Wovon Leipziger träumen: Uwe Walther über unentdeckte Höhlen, einen vollen Alfred-Kunze-Sportpark und die freie Szene
Gernot Borriss
29.12.2011
Uwe Walther, Höhlenfan, BSG Chemie Ex-Vorstand und Kulturmacher in Leipzig
Foto: Gernot Borriss
Noch einmal eine Höhle entdecken und in einem vollen Alfred-Kunze-Sportplatz die BSG Chemie spielen sehen, davon träumt der Grünauer Kulturarbeiter Uwe Walther. Der parteilose Stadtbezirksbeirat wünscht sich ein Grünau ohne Abrisse, mit Zuzug und einer Freizeitmeile.
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Noch einmal eine neue Höhle finden, das wünscht sich jeder Höhlenforscher. Auch Uwe Walther träumt diesen Traum. Der Grünauer, der inzwischen auch in der Südvorstadt anzutreffen ist, hat sich vor gut 30 Jahren diesem Hobby verschrieben. Als jüngst bei Bauarbeiten für den Bleßbergtunnel an der künftigen ICE-Strecke durch Thüringen eine neue Höhle entdeckt wurde, waren die Leipziger Höhlenfreunde auch schnell vor Ort.
Für Grünau wünscht sich der Mitarbeiter des Kulturzentrums KOMM-Haus, dass „die Abrisse nicht mehr nötig sind“. Zum einen hofft der 50jährige auf den Zuzug von Leuten mit Kindern, „die auch bleiben wollen“. Zum anderen wünscht sich Walther von Leipzigs Stadtsanierern, dass sie stattdessen auch mal einen unsanierten Altbau abreißen.
Das viele Grün, das Fehlen von Durchgangsstraßen vor den Häusern und die gute Infrastruktur bei Kinderbetreuung, Bildung und Gesundheit sieht der Familienvater als Vorzüge von Grünau.
Die BSG Chemie auf dem Niveau von St. Pauli und 20.000 Fans im Stadion ...
Foto: Gernot Borriss
Für Leipzigs westlichen Stadtteil engagiert sich Uwe Walther als Stadtbezirksbeirat. Sein Ziel besteht darin, „dass Grünau sein Image so verändert, dass es Leute anzieht“. Dazu gehört für ihn eine Freizeitmeile, damit die Leute zum Ausgehen nicht in andere Stadtteile fahren müssten.
Für die Leipziger wünscht sich der Parteilose, dass sie Arbeit haben und von ihrer Arbeit leben können. „Leben – Arbeit – Spaß haben, ohne dass sie auf ein Amt rennen müssen“, so fasst Walther seine Prioritäten zusammen.
Für ihn selbst bedeutet Spaß zu weiten Teilen Fußball. „Es ist noch immer etwas ungewöhnlich, dass Leute, die in der Kultur tätig sind, auch fußballengagiert sind“, räumt Uwe Walther ein.
Fußball heißt für Sportsfreund Walther vor allem eines: Chemie. Seit seiner Jugend pilgert er in den Georg-Schwarz-, später Alfred-Kunze-Sportpark, kurz: AKS. Sieben Jahre hat er zuletzt im Vorstand der wieder belebten BSG Chemie mitgearbeitet, hat den Weg bis in die Landesliga und zurück an die angestammte Spielstätte in Leutzsch mitgestaltet. Nun ist er nur noch Fan, wie er sagt.
... und eine Freizeitmeile im grünen Stadtbezirk Grünau.
Foto: Gernot Borriss
Als solcher träumt er davon, „dass Chemie mal auf einem Niveau wie St. Pauli oder Union Berlin spielt“. Er möchte es noch einmal erleben, dass sich in einem umgebauten AKS mehr als 20.000 Menschen drängen, um die BSG zu unterstützen. Denn Fankultur ist Walther ganz wichtig. „Davon lebt doch ein Fußballverein“, sagt er, „dass er Fans hat, die ein Spiel sehen wollen, und keine Vorstellung“. Solche Fans stünden zu ihrem Verein auch unabhängig vom aktuellen Spielerfolg.
Für die Kultur der Messestadt wünscht sich Kulturarbeiter Walther auch in Zeiten von actori, dass der Kulturbetrieb auf dem jetzigen Niveau erhalten werden kann. „Ganz klar: Ich wünsche mir mehr Geld für die freie Szene“, setzt er dabei einen Schwerpunkt. Auch müsse der Grünauer künftig Kultur in seinem Stadtteil leben können.
Dann ist da noch etwas Privates, was den Familienmenschen Walther umtreibt. Seine erwachsene Tochter ist der Liebe wegen nach Norwegen gezogen. „Es ist schön, dass meine Tochter und mein Enkel dort zweisprachig leben und aufwachsen“, so Uwe Walther, „doch ich würde mir sehr wünschen, dass meine Tochter, mein Enkel und mein zweijähriger Sohn, der in Grünau in eine Kita geht, sich öfter sehen können.“
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