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Klassisches Konzert gegen militärische Nutzung: Lebenslaute musizieren am 4. September auf dem Flughafen Leipzig/Halle

Ralf Julke
Antonow-124-Flotte auf dem Flughafen Leipzig / Halle.
Antonow-124-Flotte auf dem Flughafen Leipzig / Halle.
Foto: Flughafen Leipzig / Halle, Uwe Schoßig
Aus der Ferne sieht Krieg meistens friedlich aus. Etwa dann, wenn der Flughafen Leipzig/Halle seine Passagierzahlen auswertet. Wie im Januar: "Der Leipzig/Halle Airport, der sich 2009 deutlich oberhalb des Branchendurchschnitts positionieren konnte, verzeichnete 2010 einen Passagierrückgang um 2,6 Prozent auf 2.348.597 Fluggäste."

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"Zurückzuführen ist diese Entwicklung auf die Auswirkungen des Vulkanausbruchs in Island, die Streiks im Luftverkehr, den deutschland- und europaweiten Wintereinbruch sowie Rückgänge im Transitverkehr", erklärte der Lufthafen den Einbruch um 68.555 Fluggäste gegenüber dem Vorjahr. Dass der Rückgang im Transit an letzter Stelle steht, verblüfft: Tatsächlich machte er den Löwenanteil des Rückgangs aus - 50.501 Passagiere. Wahrscheinlich Soldaten. Denn sie machen den größten Teil der am Flughafen Leipzig gezählten Transit-Passagiere aus - 505.634 im Jahr 2010. Im Jahr davor waren es noch 556.135 gewesen.

Für manche Grund genug, den Airport auch mal "Kriegsflughafen" zu nennen.

Dass der Rückgang der Militärtransporte 2010 einen derart großen Einfluss auf die Passagierzahlen hatte, zeigt recht deutlich, dass einiges schief läuft - nicht nur auf dem eigentlich für internationalen Flugverkehr ausgebauten Flughafen bei Schkeuditz. Auch und erst recht innerhalb der mitteldeutschen Flughafenholding, die zwei hochsubventionierte internationale Flughäfen betreibt. Beide weit davon entfernt, sich selbst zu finanzieren.

Das Bild des Militärflughafens wird nicht nur durch die halbe Million US-amerikanischer Soldaten, die pro Jahr mit American Airlines und World Airways aus den und in die Kriegsgebiete transportiert werden, geprägt. Dazu kommen noch die Soldatinnen und Soldaten der 13. Panzergrenadierdivision mit Einsatzgebiet Afghanistan, die von der Bundesluftwaffe ausgeflogen werden. Und dazu gehört auch die Wartung und Stationierung der weltgrößten Militärtransporter Antonow-124, die auf NATO-Anforderungen europaweit militärisches Großgerät einsammeln und in alle Welt verfliegen.

Transportkapazität für Nato-Großgeräte: die Antonows 124 in Schkeuditz.
Transportkapazität für Nato-Großgeräte: die Antonows 124 in Schkeuditz.
Foto: Flughafen Leipzig / Halle, Uwe Schoßig

Für die Leipziger ein seit Jahren unentwirrbares Bündel, das die Umweltverschmutzung und die gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Krach und Kerosin im Nordwesten des Stadtgebietes verstärkt.

Entsprechend vehement ist der Protest. Am 4. September bekommen die protestierenden Bürger und Initiativen musikalische Unterstützung. Dann will "Lebenslaute" als Protest gegen die militärische Nutzung des Flughafens auf dem Flughafen ein Konzert geben. Das Orchester hat seinen Ursprung im Jahr 1986, als Tausende gegen die Stationierung von Pershing-II-Raketen auf deutschen Boden protestierten.

Damals taten sich musikalische Laien, professionelle Musikern und Sänger und zahlreiche Helfer zusammen, um auf ihre Weise friedlich gegen Militärpolitik und andere Dinge wie Atomanlagen, Gen-Manipulationen, militärischen Größenwahn zu musizieren.

Für Nato-Transporte in Leipzig / Halle stationiert: Antonow 124
Für Nato-Transporte in Leipzig / Halle stationiert: Antonow 124
Foto: Flughafen Leipzig / Halle, Uwe Schoßig
In jedem Sommer organisieren das "Lebenslaute"-Orchester und sein Chor seitdem Konzerte, auf die sie ein halbes Jahr und länger hinarbeiten. Die Musiker und Sänger kommen aus allen Himmelsrichtungen, nehmen lange Wege zu den Proben in Kauf, üben, telefonieren, organisieren und diskutieren. Immerhin sind an jedem "Konzertsommer" rund 80 Aktive beteiligt. Über das Programm und die Partituren wird genauso gestritten wie über Ort und politische Zielrichtung der das Konzert begleitenden Aktionen.

Denn das ist das besondere Merkmal der „Lebenslaute“ – Musik, politische Aktion und ziviler Ungehorsam gehen Hand in Hand und sind nicht voneinander zu trennen. Dazu spielt das Ensemble an Plätzen, an denen üblicherweise Sprechchöre und Trillerpfeifen den Ton angeben – vor Militärbasen, Atomanlagen und Abschiebeorten. Orte, die für menschenbedrohendes staatliches Handeln stehen.

Das Programm ist anspruchsvoll und wird auf die Besonderheiten des jeweiligen Konzertortes abgestimmt, es erklingen Werke von Johann Sebastian Bach und Friedrich Händel über Benjamin Britten bis Dimitri Schostakowtisch und Kurt Weill.

Der Auftritt im klassischen Schwarz lässt kaum vermuten, dass die Sänger und Musiker bewusst Grenzen überschreiten – Blockaden oder Go-Ins setzen die Intention der Musik praktisch um.

In Leipzig auf dem Programm stehen unter anderem G.F. Händels „War, he sung, is toil and trouble“ (Arie und Chöre aus: Alexander-Fest, HWV 75), Benjamin Brittens „Lacrimosa“ und „Move him into the Sun“ (aus: War Requiem, op. 66), W. Pasquays „Über den vier Städten“ (aus: Friedensoratorium“)und Kurt Weills „Hosiannah Rockefeller“ (aus: Happy End).
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Im 25sten Jahr ihres Bestehens wird die „Lebenslaute“ am ersten Septemberwochenende unter dem Motto „Piano und forte statt Kriegstransporte“ auf ihre ganz spezielle Weise gegen die militärische Nutzung des Flughafens Halle/Leipzig protestieren.

Zum Protestkonzert auf dem Flughafen gibt es am Samstag, 3. September, ein Vorkonzert ab 19 Uhr in der Westwerk-Mensa in der Karl-Heine-Straße 93 (zu erreichen mit Tram 14, Haltestelle Karl-Heine-Str/Gießerstraße). Der Eintritt ist frei. Um Spenden wird trotzdem gebeten - immerhin bezahlen ja die Mitwirkenden alles aus eigener Tasche.

Das klassische Konzert als Protestaktion gegen den Kriegsflughafen Leipzig/Halle gibt es auf dem Flughafen am Sonntag 4. September. Auftakt ist ab 11 Uhr eine Mahnwache.

www.lebenslaute.net
www.nein-zum-kriegsflughafen.de
www.friedenskreis-halle.de
www.flughafen-natofrei.de

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