Wegfallende Beschäftigungsförderung: Stadtsportbund – „Ein Schlag ins Kontor“
Marko Hofmann
29.03.2012
Der Wegfall der Beschäftigungsförderung lässt bei den Sportvereinen die Alarmglocke schrillen.
Foto: Jan Kaefer (Archiv)
Die Klagen der Leipziger Vereine häufen sich täglich, das Problem bleibt dasselbe. Nach der Streichung der Beschäftigungsförderung auf dem zweiten Arbeitsmarkt gehen auch den Sportvereinen die bezahlbaren Arbeitskräfte aus. Die Konsequenzen sind fatal, die Bundespolitik – auch gemacht von Leipzigern – bleibt stur, Stadt und Jobcenter sind die Hände gebunden.
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Michael Mamzed hat sich einmal die Wehklagen der Leipziger Sportvereine ausgedruckt, mehrere DIN-A4-Seiten sind sie lang. Von „Sicherheit und Zustand des Sportplatzes gefährdet“ über „Ganztagesangebot kann nicht mehr angeboten werden“ bis „Wartung und Reparatur von Maschinen schwerer möglich, Winterdienst kann nicht abgesichert werden“ reichen sie. Sie sind Folgen des vom Bundestag im September durchgewinkten "Gesetzes zur Leistungssteigerung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente", was die Beschäftigungsförderung für den zweiten Arbeitsmarkt rigide gekürzt hat. Leipziger Sportvereine haben seitdem über 134 in diesen Maßnahmen beschäftigte Mitarbeiter verloren – die Arbeit muss allerdings trotzdem gemacht werden. „Dieses Gesetz hat sicherlich eine ehrenwerte Absicht, aber es wurde nicht zu Ende gedacht“, so Mamzed, der Geschäftsführer des Leipziger Stadtsportbundes, dem Dachverband der Leipziger Sportvereine, ist. „Für die Sportvereine ist diese Kürzung ein Schlag ins Kontor wie man an den Rückmeldungen der Vereine sieht.“
Michael Mamzed - Geschäftsführer des Leipziger Stadtsportbundes.
Foto: Jan Kaefer (Archiv)
Die Arbeit, die bisher unter anderem über Kommunal-Kombi oder AGH Beschäftigte verrichten mussten, bleibt nun an Ehrenamtlichen hängen, Arbeitnehmer vom ersten Arbeitsmarkt können die Vereine von den Mitgliedsbeiträgen und der städtischen Förderung nicht allein bezahlen und so stark sind auch die Sponsoren nicht – wenn es denn welche gibt. „Im Gespräch ist, dass sich ein paar Sportvereine einen Platzwart teilen, aber mehr ist nicht drin“, so Mamzed. Und dass ein Platzwart, drei Plätze betreuen soll, ist auch nicht die beste Lösung – aber immerhin ist es für manche Vereine eine.
Im Ehrenamt ist die Bewirtschaftung eines Platzes, also Rasenpflege, Reinigung, Herstellung der Sportplatzsicherheit nicht aufzufangen, dasselbe gilt für die Vorhaltung von Turnhallen für den Sportbetrieb. „Die Vorstände und die meisten Übungsleiter arbeiten ehrenamtlich, da kann man nicht noch mehr verlangen.“ 65 Sportplätze gibt es in Leipzig, die Sportvereine halten sie teilweise freiwillig auch für den Schulsport vor. „Doch das wird nun auch immer schwieriger“, ist sich Mamzed sicher. Aber wer wird dann die Weitsprunggruben und die Tartanbahnen präparieren?
Wer pflegt künftig die Leipziger Sportanlagen?
Foto: Jan Kaefer (Archiv)
Neben der Sportplatzbewirtschaftung wurden bisher auch viele inhaltliche Angebote der Sportvereine über Beschäftigte vom zweiten Arbeitsmarkt aufgefangen. Ohne die musste der KFC Leipzig in der 21. Grundschule seine AG Ringen abbrechen, andere Sportvereine haben das Problem, dass niemand koordiniert, wer wann auf welchem Platz oder in welcher Halle spielt. „56 Vereine bieten nebenbei noch Arbeitsgemeinschaften im Ganztagesangebot an, das wird in Zukunft deutlich weniger werden“, ist sich Mamzed sicher, der zusammen mit dem Fußballverband der Stadt Leipzig bereits im ausgehenden letzten Jahr um Unterstützung in der Politik gebeten hatte, unter anderem eine Petition an den Bundestag und einen Brief an den Sportausschuss des Bundestags geschickt hat. „Aber die Antworten waren ernüchternd. Von der Arbeitsministerin Ursula von der Leyen wurde uns mitgeteilt, dass sie nicht zuständig sei.“
Wie sieht angesichts dieser misslichen Lage der Ausweg aus? Mamzed weiß mittlerweile: „Die politische Barriere ist fixiert und zu hoch, da wird sich nichts ändern.“ Ein-Euro-Jobber sind für Vereine ohne einzigen hauptamtlichen Mitarbeiter keine Alternative. „Sie dürfen nur unter Aufsicht arbeiten, nur unterstützende Tätigkeiten übernehmen und vor allem muss man erstmal jemanden finden, der geeignet ist.“ An die Arbeit mit Kindern wollen die Vereine nicht jeden lassen und die wenigsten haben einen hauptamtlichen Mitarbeiter, der die Ein-Euro-Jobber überwachen könnte.
Wegen Mitarbeitermangels geschlossen?
Foto: Jan Kaefer (Archiv)
Auch Bundesfreiwillige könnten den Vereinen nur kurzfristig helfen, nach zwölf Monaten, in Ausnahmefällen nach zwei Jahren, sind auch sie wieder weg. Die Vereine müssten erneut neue Leute einarbeiten. Ehrenamtlich. „Stadt und Jobcenter sind bemüht, uns zu helfen, aber auch ihnen sind die Hände gebunden. Die verbliebenen Gelder für die Beschäftigungsförderung verteilt das Jobcenter punktuell“, weiß Mamzed, der den Vereinen nur raten kann, immer wieder beim Jobcenter nachzufragen, ob ein paar Gelder zu haben sind. Letztendlich ist aber auch er nur ratlos und sauer. „Dieses Gesetz ist für uns alle ein totaler Schlag ins Kontor. Man kann nur hoffen, dass die Vereine pfiffig sind und mit der Kraft ihrer Vereinsmitglieder die Situation regeln. Eigentlich war es bereits Wahnsinn, was manche Vereine gestemmt haben, umso schlimmer ist es, dass die große Politik diese Leistung nicht wahrnimmt, anerkennt oder arbeitspolitisch unterstützt.“
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