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Vorlesen und ein Zeichen setzen: Leipzigs Stolpersteine sollen hörbar werden

Redaktion
Gunter Demnig verlegt Stolpersteine am Löhr's Carré.
Gunter Demnig verlegt Stolpersteine am Löhr's Carré.
Foto: Ralf Julke
Das Bürgerradio Radio Blau (Projektbetreuung: Diana Röntsch und Melanie Albrecht) und die Initiativgruppe "Mahnwache und Stolpersteine putzen" des Friedenszentrums e.V. - Leipzig beteiligen sich an dem Projekt "Hörstolpersteine". Im Rahmen des Projekts haben sich mehrere Freie Radios aus Deutschland und Österreich das Ziel gesetzt, den Stolpersteinen von Gunter Demnig eine weitere Dimension hinzuzufügen.


Im Rahmen des Projekts werden Stolpersteinbiografien vertont. In Form von kurzen Radiobeiträgen erinnern die Hörstolpersteine an die Opfer des Nationalsozialismus. Ähnlich den Stolpersteinen auf der Straße tauchen sie, wenn sie fertig sind, unerwartet im Programm von Radio Blau auf und sollen aufmerksam machen und die Namen und Geschichten der Opfer bewahren. Im Rahmen des Projekts werden bis zum 9. November, dem 75. Gedenktag der Reichspogromnacht, zu möglichst allen Stolpersteinen in Leipzig die dazugehörigen „Hörstolpersteine“ erstellt und gesendet.

Dies braucht viele UnterstützerInnen, um die Erstellung der Hörstolpersteine im Studio von Radio Blau in der Paul-Gruner-Straße 62 zu ermöglichen.

Eine der UnterstützerInnen ist die Leipziger OBM-Kandidatin Frau Dr. Barbara Höll (Die Linke). Sie wird am Mittwoch, 9. Januar, die Kurzbiografie der Familie Frankenthal im Studio von Radio Blau einlesen.

Gunter Demnig verlegt Stolpersteine am Löhr's Carré.
Gunter Demnig verlegt Stolpersteine am Löhr's Carré.
Foto: Ralf Julke

Zur Familie Frankenthal: Im Zuge des Novemberpogroms wurde Dr. Ludwig Frankenthal am 10. November 1938 mit über 500 weiteren Leipziger jüdischen Gefangenen in das KZ Buchenwald verschleppt. Nach vehementer Intervention seiner Frau erfolgte am 28. November 1938 seine Entlassung unter der Bedingung, dass die Familie innerhalb von zwei Wochen Deutschland zu verlassen hat. Am 14. Dezember 1938 konnte die Familie in die Niederlande fliehen. Nach der deutschen Besetzung der Niederlande im Mai 1940, wurde die gesamte Familie am 8. April 1943 in das KZ Westerbork eingewiesen. Am 4. September 1944 erfolgte die Deportation nach Theresienstadt und am 12. Oktober 1944 in das KZ Auschwitz. Während Ilse und Günther in das Lager eingewiesen wurden, sind Dr. Ludwig Frankenthal (58 Jahre) und Wolfgang Frankenthal (13 Jahre) unmittelbar nach der Ankunft am 14. Oktober 1944 ermordet worden.

Dies ist der Stolperstein, an dem Dr. Barbara Höll zum 9. November 2012 eine Mahnwache gehalten hat. In der Stadt Leipzig stand die Gedenkaktion "Mahnwache und Stolpersteine putzen" zum 9. November 2012 unter der Schirmherrschaft von Daniela Kolbe (MdB SPD), Dr. Barbara Höll (MdB Die Linke), Monika Lazar (MdB Bündnis 90/Die Grünen), Wolfgang Tiefensee (MdB SPD) und Dr. Thomas Feist (MdB CDU).

Die Initiativgruppe "Mahnwache und Stolpersteine putzen" ist Preisträger 2012 des Bündnisses für Demokratie und Toleranz - gegen Extremismus und Gewalt bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

Wer Hörstolpersteine einlesen und mit den Initiatoren gemeinsam ein Zeichen setzen möchte, kann sich einen Stolperstein aus der Liste aussuchen. Danach kann man einfach eine E-Mail an 9ternovember@web.de mit dem Namen des Opfers, von dem Stolperstein, für den man den Hörstolperstein einlesen möchte, senden.

Die Liste mit den hörbar zu machenden Stolpersteinen: www.9ternovember.de/index.php?option=com_eventtableedit&view=default&Itemid=98



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