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Fehlende Beschäftigungsmaßnahmen: Leipziger Fußballvereine sehen Spielbetrieb gefährdet

Marko Hofmann
Kann der Spielbetrieb in den Leipziger Fußball-Vereinen gerettet werden?
Kann der Spielbetrieb in den Leipziger Fußball-Vereinen gerettet werden?
Foto: Jan Kaefer (Archiv)
Die Abschaffung von Beschäftigungsmaßnahmen auf dem zweiten Arbeitsmarkt bedroht auch den Spielbetrieb der Leipziger Fußballvereine. Ändert sich nichts, wird die Zahl der Beschäftigten bei den Leipziger Fußballvereinen bis zum Frühjahr derart absacken, dass der Spielbetrieb nicht mehr gesichert werden kann. Die Fußballvereine der Stadt Leipzig, die dem Fußballverband Stadt Leipzig angeschlossen sind, brauchen schnellstmöglich Hilfe.

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Uwe Schlieder und Thomas Schleif sind verzweifelt. Schlieder - Geschäftsführer des Fußballverbandes der Stadt Leipzig mit seinen über 80 Vereinen und 15.000 Mitgliedern - und Schleif - Vereinsvertreter des TuS Leutzsch - haben schon viel Zeit investiert, um ihre Probleme bekannt zu machen. Der Petitionsausschuss des Bundestages wurde angeschrieben, die Leipziger Bundestagsabgeordneten Monika Lazar, Dr. Thomas Feist und Wolfgang Tiefensee wurden persönlich kontaktiert. Doch bis heute konnte (oder wollte) keiner helfen. Dabei ist ihr Problem kein Einzelfall, denn mit der Streichung der Beschäftigungsmaßnahmen auf dem zweiten Arbeitsmarkt, die vom Bundestag kürzlich beschlossen wurde, werden nicht nur in den Bürgervereinen oder in den soziokulturellen Vereinen, sondern auch in den Leipziger Fußballvereinen demnächst die helfenden Hände fehlen.

Wie lange kann noch gejubelt werden?
Wie lange kann noch gejubelt werden?
Foto: Jan Kaefer (Archiv)
„Der komplette sportliche Bereich liegt bei den Vereinen schon in ehrenamtlichen Händen, die Vereine können die Bewirtschaftung der Sportgelände nicht auch noch ehrenamtlich machen“, klagt Geschäftsführer Schlieder. Bisher wurde die Bewirtschaftung der von den Vereinen gepachteten Sportanlagen zum großen Teil von Personen übernommen, deren Stelle von Amtswegen gefördert war, entweder als ABM, als AGH, als Maßnahme „Kommunal-Kombi“ oder als Ein-Euro-Jobber. „Bei TuS Leutzsch sind derzeit sechs Personen tätig, die in diesen Maßnahmen stecken. Ab 1. März wird es davon keinen mehr geben.“ fügt Thomas Schleif hinzu.

Der Fußballverband der Stadt Leipzig, zuständig für alle Nachwuchs-, Männer- , Senioren- und Frauenfußballteams, die in den Ligen der Stadt Leipzig spielen, hat zu dem Problem eine Analyse vorgenommen, an der 35 von 82 Vereinen teilnahmen. Hiernach arbeiteten bis zum 31. Oktober dieses Jahres 111 Personen in Leipziger Fußballvereinen, davon 87 in geförderten Maßnahmen. Ab 1. Januar 2012 werden es noch 60 sein, davon 38 in geförderten Maßnahmen, ab 1. April 2012 nur noch 32, davon neun mit Förderung.

Wer bereitet zukünftig die Plätze vor?
Wer bereitet zukünftig die Plätze vor?
Foto: Jan Kaefer (Archiv)
Die Folge: Der Spielbetrieb wäre akut gefährdet, weil die Plätze nicht gekreidet oder für die Spiele vorbereitet wären. Toiletten und Duschen hätte auch keiner geputzt. Von den ehrenamtlichen Übungsleitern, die – wenn überhaupt – nur eine geringe Aufwandsentschädigung erhalten, kann niemand verlangen, dass sie diese Aufgabe auch noch übernehmen. Festangestellte vom ersten Arbeitsmarkt können sich die Vereine nicht leisten. „Das ist mit dem Budget der Vereine nicht machbar“ erklärt Schlieder. Von ihrem Budget, auch wenn die Vereine von der Stadt Leipzig Betriebskostenzuschüsse für die Pachtanlagen erhalten, müssen die Vereine unter anderem die Betriebskosten auf ihrem Gelände abgelten, die Schiedsrichter bezahlen und auch die Spielkleidung und die Trainingsmaterialien finanzieren.

Gerade die steigenden Betriebskosten machen es den Clubs schwer. „Wir haben vor drei Jahren unser Gebäude isoliert, um Kosten zu sparen. Nun bezahlen wir aufgrund der Preiserhöhungen im Jahr genauso viel wie vor drei Jahren“, berichtet Schleif. Die Mitgliedsbeiträge zu erhöhen, um mehr Geld zu generieren ist keine Möglichkeit. Erwachsene bezahlen schon jetzt durchschnittlich zwölf Euro pro Monat, um dann in alten Baracken zu duschen, denn für die Modernisierung der Leipziger Sportstätten ist erst recht kein Geld da. Das Sport- und Bäderamt hat genau 350.000 Euro in ihrem Jahresbudget für Baumaßnahmen auf den Leipziger Sportanlagen eingeplant. Eine Summe, die jeder Fußballverein für sich allein gut gebrauchen könnte – um die größten Altersschäden zu beseitigen. Die allgemeine jährliche Förderung der Sportvereine durch die Stadt ist in den vergangenen zwanzig Jahren auf ein Drittel geschrumpft.

Bleibt das Spielfeld leer?
Bleibt das Spielfeld leer?
Foto: Marko Hofmann (Archiv)
Sponsoren, die sich bei kleinen Vereinen engagieren, gibt es in Leipzig auch eher selten. „In Westdeutschland gibt es noch den ortsansässigen Bäcker oder Elektriker, der im Jahr 2.000 Euro spendet. Bei uns ist jeder froh, wenn er wirtschaftlich überlebt“, erklärt Manfred Laske, Abteilungsleiter Fußball bei Grün-Weiß Miltitz. Am Rande der Stadt haben die geförderten Mitarbeiter die Aufgabe, die Kinder und Jugendlichen sozial zu betreuen. „Viele hatten in ihrer Kindheit schlechte Vorbilder. Wir müssen sie daher in Sachen Disziplin, Ordnung und Sauberkeit erziehen.“ Wenn die Übungsleiter zu Spielen fahren, ist immer ein anderer Mitarbeiter dabei. „Die Übungsleiter haben uns schon signalisiert, dass ihre Arbeit nicht mehr funktionieren wird, wenn diese Unterstützung wegbricht“, so Laske, „denn in jeder Mannschaft gibt es vier bis fünf Spieler, die schwierig sind und nicht aufs erste Wort hören.“ Mit den Kindern länger reden, bei den Eltern vorbeigehen oder einfach nur „da sein“, kann langfristig helfen, aber nicht, wenn in der Politik nur kurzfristig gedacht wird. „Der Schaden, der uns durch diesen Bundestagsbeschluss entsteht, wird viel größer sein als der erhoffte Nutzen. Brechen die Maßnahmen weg, besteht die Gefahr, dass der gesamte Sportbetrieb zum Erliegen kommt. Diese Gefahr ist ganz real.“

Laske sieht zudem zusätzliche Probleme auf die Gesellschaft zu rollen. „Wenn unsere Kinder nicht mehr zum Sport gehen, ist der Weg zur Kriminalität nicht weit. Auch dort bekommen sie Anerkennung.“ Schlieder und Schleif haben keine Lösung für das Problem parat. Trotzdem muss sich etwas ändern. „Am besten wäre es, es würde die Maßnahmen weiterhin geben“, so die beiden unisono. Laske wäre auch dafür. „Es gibt viele vom zweiten Arbeitsmarkt, die ich erlebt habe, die den Sprung auf den ersten gar nicht schaffen würden. Sie müssten weiter für uns arbeiten.“



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