Artenschutz am Werk II: Ökolöwe und Kulturamt erhalten wichtigen Lebensraum für Mauersegler
Redaktion
17.08.2012
Nistkästen für Mauersegler werden montiert.
Foto: Stadt Leipzig / Hochbauamt
In Leipzig wie auch sachsenweit sind die Lebensgrundlagen vieler Gebäude bewohnender Tierarten akut gefährdet. Wie einfach es aber ist, etwas für den Schutz dieser meist gesetzlich geschützten Arten zu tun, zeigt eine gemeinsame Initiative des Leipziger Ökolöwe mit dem Kulturamt der Stadt Leipzig. Schauplatz: das altehrwürdige Werk II in Connewitz.
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"Durch die Sanierung von Wärmedämmung und Schallschutz am Werk II gingen potentielle Lebensstätten des Mauerseglers verloren. Gerade die Nordwand der Halle A, über der 'Wall of Fame' der Graffitiszene, bietet optimale Bedingungen für die Ansiedlung der Flugkünstler", erläutert Benjamin Schilling vom Natur- und Artenschutzprojekt des Ökolöwen. Jedes Jahr ab Mai kehren Mauersegler in großer Zahl ins Connewitzer Viertel zwischen Scheffel- und Selneckerstraße zurück. In den Klinkerfassaden des Werk II und der ehemaligen Elastik-Fabrik suchen sich die Tiere in großer Höhe ein Quartier mit freiem Anflug. Der Mauersegler, ursprünglich ein Felsenbewohner, brütet gesellig in Kolonien in menschlichen Siedlungen und bevorzugt Höhlungen unter Dachüberständen, in Mauerritzen oder vergleichbare Strukturen. Einer umfassenden Sanierung fallen solche Gebäudestrukturen allzu häufig zum Opfer.
"Die Verantwortlichen beim Kulturamt der Stadt Leipzig waren jedoch sehr aufgeschlossen, als wir sie auf die Berücksichtigung des Artenschutzes bei der Sanierung hinwiesen", lobt Schilling. In Absprache mit einem Gutachter einigten sich Ökolöwe und Kulturamt sowie das zuständige Architekturbüro auf die Montage von insgesamt 12 Koloniekästen im nördlichen Dachbereich der Halle A.
Werk II: Nistkästen für Mauersegler werden montiert.
Foto: Stadt Leipzig / Hochbauamt
"Beim Werk II handelt es sich um eine freiwillige Artenschutzmaßnahme, da vor Brutbeginn keine Tiere direkt betroffen waren. Geeignete Strukturen wurden jedoch versiegelt. Die künstlichen Nistplätze sichern daher den künftigen Bestand von Mauersegler, Haussperling und anderen Arten im Viertel“, erklärt Schilling.
"Generell sollte aber vor jedem privaten wie öffentlichen Bauvorhaben, unabhängig von Bebauungsplan und Genehmigungspflicht, die zuständige Naturschutzbehörde beim Umweltamt informiert werden", mahnt Holger Seidemann, Vereinsvorstand und Umweltplaner. "Nach deutschem Naturschutzrecht stehen zahlreiche wildlebende Tierarten, nach europäischem Recht sogar alle europäischen Vogelarten unter Schutz."
Deshalb sind alle Handlungen strafbar, die eine Störung der Tiere, ihrer Brut oder eine Zerstörung ihrer Wohnstätten bedeuten. Nur ein Expertengutachten kann eindeutig klären, ob eine konkrete Baumaßnahme Tiere und Gelege, Bruthöhlen oder ähnliche Strukturen beeinträchtigt. Es legt auch mögliche Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen fest oder ob die Arbeit zu einem anderen Zeitpunkt beginnen sollte. Werden diese Schritte rechtzeitig vor dem Einrüsten eingeleitet, vermeidet dies nicht nur Ärger, sondern auch massive Verzögerungen und Mehrkosten.
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