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Eine Kulturloge für Leipzig: Heike Werner und Mandy Gehrt im Interview

Daniel Thalheim
Bild: www.heike-werner.de
Was ist eine "Kulturloge"? Was wie eine Diskussionsrunde klingt, ist in Wahrheit eine handfeste Angelegenheit. Über die Gründung der Kulturloge in der Region Leipzig sprach die L-IZ mit Heike Werner, Vorsitzende des Ausschusses für Soziales und Verbraucherschutz im Sächsischen Landtag, und der Künstlerin Mandy Gehrt vom Kulturbahnhof Markkleeberg.

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Kulturloge klingt nach einem weiteren Diskussionsforum: Was ist das genau und woher stammt die Idee?

Werner: Sicher ist der Begriff erklärungsbedürftig. Es gibt die verschiedensten Assoziationen. Gemeint haben die Gründerinnen aber die Theaterloge. Diese sollte auch für Menschen mit geringen Einkommen geöffnet und der oft elitäre Zugang zu Kultur abgebaut werden. Die Idee ist, dass Kulturangebote übers Telefon an Menschen mit geringen Einkommen vermittelt werden.

Gibt es Erfahrungen damit?

Werner: Die Erfahrung aus anderen Städten zeigt, dass über die persönlichen Gespräche im Vorfeld mögliche Schwellenängste abgebaut werden. Kulturveranstalter geben Eintrittskarten für nicht ausverkaufte Veranstaltungen kurzfristig und kostenfrei ab. Die Kulturgäste stehen dann auf einer Gästeliste des Veranstalters und müssen ihre „Bedürftigkeit“ vor Ort nicht offenbaren.

Übrigens erhält jeder Gast auch eine zweite Karte, um Partner und Partnerinnen oder Freunde einladen zu können. Möglicher Gast wird man, indem man sich über Sozialpartner oder Sozialpartnerinnen in der Kulturloge anmeldet. Sozialpartner können Bibliotheken, Treffs, Vereine etc. sein. Auch die Kulturveranstalter haben einen Nutzen von der Partnerschaft, sie können neue Zielgruppen für ihre Angebote erschließen.

Und nun die Idee.

Gehrt: Die Idee entwickelte die hessische Kulturredakteurin Christine Krauskopf. Gemeinsam mit der Leiterin der Marburger Tafel, Hilde Rektorschek, gründete sie im Februar 2010 die erste Loge in Marburg. Fast zeitgleich setzte Angela Meyenburg die Idee von Frau Krauskopf in Berlin in der Praxis um. Inzwischen gibt es sie unter anderem in München, Hamburg, Essen, Gießen, Herborn-Dillenburg. In Dresden, Göttingen und im hessischen Lahn-Dill-Kreis befindet sie sich in Gründung. Die Kulturloge in Leipzig will den gesamten Leipziger Raum einbeziehen.

Heike Werner, MdL für die Partei "Die Linke".
Heike Werner, MdL für die Partei "Die Linke".
Bild: www.heike-werner.de
Warum braucht es eine Kulturloge in Leipzig?

Werner: Nicht nur in Leipzig, auch die umliegenden Landkreise wollen wir mit einbeziehen. Nur 8 Prozent der Menschen nutzen tatsächlich regelmäßig kulturelle Angebote. Manchmal sind es finanzielle Hemmnisse, oft aber ist es auch fehlende Erfahrung im Umgang mit Kultur, ist es die Angst, nicht erwünscht zu sein oder etwas nicht verstehen zu können. Und es ist die Scham, an einer Kasse eine Bescheinigung zeigen zu müssen, die gleich offenbart, dass man arm ist. Das gibt es auch in Leipzig.

Ändert das die Kulturloge?

Werner: Um aber allen Menschen den Zugang zu Kultur ermöglichen zu können – der Mensch lebt nicht von Brot allein – braucht es neue Formen. Die Evaluation der Berliner Kulturloge hat gezeigt, dass man mit der persönlichen Einladung Menschen erfolgreich an Kultur interessieren kann. Die Hälfte der Kulturlogengäste hatten bisher ein Theater noch nie oder höchsten einmal von innen erlebt. So kann die Kulturloge aktive und soziale Kulturvermittlerin werden. Und sie lädt Menschen offensiv ein auch am kulturellen Leben teilzuhaben, So wird kultureller und sozialer Zusammenhalt sowie die öffentliche Wahrnehmung von Kultur gefördert.

Es ist also gemeinnützig?

Werner: Und es ist vor allem ein zivilgesellschaftliches Projekt. Denn die Hauptarbeit tragen die Ehrenamtlichen, die in Gesprächen einladen, die Veranstaltung erklären, Fragen beantworten. Die Kulturveranstalter erhalten keine Erstattungen und die Sozialpartner werben im Rahmen ihrer Arbeit für die Kulturloge.

An wen wendet sich die Kulturloge?

Werner: Menschen jeden Alters mit geringen Einkünften sind angesprochen. Die können Arbeitslose, Familien, Studenten, Studentinnen, Senioren sein.

Wer mischt bei der Kulturloge schon mit?

Werner: Bisher haben viele Kultur- und Sozialpartner zugesagt. Einige seien herausgegriffen, wie Mühlstraße e.V., das Gewandhaus, das Stadtkulturhaus in Borna, das Theater der Jungen Welt oder das Zeitgenössische Forum. Als Sozialpartner wäre zum Beispiel die AWO Muldental zu nennen, die Städtischen Bibliotheken Leipzig, der Bund bildender Künstler LE.

Klingt interessant. Wie geht es mit der Kulturloge weiter?

Werner: Die Leipziger Kulturlogen-Initiative hat einen Projektrat gegründet, der besteht zur Zeit aus Dr. Werner Wehmer vom Leipziger Tafel-Verein, Mandy Gehrt vom Kulturbahnhof Markkleeberg, Oliver Reiner vom Soziokulturellem Zentrum „Die Villa“ Leipzig und Karin Fahnert vom Verein Leipziger Kinder- und Familienförderung e.V. und mir. Wir werden in den nächsten Wochen weiter an den Grundsätzen der Leipziger Kulturloge arbeiten, weitere Partner gewinnen und den Start der aktiven Kulturvermittlung organisatorisch vorbereiten. Im ersten Quartal 2012 soll es dann losgehen!

Vielen Dank für das Interview.

Kontakt

Interessierte Einrichtungen und Einzelpersonen können sich unter der E-Mailadresse: kulturloge@villa-leipzig.de oder unter Kulturloge c/o Soziokulturelles Zentrum "Die Villa", Lessingstraße 7, 04109 Leipzig, Tel. 0341 3552040 melden.


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