Ein Bandhaus steht in Leipzig: Wo Musiker ihre Heimat finden...
Daniel Thalheim
15.12.2010
"Mühevolle Kleinarbeit": Bandcommunity-Chefin Katja Engemann hat konkrete Pläne und Ideen, wie das Bandhaus von Musikern genutzt werden kann.
Foto: Daniel Thalheim
Wo die Tage noch gewerkelt wird, ziehen immer mehr Musikkapellen ein. Das Bandhaus an der Saalfelder Straße in Neulindenau erfreut sich großer Beliebtheit. Nicht nur Proberäume entstehen hier, auch das Büro der Bandcommunity hat hier seine Heimat gefunden sowie ein Veranstaltungskeller. Katja Engemann führt durchs erste Bandhaus Leipzigs.
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Es ist geräumig, warm und trocken im Bandhaus an der Saalfelder Straße. Ein paar Schritte an einem Seiteneingang vorbei, rechts herum gegangen bis der Besucher vor einer großen Durchfahrt steht. Die ignoriert er und steigt die Stufen zu einer Tür herauf. Er blickt durch und sieht Konzertposter hängen. Hier muss es richtig sein und begibt sich schnurstracks ins Innere des Gewerbegebäudes.
Es befindet sich im Industriegebiet West, gleich wenn Interessierte von der Kreuzung am Plagwitzer Bahnhof Richtung Alte Baumwollspinnerei pilgern, aber kurz nach der Eisenbahnbrücke links in die Alte Salzstraße abbiegen und bis zur Kreuzung Saalfelder Straße durchlaufen. Gleich hinter der Alten Baumwollspinnerei eben.
"Wir sind schon am Überlegen, ob wir nicht uns ausweiten wollen", so Engemann zum Andrang aufs Bandhaus.
Foto: Daniel Thalheim
Ganz kundige Läufer wissen es bereits, ...hier in der Nähe steht das erste Bandhaus Leipzigs, das am 1. Juli von der Bandcommunity ins Leben gerufen wurde. Es befindet sich auf der anderen Straßenseite, gegenüber eines anderen Hauses, wo Bands wie Arranged Chaos ihren Proberaum haben. Mit etwas Glück findet der neugierige Besucher auch die Bandcommunity-Chefin Katja Engemann und kann sie zu einem kleinen Rundgang überreden.
Im Bandcommunity-Büro hängen T-Shirts an den Wänden, ein Kicker-Spiel steht unbenutzt herum. Computer flimmern. Ein Konferenztisch mit einer großen Wandtafel dahinter verdeutlicht, wie schwer die Bandcommunity dabei ist, die "Bessere Zeiten"-Clubtour und das dazugehörige Festival vorzubereiten. Für 2011 steht noch die beliebte Sportreihe für Musiker "Sport ist Mord" an. Doch Katja Engemann zeigt lieber die gemütlichen Proberäume, die extra umgebaut werden und nur 85 Euro im Monat kosten sollen.
Insgesamt sind es 26 Proberäume, zwei Lagerräume und zwei Büros, die hier auf ihre Nutzer warten und schon von Bands wie Toxic Society und Calliophis in Beschlag genommen werden. Derzeit sind Katja Engemanns Angaben zufolge vier Räume noch nicht bezogen, aber reserviert oder noch im Ausbau. Ungefähr 28-30 Bands und Projekte können derzeit jeden Nachmittag ab 16-17 Uhr üben und proben. Bands können bereits provisorische Küchen nutzen, ihren Kaffee kochen, Toiletten und Heizung sind neben Strom eine Selbstverständlichkeit. Hinzu sollen noch Clubräume kommen, wo sich Musiker an einer Bar treffen können und nebenan im Veranstaltungssaal "muggen" können.
Noch steht aber wegen aller Provisorien "mühevolle Kleinarbeit an". Die Mutter von drei Kindern und Rechtsanwaltsgehilfin zeigt frisch aufgerichtete Rigipswände, Durchbrüche und neu eingerichtete Stromleitungen für das Deckenlicht. Mitten in dem DDR-Nostalgiebau mit seinen eisernen und lackierten Geländern wird also noch kräftig gewerkelt und gebastelt. Darunter auch eine Küche, die die Vereinsmitglieder der Bandcommunity neben anderen Räumen gemeinsam auf Vordermann bringen und aufbauen.
"Gleich neben der Küche an einem Durchbruch proben Ian Cox und seine Band Cox And The Riot", sagt Katja Engemann nicht ohne Stolz. "Auch Skarabazz, Absolut und Die Optrien finden hier Räume zum Entfalten." Die Metaller von Faced Reality und die Punker von Schweißausbruch haben hier ebenfalls ihre Domizile gefunden.
"Down The House" befindet sich der Bandhaus-Clubraum, wo auch das jährliche Down The House-Festival stattfindet.
Foto: Daniel Thalheim
Bei dreißig Band ist das Haus sicher voll belegt, oder? "Wir sind schon am Überlegen, ob wir nicht uns ausweiten wollen", so Engemann zum Andrang aufs Bandhaus. Allerdings gäbe es auch eine beachtliche Fluktuation. Aber trotzdem ist ein Bandhaus nicht genug. "Nee, nee", Engemann schmunzelt. "Wir haben oben noch eine gesamte Etage", erklärt sie und führt weiter aus: "Der Vermieter hat schon die Bildungsträger und andere Mieter in den oberen Etagen geballt, dann kamen wir hinzu."
Die kleine Powerfrau läuft zum Konferenzsaal. "Der Saal ist auch ein Umbau wert." Kein Wunder, bietet der bestuhlte Saal 300 Leuten Platz zum Sitzen, könnte ohne Sitze rund das Dreifache fassen.
"Hier planen wir Unterstellmöglichkeiten für Technik und Equipment, weil die Bands uns immer wieder fragen, ob wir Stauräume besitzen. Der Raum hier ist prima geeignet, nur der Teppich muss irgendwie ein neues Zuhause finden. An der Wand macht der sich bestimmt ganz gut", denkt Engemann laut nach.
Foto: Daniel Thalheim
Aber der echte Clubraum, wo demnächst am 17. und 18. Dezember das Einweihungsfestival "Down The House" stattfinden wird, befindet sich im Keller, wo der Vorraum noch auf seine Umnutzung wartet. Dort liegen noch so genannte "Dämm-Prismen", die zum Schallschutz benutzt werden. Nur scheint es ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, sie in den Clubraum im Keller an die Decke zu schrauben, weil dort eben auch die Lampen hängen. So müssen sich die Bandcommunity-Vereinsmitglieder etwas anderes überlegen. "Ein Backstage haben die Bands schon." Die Musiker finden in den hinteren Räumen neben des Clubraums auch viele Duschen und Toiletten. Für Komfort ist also gesorgt.
Nebenher erzählt Engemann, dass die Bandcommunity ebenfalls einen Sampler für Bessere Zeiten plane, in Kooperation mit dem Popoolär, nur als Download. Engemann erklärt auch, dass es zu den Bessere Zeiten-Festivals auch Mitschnitte gibt, bereit für eigene DVD-Veröffentlichungen. Hinzu kommen eigene T-Shirts und Kapuzenpullis, die jetzt noch in großer Zahl vorrätig sind. Musik und Geschäft gehören hier genauso zusammen, wie die Bands und ihre neuen Räume.
"Wir haben auch noch freie Kapazitäten für musikpädagogische Projekte, Künstler oder Büros für Leute, die mit Musikern arbeiten", setzt Engemann angesichts der Weitläufigkeit des Hauses noch nach. Sie blickt in einen tief geschnittenen Raum, der noch in einen weiteren mündet. Man kann längst nicht alle Räume als Proberäume nutzen, weil sie zu klein und zu abgeschieden sind, wie eben ein ehemaliges Computerkabinett. Dann entdeckt sie in einem Zimmer eine blecherne Tür, die zu ihrem Erstaunen zu einem Versorgungsschacht führt. "Den könnte man doch nutzen!" Wobei der Schacht zu einem Raum führt, der dringend eine Be- und Entlüftung braucht. Verwunderlich - noch so jung alles hier und schon die Suche nach weiterem Platz.
Zum Abschluss ihres Rundgangs legt Katja Engemann noch ein paar Fakten auf den Tisch, wie, dass im Juli die ersten beiden Bands einzogen, im August und September fünfzehn weitere Kapellen. Bereits im Oktober fand der erste Band-Stammtisch statt, der von nun an monatlich frequentiert wird. Seit November läuft der Umbau, der noch vor dem ersten Bandhaus-Festival "Down The House" abgeschlossen sein soll. Dann folgen im folgenden Jahr der Ausbau des Kellers mit all seinen Gastronomiemöglichkeiten samt Barbetrieb. Dann soll auch der Veranstaltungssaal im Erdgeschoss fertig sein.
Ob dann das Bandhaus zum ersten Jahr des Bestehens am 1. Juli 2011 eine Party veranstaltet, mit allen Bands und drum und dran? "Wohl eher nicht, dann bin ich nämlich auf dem With Full Force." Katja Engemann lacht, aber räumt ein, dass man wohl einen gemeinsamen Abend im Sommer zum Grillen nutzen könnte. Nur schade, dass die Terrasse in der ersten Etage noch nie nutzbar gewesen ist.
Auch Mugger brauchen Regeln: Die Bandhaus-Hausordnung bekommt jeder Mieter in die Hand gedrückt.
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