gedreht werden. Torsten Reitler, Initiative-Sprecher für Musik kündigte gestern an, dass jeder Kulturbereich in der Initiative einen eigenen Kulturentwicklungsplan erstellt und ins Kulturdezernat einreicht. Ideen lassen sich wohl am besten mit Zahlen erklären, denken sich die Initiativesprecher und stoßen dabei auf Zuspruch bei den Anwesenden. Ziel ist auch, am Stadtratsbeschluss zu dem Projekt "5fürLeipzig" aus dem Jahr 2008 zu bleiben und gleichzeitig zu hinterfragen, welche Förderrichtlinien gelten sollen für die Förderung der freien Szene. So wünscht sich Reitler eine "fachliche Weiterentwicklung und Erhöhung der Transparenz der Fördermittelvergabe mit klaren Förderkriterien, Vergabegremien und -beiräten." Dazu gehört laut Initiative auch eine klare Definition, was freie Szene ist und was nicht.
Falk Elstermann zum Kulturpodium: "Mit diesem Format wollen wir uns Gehör verschaffen. Gleichzeitig wollen wir demonstrieren, dass wir keine Spaltung in Hoch- und Subkultur sehen. Wir sitzen alle im gleichen Boot."
Foto: Daniel Thalheim
Offenbar denken einige Stadtabgeordnete, dass Musikveranstaltungen im Schauspiel und Gewandhaus auch "freie Szene" seien und dass ein international renommiertes Jazzfestival kommunal finanziert sein müsse. Ebenso stelle sich diese Frage auch bei Klassik-Events sowie Wettbewerben, die kommerziell durchaus selbstständig tragfähig sein dürften, weil hier auch Leute angezogen werden, die sich höheres Eintrittsgeld leisten könnten.
So wünscht sich Torsten Reitler eine "fachliche Weiterentwicklung und Erhöhung der Transparenz der Fördermittelvergabe mit klaren Förderkriterien, Vergabegremien und -beiräten."
Foto: Daniel Thalheim
Nach vielen Zahlen und Kritik an der Arbeitsweise des Kulturdezernates wurde abschließend eine "Leipziger Erklärung" von den Anwesenden bestätigt, die noch einmal überarbeitet an die sächsischen Landtagsabgeordneten Anfang Dezember gehen soll. Hier stellt die Initiative die Einzigartigkeit des 1994 verabschiedeten Kulturraumgesetzes heraus und welchen Einfluss dieses Gesetz auf die kulturelle Zusammensetzung des Freistaates hat, inklusive der Erhaltung eines hohem Bildungsniveaus der Bürger. Die Initiative will mit dieser "Leipziger Erklärung" emotional an die Landtagsabgeordneten herantreten, um deutlich zu machen, was bei der Novellierung auf dem Spiel steht und was Sachsen dadurch verliert. Nun fragt sich, ob dies auch rechtzeitig geschieht. Der anwesende Landtagsabgeordnete der "Die Linke" Volker Külow bezweifelte am gestrigen Montag, dass die Erklärung so kurzfristig zu einem Umdenken und eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem Problem einsetzen lässt.
Bei manchem scheinen die Zahnräder zwischen den Ohren langsamer zu mahlen als bei pfiffigeren Zeitgenossen. Denn nach wie vor scheint es, dass die sächsische Landesregierung auf Teufel komm raus die Novelle durchdrücken will, um künstliche Haushaltsentlastungen herbeizuführen. Wer die Zeche hier bezahlen soll, ist gestern nochmals klar geworden - die sächsische Kultur.
Ein einfaches Weiter so ohne mehr Transparenz, Absprachen und direkte Wege samt Strukturdebatte wird es wohl diesmal mit den Leipziger Kulturmachern nicht mehr geben. Es riecht nach Aufbruch in der Leipziger Szene.
Unter dem Motto „Von Panitzsch bis Paris“ sind ab 27. Mai in der Kirche Panitzsch Bilder in Öl von Margitta Pötzsch zu sehen. Zur Vernissage und zum Galerierundgang mit der Leipziger Künstlerin wird am Pfingstsonntag um 17 Uhr herzlich eingeladen. mehr…
Am Donnerstag, dem 7. Juni, lädt der Swingin'LE Tanzklub wieder zum kostenlosen Schnupperkurs ein. Swing und Lindy Hop im Rhythmus der 30er und 40er Jahre, als Amerika noch ein unbeschwertes Lebensgefühl hatte. Der einstündige Kurs beginnt 19:00 Uhr. mehr…
Am 25. Mai geht's los, dann überschwemmen wieder Menschen in schwarzen und bunten Kostümen die Stadt, duften nach Patschuli, geben sich betont lässig, obwohl sie völlig aufgewühlt sind. Zu Pfingsten ist Leipzig wieder Schauplatz des Wave Gotik Treffens. Der Plöttner Verlag ist dabei. Unter anderem mit dem dicken Buch zu "Death in June" von Aldo Chimenti. Der Besucher wird an seinem Stand auf dem agra-Gelände aber auch ein Plakat erstehen können, das durchaus ungewöhnlich ist. mehr…
Von wegen, Strom aus Kohle würde nicht subventioniert und sei deshalb eine preisgünstigere Alternative zu erneuerbaren Energien. Die Kosten werden nur nicht auf den Strompreis aufgeschlagen, die fließen als Subvention - zum Beispiel bei Kosten für die Sanierung der ostdeutschen Braunkohlereviere. Und die werden - wie die LMBV am Mittwoch mitteilen musste - noch höher, als bisher geplant. mehr…
"Fertigstellungstermin des A 72-Abschnitts von Rochlitz bis Borna verschiebt sich auf Sommer 2013", teilte Staatssekretär Roland Werner gemeinsam mit dem DEGES-Geschäftsführer Dirk Brandenburger am Dienstag, 22. Mai, mit. Eine scheinbar beiläufige Meldung im Rahmen eines Großbauprojekts, dessen Planungen und Kosten mittlerweile genauso aus dem Ruder gelaufen sind wie die des Leipziger City-Tunnels. Natürlich hat das Gründe. mehr…
Welche Auswirkungen auf Leipzigs Infrastruktur wird der Citytunnel Ende 2013 haben? Dieser Frage gingen Studierende der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) im Rahmen von zwei Projekten nach. Im Mittelpunkt ihrer Untersuchungen standen dabei mögliche neue Wegebeziehungen. Die Ergebnisse werden vom 25. Mai bis 15. Juni in der 5. Etage des Neuen Rathauses im Ausstellungsbereich des Stadtplanungsamtes gezeigt. mehr…
Jamal Engel hat für die SG Leipzig Leutzsch im Gästeblock-Streit Stellung bezogen. Auf dem Familienportal "Tüpfelhausen" gab der Vorstandssprecher den Fans der BSG Chemie Leipzig einen Korb. 29 Fanclubs hatten ihn zuvor gebeten, ihnen beim Aufeinandertreffen beider Clubs am 9. Juni den Norddamm zur Verfügung zu stellen. Sie befürchten, dass der Platz im Gästeblock für rund 1.000 – 1.500 Chemie-Fans nicht ausreichend sei. mehr…
"Grimms Märchen" ist seine vierte Show am Leipziger Centraltheater. Showmaster, Regisseur, Liedermacher und Schauspieler Rainald Grebe ließ in Leipzig Indianer vom Marterpfahl los, blickte in die "WildeWeiteWelt" und klettert seit Christi Himmelfahrt für Grimms Kinder- und Hausmärchen aus dem Sarg. Wir sind Grimm! Da bleibt kein Auge trocken, oder Herr Grebe? mehr…
Der Nachfolger für den umstrittenen Intendanten des Centraltheaters, Sebastian Hartmann soll ein „alter Bekannter“ werden. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung hat im Einvernehmen mit den städtischen Vertretern der Auswahlkommission sowie dem Betriebsausschuss Kultur und dem Fachausschuss Kultur dem Stadtrat den Schauspieldirektor des Chemnitzer Theaters, Enrico Lübbe, als neuen Intendanten des Schauspiels Leipzig vorgeschlagen. mehr…
Anzeige. Es gibt viele gute Gründe bei der AOK PLUS versichert zu sein. Einer davon: Keine Zusatzbeiträge bei der Gesundheitskasse für Sachsen und Thüringen. Ein weiterer Grund: Mit dem Wahltarif AOK PLUS aktiv können Sie sich zusätzlich bis zu 600 Euro Prämie sichern. Also machen Sie sich die doppelte Freude! mehr…
Biodiversivität ist ein sperriges Wort, dem aber aufgrund weiter um sich greifender Umweltzerstörungen auf unserem Planeten immer mehr Bedeutung zukommt. Die Artenvielfalt auf der Erde ist zunehmend bedroht. 60.000 Tier- und Pflanzenarten stehen auf der Roten Liste. Auch der Leipziger Zoo hat sich die Arterhaltung auf die Fahne geschrieben, gibt 165.000 Euro jährlich für Schutzprojekte aus und hat sich mit dem künftigen Deutschen Zentrum für Integrative Biodiversivitätsforschung (iDiv) einen wichtigen Partner an Bord geholt. mehr…
„Wenn jeder hier im Raum begreift, dass Energiesparen nötig ist und beim eigenen Griff zum Lichtschalter beginnt, dann ist es egal, ob es ab heute einen neuen Umweltminister gibt“, machte Schulleiter Thomas Graupner am Dienstag, 22. Mai, im Berufsschulzentrum 7 deutlich, worum es bei der neuen Bildungsinitiative Energie geht. mehr…
Der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Leipziger Stadtrat Reik Hesselbarth hat den Beschlussvorschlag von Kulturbürgermeister Faber zur Umsetzung des Finanzierungsanteils für die Freie Szene scharf kritisiert. Denn statt einen Vorschlag zu machen, wie der Stadtratsbeschluss von 2008 bis 2013 erfüllt werden kann, hat Kulturbürgermeister Michael Faber am 16. Mai eine Verschiebung des Termins vorgeschlagen. mehr…
Eigentlich könnten sich die Freunde des Leutzscher Fußballs gedanklich schon in die Sommerpause verabschieden. BSG Chemie Leipzig und SG Leipzig Leutzsch haben beide die Klasse gehalten. Sportlich betrachtet geht es für beide Teams in den letzten Saisonspielen nur noch um die goldene Ananas. Wäre da nicht das grün-weiße Derby am 9. Juni. Die Chemie-Fans nutzen die Gunst der Stunde für eine klare Ansage. mehr…
Die Frage nach den personellen Konsequenzen in der Affäre um die Herrenlosen Häuser entzweit Leipzigs Parteien. Die linke OBM-Kandidatin Dr. Barbara Höll fordert eine Beurlaubung von Verwaltungsbürgermeister Andreas Müller (SPD). Für Leipzigs FDP ist Oberbürgermeister Burkhard Jung der Verantwortliche, Hölls Forderung nur „eine erste wahltaktische Brücke“. mehr…