Leipzig+Kultur: Interview mit naTo-Geschäftsführer Falk Elstermann
Daniel Thalheim
28.11.2011
Die 1. Vollversammlung nach langer Pause: Leipzig+Kultur am 15. November 2010 in der Moritzbastei.
Foto: Daniel Thalheim
Am Dienstag, 30. November, findet die nächste Vollversammlung von "Leipzig+Kultur" statt. Im "Lofft" wollen die Szenemacher über die kommenden öffentlichen Kampagnen für Soziokultur und Freie Szene diskutieren. Auch um die "5 Prozent für die Freie Szene" wird es gehen. naTo-Geschäftsführer Falk Elstermann gibt einen kleinen Einblick.
Anzeige
Der politische Wille ist da, wie steht es mit dem Haushalt: Wie geht es weiter mit den "5 Prozent" für die freie Szene?
Alle Stadtratsfraktionen beteuern immer wieder, dass sie an dem Beschluss "5% für die Freie Szene bis 2013" festhalten wollen. Nur keiner weiß, wie es konkret gehen soll. So kurz vor Ende der Frist drücken die jahrelang verschlafenen Strukturanpassungen bei den Eigenbetrieben - Stichwort: actori. Denn klar ist, die 5 Prozent können nicht von außen kommen, sondern müssen durch Umschichtung innerhalb des Kulturetats generiert werden. Und da haben sich die Verantwortlichen in der Vergangenheit immer wieder mit Haushaltstricksereien aus der Affäre ziehen wollen.
Wie das?
Einmal wurde die Bezugsgröße "Kulturetat" nach unten umdefiniert. Oder es wurden Kulturträger mit eigener Haushaltsstelle in den Topf der Freien Szene mit Namen "Fördermittel für Vereine und Verbände" hineingewidmet. Das alles ist kein Spaß, denn der Schaden, der der Freien Szene dadurch entstanden ist, beträgt je nach Kombination der Tricks 10 - 25 Prozent ihrer gesamten Fördermittel. Deshalb hat die Initiative Leipzig + Kultur am Runden Tisch durchgesetzt, dass Politik und Kulturmacher gemeinsam die Berechnung der 5 Prozent und die Frage der Förderberechtigung aus diesem Topf ein für allemal klären. Dazu hat eine erste Besprechung stattgefunden und in den nächsten Tagen soll das Ergebnis vorliegen.
Was ist der aktuelle Stand in Sachen Fachförderrichtlinie Kultur?
Zur Neufassung der Fachförderrichtlinie wurde ein Workshop-Prozess initiiert, der moderiert von der Leipziger Agentur Zarof die Kulturpolitik, die Verwaltung und die Freie Szene an einen Tisch bringen sollte, um die unterschiedlichen Erwartungen und die rechtlichen Möglichkeiten abzugleichen. Dieser Prozess läuft aktuell noch und es ist schwer vorherzusagen, wie er ausgehen wird. Ein großes Problem der gewählten Verfahrensweise ist, dass die Vertreter der Freien Szene per Zufallsgenerator aus allen Fördermittelempfängern 2011 ausgewählt wurden.
Falk Elstermann bei der Vollversammlung 2010.
Foto: Daniel Thalheim
Wie ist das zu interpretieren?
Das hat zum einen den - angestrebten - Vorteil, dass "auch mal andere Kulturmacher als die Sprecher von Leipzig + Kultur zu Wort kommen", was unsere Initiative ausdrücklich begrüßt. Zum anderen hat es aber den großen Nachteil, dass die in jahrelanger politischer Arbeit für die Freie Szene erworbene Kompetenz und der Überblick über die Bedürfnisse vieler Kulturmacher, die die Spartenvertreter sich erworben haben, nicht ausreichend am Tisch vertreten sind.
Es wird spannend, zu sehen, wie dieser Arbeitskreis die Grundbedürfnisse der Freien Kulturszene nach vielfältigeren Förderinstrumenten, nach Möglichkeiten der mehrjährigen - genauso wie der unterjährigen - Förderung, nach sinnvollen und transparenten Schwerpunktsetzungen in den Genres, nach Objektivierung und Transparenz der Fördermittelvergabe inklusive qualifizierter und legitimierter Vergabebeiräte zur Unterstützung der Fachausschusses Kultur umsetzen wird.
Thema Kulturforum Leipzig: Was haltet ihr davon, dass sich die großen Theaterhäuser stärker mit der "freien Szene" verknüpfen sollen?
Davon halten - und hielten - wir sehr viel. Im Programm der Initiative Leipzig + Kultur von 2001 steht das schon drin, verbunden mit einem konkreten Vorschlag, wie so etwas zuverlässig und belastbar umgesetzt werden könnte. Auch heute laufen Gespräche mit den Leitern der Eigenbetriebe, wie die Schwerpunkte der inhaltlichen Zusammenarbeit definiert und effiziente Strukturen etabliert werden können.
Sicher wird das Feld der Kulturvermittlung als Synonym zu Kulturpädagogik, kulturelle Bildung, hier eine große Rolle spielen. Aber nicht ausschließlich. Was wir erreichen müssen, ist, unsere Kräfte zu bündeln, um mit unserer Kultur die Menschen auch wirklich zu erreichen. Für dieses gemeinsame Ziel können beide Seiten viel einbringen.
Im Moment ist eine Arbeitsgruppe in Gründung, die im ersten Halbjahr 2012 den beiden Kulturbürgermeistern (zwinkert) entsprechende Vorschläge unterbreiten will. Aber nicht nur das. Vor allem wollen wir uns untereinander verständigen - und einfach mit der praktischen Umsetzung beginnen.
Wie wollt ihr die Forderungen der freien Szene umsetzen?
Mit allen Mitteln. Zuerst natürlich durch konzeptionelle Vorarbeit und durch Vereinbarungen mit Kulturpolitik und -verwaltung. Dazu gehört übrigens auch, dass wir uns immer wieder vergewissern, wie die Bedürfnislage in der Freien Szene aussieht, wo der Schuh drückt. Aus eigener Erfahrung und durch die Spartentreffen. Damit die Zusammenarbeit mit der Stadt funktioniert, ist es jedoch wichtig, sich auf Augenhöhe zu begegnen. Das ist leider nicht immer gewährleistet - siehe die Tricksereien um die Berechnung der 5 Prozent - und dann kann es schon sein, dass wir uns in der Öffentlichkeit und in den Medien Gehör verschaffen müssen.
Welche öffentlichen Kampagnen sind künftig für Soziokultur und Freie Szene geplant?
Genau darüber wollen wir unter anderem bei der Vollversammlung am 30. November reden.
Die Leipziger dürfen also gespannt sein. Vielen Dank für das Interview.
Das mit dem U-Boot-Bau haben wir ja traditionell ganz gut raus. Doch wo Dönitz noch so blöd war, die eigenen Männer zum Wolf spielen rauszuschicken, gibt’s die Stahlsärge heute im Dutzend billiger direkt ins geplante Kriegsgebiet. Ohne Besatzung versteht sich. Das Verhältnis zwischen Profit und Eigenverlust bleibt also diesmal intakt. mehr…
Überraschung beim 1. FC Lok: Kurz vor dem ersten Oberliga-Punktspiel im neuen Jahr hat Trainer Willi Kronhardt den bisherigen Kapitän Thorsten Görke in die zweite Mannschaft gesteckt. Zum neuen Kapitän wählte die Mannschaft Außenverteidiger Jens Werner. mehr…
Möglicherweise erlebt die Messestadt am Sonnabend, 25. Februar 2012 ein Rechtsrockkonzert. Die Hooligan-Band "Kategorie C" plant im "Großraum Leipzig" einen Balladenabend. Einladungen zum Auftritt geistern seit wenigen Tagen durch soziale Netzwerke. mehr…
Mit "Bonbons und Schokolade" wirbelten in den frühen Achtzigern vier junge Männer durch die DDR. Die Folge-Werke wurden noch besser aufgenommen. Dann in den Neunzigern das Aus. "Positiv" war das Comeback. Mit "Treibstoff" kommt Sänger und Bandkopf Mike Kilian auch nach Leipzig. Er hofft auf zahlreiche Besucher, Girls und vielleicht auf den einen oder anderen "Prinzen". mehr…
Im Zusammenhang mit dem Raubkopierer-Portal kino.to wurde bei einer Razzia in Sachsen und Hessen laut Generalstaatsanwaltschaft Dresden der Betreiber eines Zuliefererportals für kino.to festgenommen. Auch ein weiterer mutmaßlicher Mitstreiter des Betreibers von skyload.net, ein Hesse, ging den Strafverfolgern ins Netz. mehr…
Doris Dörrie setzt sich in ihren Filmen gern mit Antihelden auseinander. Oft sind ihre Protagonisten liebevolle Außenseiter vom Bodensatz der Gesellschaft. Nach ihrem durchwachsenem Ausflug in die Welt der übergewichtigen Friseuse Kathi ("Die Friseuse", 2010) hat die Münchenerin mit "Glück" ein rührseliges Liebesdrama inszeniert. mehr…
Gerhard Pötzsch vertritt die Leipziger SPD als kulturpolitischer Sprecher und als Mitglied im Betriebsausschuss Kulturstätten im Stadtrat. Was er von der Debatte um das Actori-Gutachten hält und um was es sich bei Kultur allgemein drehen sollte, erzählt er im L-IZ-Kurzinterview. mehr…
Der Beschuldigte schweigt eisern, doch die Staatsanwaltschaft hat offenbar genug Indizien gesammelt, um eine Anklage wegen Mordes zu erheben. Genau das hat jetzt die Leipziger Strafverfolgungsbehörde im Falle der im letzten November getöteten Studentin getan. mehr…
Detlev F. (54) sah gezeichnet aus, als Richter Norbert Göbel am Dienstag, 21. Februar, kurz vor 12 Uhr im Landgericht das Urteil verkündete. Der Oschatzer soll sechseinhalb Jahre ins Gefängnis. Staatsanwältin Anett Schneider warf dem gelernten Eisenbahner vor, in 50 Fällen drei seiner sieben Kinder missbraucht zu haben. Nachdem die Verfahrensbeteiligen einen Deal aushandelten, gestand er und zeigte Reue. mehr…
Nach einer 5:7-Niederlage am letzten Wochenende in Königs Wusterhausen und einem 5:3-Heimsieg gegen Breitenhagen haben die Hockeyherren des Leipziger Sport-Club weiter alle Chancen auf den Klassenerhalt. Den Verbleib in der Regionalliga können die Schleußiger bereits am kommenden Sonnabend beim Tabellenletzten HTC Spandau klarmachen. mehr…
Es tut sich was in letzter Zeit an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig. Ob Förderungen oder Wissenschaftspreise, das „Einheimsen“ von Drittmitteln wird in Zeiten einer rigiden Sparpolitik seitens der Landesregierung zu einer immer wichtigeren und unverzichtbareren Einnahmequelle. Da kommt der Leipziger Uni ihre hohe Qualität in Sachen Forschung sehr zugute. mehr…
Am Donnerstag, 23. Februar, beginnt die Immobilien-Messe in Leipzig. Sie ist ein Gradmesser. Sogar ein ganz guter. Denn wenn Häuser und Grundstücke in einer Ecke der Welt liegen bleiben wie Blei, dann geht's dieser Weltecke ganz bestimmt nicht gut. Aber so ist es nicht. Im Gegenteil: Sogar die Mieten steigen. mehr…
In Leipzig sind demnächst die Saurier im Linienbetrieb unterwegs. Ab dem ersten März ziert ein neuer Straßenbahnzug im Dinosaurierdesign die Straßen der Stadt. Die fauchenden Abbilder der Urzeitgestalten des Saurierparks in Kleinwelka, nordwestlich von Bautzen gelegen, fahren dann für drei Jahre über die Bahngleise der Leipziger Verkehrsbetriebe. mehr…
Am Lindenauer Markt suchen zehn große Schaukästen Künstler zwecks Gestaltung. Im Mai 2012 soll auf Anregung der dortigen Immobilien- und Standortgemeinschaft das unabhängige Projekt Kunstraum [10].lindenau entstehen. Die Schaukästen von 3,5 Metern im Quadrat sind Teil des architektonischen Konzepts am künftigen Einkaufszentrum. mehr…
Da kann man jetzt wieder gespannt sein, wie andere das aufbereiten, was die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) am Dienstag, 21. Februar, als neues Ranking präsentiert hat. Natürlich mit Leipzig drin. Zehn deutsche Städte hat die FAZ zusammen mit der Unternehmensberatung Roland Berger verglichen. Titel: "Deutschlands lebendigste Städte". mehr…