Wütend im Sonnenschein: Erste Acampa-Demo am 14. Januar auf dem Augustusplatz
Ralf Julke
15.01.2012
Demo auf dem Augustusplatz.
Foto: Ralf Julke
Das Jahr ist jung. Die Regierungen räumen die Protest-Zeltlager auf. Das Jahr der Proteste scheint vorüber. Die Schuldenuhr am Haus des Bundes der Steuerzahler sprang über die 2-Billionen-Marke. Und hektisch kämpfen die Politiker wieder und wieder gegen die Pleite von Griechenland & Co. Denkste, befand die Leipziger Acampa-Bewegung. Und demonstrierte am 14. Januar wieder auf dem Augustusplatz.
Anzeige
Damit wird der Demonstrations-Reigen, der 2011 mit einem Adventschor geendet hatte, in neuer Frische fortgesetzt. Auch wenn sich der Augustusplatz noch längst nicht wieder so füllte wie vor 22 Jahren. Die Krise bleibt diffus. 1989/1990 war für jeden Leipziger sichtbar, dass sich die Staatsführung der DDR vergaloppiert und einbetoniert hatte. Der Verfall war überall sichtbar, das Misstrauen allgegenwärtig.
2012 ist das etwas anders. Nach rund vier Jahren hat man sich schon fast gewöhnt an das dauernde Gerede über Krise und Schulden und mögliche Staatspleiten. Und an die täglichen Kassandra-Rufe über gefährdete Banken, Staaten und Währungen, die fast alle in den Pressabteilungen der Banken, Hedgefonds und Ratingagenturen produziert wurden, die mit dem Aufploppen der Meldungen schon wieder ihre Gewinne und Boni einfahren. Ein irre gewordenes System, in dem die gewählten Politiker gern so tun, als sei das eine Naturkatastrophe und keiner könne daran etwas ändern.
Nur der IWF vielleicht und seine willigen Handlanger, die aus der Schuldenpanik der Staatsregierungen radikale "Sparprogramme" schnüren, mit denen die Völker zur Kasse gebeten wären.
Gerade die Finanzkrise hat gezeigt, wie undemokratisch viele Entwicklungen verlaufen.
Foto: Ralf Julke
"Die massiven Probleme und Ungerechtigkeiten in Wirtschaft, Umwelt und sozialem Miteinander sind global die Symptome eines nicht mehr funktionierenden Gesellschaftssystems, sowie des fortwährenden Demokratieabbaus, eines unsolidarischen Geldsystems und ungerechter Besitzverhältnisse. Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer Probleme", erklären drum auch die Leipziger Acampa-Mitstreiter. "Das System ist nicht in der Krise, sondern die Krise ist das System!"
Die Panik ist gewollt. Sie ist ein gutes Deckmäntelchen für eine große Umverteilung. Und sie verhindert das besonnene Handeln. Und die Antwort auf die Frage: Ginge es vielleicht auch anders?
Am Samstag, 14. Januar, rief die Leipziger Protestbewegung deswegen um 14 Uhr zur ersten Demonstration im neuen Jahr auf. Die Sonne schien. 2 Grad über Null zeigte das Thermometer. Die Polizei hielt sich mit drei Fahrzeugen hübsch bedeckt. Denn gewalttätig ist die seit 2011 weltweit aufflammende Bürgerbewegung nicht. Bilder von blutenden Demonstranten gibt es immer nur dann, wenn die Polizei - wie in New York - mit Schlagstock und Tränengas eingreift. Um Ordnung zu schaffen. Oder was eben gerade angewiesen ist. Einen Dialog mit der handelnden Politik gibt es ja nicht. Der Protest wird noch nicht für voll genommen. Vielleicht auch, weil er sich komplett als außerparlamentarisch begreift.
Großbanken werden als Schuldige der Finanzkrise weiterhin angeprangert.
Foto: Ralf Julke
Trotzdem kamen rund 200 vor allem junge Leipziger auf den Augustusplatz, wippten mit im Takt, als die Lieder der bunten Bewegung aus den Lautsprechern dröhnten. Etliche hatten selbst bemalte Pappen und Transparente mitgebracht. Losung für den Tag: “Menschen vor Profite! – Echte Demokratie Jetzt!” Und es wurde fast rockig, als das in Berlin entstandene Acampa-Lied angestimmt wurde. Zum Mitsingen.
Auch in anderen Städten fanden an diesem Tag solche Kundgebungen statt. Ein ganz klein wenig war es schon so wie im Spätherbst 1989. Wieder standen junge Leute am Mikrophon, die von vertanen Chancen, Ausgrenzung und einer Verzerrung der Demokratie sprachen. Die Grundstimmung: "Wir fühlen uns von den gewählten Politikern nicht mehr vertreten und sehen im derzeitigen Parteien- und Repräsentativsystem schwere demokratische Mängel. Zudem werden politische Entscheidungsprozesse immer intransparenter, immer anfälliger für die Beeinflussung durch Lobby-Organisationen und entziehen sich so mehr und mehr der demokratischen Kontrolle und Legitimation. Darüber hinaus führt dieses System zu einer konkurrenzorientierten Spaltung unserer Gesellschaft. Wir wollen, dass alle eine Stimme haben und diese auch gehört wird. Wir wollen direkte Beteiligung aller Menschen, wir wollen echte Demokratie!"
Nicht so eine, in der gewählte Politiker genau dann, wenn die Bürger begriffen haben, dass die wichtigsten Entscheidungen alle ohne ihr Wissen vor zehn Jahren in dubiosen Hinterzimmern gefällt wurden, Worte wie "unumkehrbar" und "unausweichlich" benutzen. In solchen Momenten lügen Politiker in der Regel. Und das Bedrückende ist: Die Wähler wissen es.
Wenn ein Politiker solche Worte benutzt, behauptet er auch, eine Demokratie sei nicht zu Korrekturen in der Lage. Auch das ist eine Lüge.
Und einige der Redner nahmen diese Wort in den Mund. Und man ahnt, warum sich Behörden aller Art so sträuben gegen Transparenz und Informationsfreiheitssatzungen. Dann käme nämlich frühzeitig ans Licht, wem Entscheidungen nutzen und wer dafür bezahlt.
Die Botschaft ist aber trotzdem noch nicht angekommen. Und so wird wohl weiter demonstriert und es wird allerlei auch eher ungewöhnliche Aktionen geben.
Am heutigen Sonntag, 15. Januar, zum Beispiel. Um 15 Uhr lädt das "Außerparlamentarische Parlament Leipzig (APPle)" zur Tagung ins Weiße Haus des Centraltheaters (Gottschedstraße/Ecke Bosestraße) ein. Da soll es eine Kundgebung mit Kulturprogramm, Theater und Musik geben. Vorher, um 14 Uhr, ist schon eine Aktion geplant, die Aufmerksamkeit erregen soll.
Unter dem Motto „Von Panitzsch bis Paris“ sind ab 27. Mai in der Kirche Panitzsch Bilder in Öl von Margitta Pötzsch zu sehen. Zur Vernissage und zum Galerierundgang mit der Leipziger Künstlerin wird am Pfingstsonntag um 17 Uhr herzlich eingeladen. mehr…
Am Donnerstag, dem 7. Juni, lädt der Swingin'LE Tanzklub wieder zum kostenlosen Schnupperkurs ein. Swing und Lindy Hop im Rhythmus der 30er und 40er Jahre, als Amerika noch ein unbeschwertes Lebensgefühl hatte. Der einstündige Kurs beginnt 19:00 Uhr. mehr…
Am 25. Mai geht's los, dann überschwemmen wieder Menschen in schwarzen und bunten Kostümen die Stadt, duften nach Patschuli, geben sich betont lässig, obwohl sie völlig aufgewühlt sind. Zu Pfingsten ist Leipzig wieder Schauplatz des Wave Gotik Treffens. Der Plöttner Verlag ist dabei. Unter anderem mit dem dicken Buch zu "Death in June" von Aldo Chimenti. Der Besucher wird an seinem Stand auf dem agra-Gelände aber auch ein Plakat erstehen können, das durchaus ungewöhnlich ist. mehr…
Von wegen, Strom aus Kohle würde nicht subventioniert und sei deshalb eine preisgünstigere Alternative zu erneuerbaren Energien. Die Kosten werden nur nicht auf den Strompreis aufgeschlagen, die fließen als Subvention - zum Beispiel bei Kosten für die Sanierung der ostdeutschen Braunkohlereviere. Und die werden - wie die LMBV am Mittwoch mitteilen musste - noch höher, als bisher geplant. mehr…
"Fertigstellungstermin des A 72-Abschnitts von Rochlitz bis Borna verschiebt sich auf Sommer 2013", teilte Staatssekretär Roland Werner gemeinsam mit dem DEGES-Geschäftsführer Dirk Brandenburger am Dienstag, 22. Mai, mit. Eine scheinbar beiläufige Meldung im Rahmen eines Großbauprojekts, dessen Planungen und Kosten mittlerweile genauso aus dem Ruder gelaufen sind wie die des Leipziger City-Tunnels. Natürlich hat das Gründe. mehr…
Welche Auswirkungen auf Leipzigs Infrastruktur wird der Citytunnel Ende 2013 haben? Dieser Frage gingen Studierende der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) im Rahmen von zwei Projekten nach. Im Mittelpunkt ihrer Untersuchungen standen dabei mögliche neue Wegebeziehungen. Die Ergebnisse werden vom 25. Mai bis 15. Juni in der 5. Etage des Neuen Rathauses im Ausstellungsbereich des Stadtplanungsamtes gezeigt. mehr…
Jamal Engel hat für die SG Leipzig Leutzsch im Gästeblock-Streit Stellung bezogen. Auf dem Familienportal "Tüpfelhausen" gab der Vorstandssprecher den Fans der BSG Chemie Leipzig einen Korb. 29 Fanclubs hatten ihn zuvor gebeten, ihnen beim Aufeinandertreffen beider Clubs am 9. Juni den Norddamm zur Verfügung zu stellen. Sie befürchten, dass der Platz im Gästeblock für rund 1.000 – 1.500 Chemie-Fans nicht ausreichend sei. mehr…
"Grimms Märchen" ist seine vierte Show am Leipziger Centraltheater. Showmaster, Regisseur, Liedermacher und Schauspieler Rainald Grebe ließ in Leipzig Indianer vom Marterpfahl los, blickte in die "WildeWeiteWelt" und klettert seit Christi Himmelfahrt für Grimms Kinder- und Hausmärchen aus dem Sarg. Wir sind Grimm! Da bleibt kein Auge trocken, oder Herr Grebe? mehr…
Der Nachfolger für den umstrittenen Intendanten des Centraltheaters, Sebastian Hartmann soll ein „alter Bekannter“ werden. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung hat im Einvernehmen mit den städtischen Vertretern der Auswahlkommission sowie dem Betriebsausschuss Kultur und dem Fachausschuss Kultur dem Stadtrat den Schauspieldirektor des Chemnitzer Theaters, Enrico Lübbe, als neuen Intendanten des Schauspiels Leipzig vorgeschlagen. mehr…
Anzeige. Es gibt viele gute Gründe bei der AOK PLUS versichert zu sein. Einer davon: Keine Zusatzbeiträge bei der Gesundheitskasse für Sachsen und Thüringen. Ein weiterer Grund: Mit dem Wahltarif AOK PLUS aktiv können Sie sich zusätzlich bis zu 600 Euro Prämie sichern. Also machen Sie sich die doppelte Freude! mehr…
Biodiversivität ist ein sperriges Wort, dem aber aufgrund weiter um sich greifender Umweltzerstörungen auf unserem Planeten immer mehr Bedeutung zukommt. Die Artenvielfalt auf der Erde ist zunehmend bedroht. 60.000 Tier- und Pflanzenarten stehen auf der Roten Liste. Auch der Leipziger Zoo hat sich die Arterhaltung auf die Fahne geschrieben, gibt 165.000 Euro jährlich für Schutzprojekte aus und hat sich mit dem künftigen Deutschen Zentrum für Integrative Biodiversivitätsforschung (iDiv) einen wichtigen Partner an Bord geholt. mehr…
„Wenn jeder hier im Raum begreift, dass Energiesparen nötig ist und beim eigenen Griff zum Lichtschalter beginnt, dann ist es egal, ob es ab heute einen neuen Umweltminister gibt“, machte Schulleiter Thomas Graupner am Dienstag, 22. Mai, im Berufsschulzentrum 7 deutlich, worum es bei der neuen Bildungsinitiative Energie geht. mehr…
Der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Leipziger Stadtrat Reik Hesselbarth hat den Beschlussvorschlag von Kulturbürgermeister Faber zur Umsetzung des Finanzierungsanteils für die Freie Szene scharf kritisiert. Denn statt einen Vorschlag zu machen, wie der Stadtratsbeschluss von 2008 bis 2013 erfüllt werden kann, hat Kulturbürgermeister Michael Faber am 16. Mai eine Verschiebung des Termins vorgeschlagen. mehr…
Eigentlich könnten sich die Freunde des Leutzscher Fußballs gedanklich schon in die Sommerpause verabschieden. BSG Chemie Leipzig und SG Leipzig Leutzsch haben beide die Klasse gehalten. Sportlich betrachtet geht es für beide Teams in den letzten Saisonspielen nur noch um die goldene Ananas. Wäre da nicht das grün-weiße Derby am 9. Juni. Die Chemie-Fans nutzen die Gunst der Stunde für eine klare Ansage. mehr…
Die Frage nach den personellen Konsequenzen in der Affäre um die Herrenlosen Häuser entzweit Leipzigs Parteien. Die linke OBM-Kandidatin Dr. Barbara Höll fordert eine Beurlaubung von Verwaltungsbürgermeister Andreas Müller (SPD). Für Leipzigs FDP ist Oberbürgermeister Burkhard Jung der Verantwortliche, Hölls Forderung nur „eine erste wahltaktische Brücke“. mehr…