Kein Durchblick beim beliebten Zoo-Schaufenster: Kulturbürgermeister bleibt Antworten auf Bürgeranfragen schuldig
Matthias Weidemann
20.11.2011
Zooschaufenster.
Foto: Starke Nachbarschaften
Richtig gute Vorbereitung ist eine gute Sache. Wissen wir seit diverser Prüfungen, ob nun in Schule, Studium oder in der Ausbildung. Gleiches gilt aber auch für wichtige Leute, die eigentlich „ausgelernt“ haben müssten. Sollte man also auch von Kulturbürgermeister Michael Faber erwarten, der sich allerdings im Stadtrat zum Thema „Zoo-Schaufenster“ eher mit fehlendem Durchblick outen musste.
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Es muss wohl der Leidensdruck gewisser Leipziger Bürger gewesen sein, der sie bei Spaziergängen durchs liebliche Rosental bewogen hatte, die Initiative „Starke Nachbarschaft durch aktive Beteiligung“ zu gründen. Ist ihnen doch seit der Einrichtung der Kiwara-Savanne in der warmen Jahreszeit aufgrund starken Pflanzenwuchses der Blick auf ihr lieb gewonnenes Zoo-Schaufenster verwehrt.
Angefangen hatte alles mit einem Protest eines Häufleins Aufrechter im letzten Oktober (L-IZ berichtete). Zum Picknick hatten sich im Rosental bei damals noch hochsommerlichen Graden gut 30 Leipziger versammelt. Sie engagieren sich in der besagten Initiative oder unterstützen deren Aktionen. Konkret geht es also hier um die Wahrung von Gewohnheitsrecht: Der freie Blick von der Bürgerwiese im Rosental auf die Zoo-Savanne mit Giraffen, Zebras, Straußen, Gazellen und anderen afrikanischen Steppenbewohnern. Genau das war auch Thema der sieben Anfragen auf der jüngsten Ratsversammlung an Michael Faber. So wollte man auf Seiten der Initiative Antworten unter anderem darauf, warum es das Zoo-Schaufenster nicht mehr gibt und wie es sich mit dem Denkmalschutz verhält, unter dem die Fläche nach Recherchen der engagierten Bürger steht.
Mit Leitern spielten zahlreiche Leipziger am Zooschaufenster Giraffe.
Foto: Gernot Borriss
Fragen, denen Michael Faber anfangs mit einem leeren Lächeln begegnete und erst auf Nachhaken seines Dienstherren und Ratsvorsitzenden, Burkhard Jung, den Versuch einer Antwort lieferte. Darin outete er sich notgedrungen zuvorderst als Tierschützer und schlug gleichzeitig eine Bresche für den Zoodirektor: „Die Tiere sind eigentlich wildlebende Tiere und somit sehr scheu. Fluchttiere wie Giraffen, Zebras oder Gazellen sollte man nicht unnötig aufschrecken.“ Dies, so Faber weiter, geschähe aber zum Beispiel durch freilaufende Hunde. „Im Interesse der Tiere ist keine freie Sicht mehr möglich.“ Fleißig war die Bürgerinitiative auch hinsichtlich des rechtlichen Status der ehemaligen Bürgerwiese, die demnach unter Denkmalschutz stehe.
Michael Faber blieb die Antwort auf einige Fragen schuldig.
Foto: Gernot Borriss
So wurde nachgefragt, ob sich der Zoo im Rahmen der Gestaltung von Zooseite an die Auflagen des Denkmalschutzes gehalten habe und ob mit der Bepflanzung nicht die denkmalschutzrechtlichen Aspekte verletzt worden seien. Die Tatsache, dass die Fläche unter Denkmalschutz steht war dem Kulturbürgermeister bisher nicht bekannt, wie er etwas verblüfft zugeben musste. Auch wusste er keine Antwort darauf, ob nun seitens des Zoos bei der Bepflanzung und der damit einhergehenden Sichtverdeckung Aspekte des Denkmalschutzes verletzt werden.
Das, so Faber, werde er nachreichen. Allerdings sei es wohl nicht mehr möglich, die Bau- und Bepflanzungsmaßnahmen des Zoos zurückzunehmen, da diese immerhin Bauinvestitionen von rund acht Millionen Euro umfassten, so Faber weiter. Antworten blieb Michael Faber auch auf Fragen schuldig, die sich damit befassten, wer den nun letztlich Eigentümer der Fläche sei, die Bestandteil der Kiwara-Savanne ist. Schließlich ergäben sich aus dem Umstand der Eigentümerschaft, so die Initiative, auch Pflichten. Alles Fragen, die Wochen vor der Ratssitzung eingereicht worden waren und auf die man von Seiten des Kulturdezernats also durchaus Antworten hätte parat haben können. Wenn man sich denn vorbereitet hätte.
Mit einem Nachlassen der hartnäckigen Bürger darf Michael Faber indes nicht rechnen. Die wollen am Ball bleiben und geklärt wissen, ob in den öffentlich ausgelegten Unterlagen damals ersichtlich war, dass das Zoo-Schaufenster im Zuge der Eröffnung der Kiwara-Savanne verschwinden würde. Sollte dieser Umstand durch den Baubeschluss nicht gedeckt gewesen sein, so Vertreter der Initiative, müsste das Zoo-Schaufenster folgerichtig wieder hergestellt werden. Jede Menge Hausaufgaben also für den Kulturbürgermeister. Diesmal sollte er sie besser erledigen, sonst gibt es wieder mal schlechte Noten.
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