Sächsische FDP-Fraktion stellt die Sonntagsfrage: Dimap-Umfrage sieht Schwarz/Gelb weiter vorn
Ralf Julke
25.08.2011
Die FDP war freudig erregt, als sie am Mittwoch, 24. August, die Ergebnisse der von ihr beauftragen repräsentativen Umfrage zum Wählerverhalten in Sachsen in die Welt gab: "Schwarz-Gelb könnte in Sachsen weiterhin regieren", schrieb sie über die Meldung. Und selbst die Linkspartei freute sich über ihr Ergebnis darin.
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Die FDP-Fraktion im sächsischen Landtag hatte die Institute der dimap-Gruppe beauftragt, zwischen dem 4. und 17. Juli 2011 insgesamt 2.003 repräsentativ ausgewählte wahlberechtigte Bürger Sachsens mit Hilfe computergestützter Telefoninterviews zu befragen - einmal die berühmte "Sonntagsfrage" (Wen würden Sie wählen, wenn am Sonntag Landtagswahl wäre?), dazu die Zufriedenheit mit der FDP-Fraktionsarbeit und zwei Fragen zur Energiewende.
"Repräsentativ" ist die Umfrage schon irgendwie. Ungefähr so repräsentativ wie die Umfrage, deren Ergebnisse die sächsische Staatsregierung im Juni veröffentlichte. Nicht von ungefähr ähneln sich die Ergebnisse.
Demnach läge die CDU im Freistaat bei 43 Prozent, die Linke bei 19 Prozent, die SPD bei 12 Prozent, die Grünen bei 11 Prozent, die FDP bei 6 Prozent und die NPD bei 5 Prozent. Alle anderen Parteien würden den Sprung über die 5-Prozent-Hürde nicht schaffen.
Das Problem beim gewählten Umfrageverfahren ist bekannt. Auf Wikipedia wird es so umrissen: "Die Ermittlung von Stichproben kann beim CATI (Computer Assisted Telephone Interview, d. Red.) über das sog. RLD-Verfahren erfolgen. Aber auch Stichproben aus rein (in öffentlichen Verzeichnissen) gelisteten Telefonnummern oder erweitert um ein Mobiltelefonnummern-Boost - um auch Haushalten ohne Festnetz die Teilnahme zu ermöglichen - sind üblich. Dennoch leidet die Repräsentativität der Stichprobe darunter, dass nur Menschen mit Zugang zu einem Telefon befragt werden können."
Da vorrangig jüngere Personen nur noch über Mobiltelefon erreichbar sind, ist es auch folgerichtig so, dass diese Umfragen von älteren Interviewpartnern dominiert werden. Es kann also durchaus sein, dass einige, von älteren Wählern bevorzugte Parteien, hier deutlich mehr Prozente erhalten, als es im Realfall dann bei der Wahl sein wird.
Wie knapp der mögliche Wahlausgang tatsächlich sein könnte, zeigte die Umfrage der Staatsregierung: Danach käme die CDU auf 42 Prozent der Stimmen, die FDP auf 6 Prozent. Die NPD aber wäre mit 3 Prozent raus aus dem Landtag.
Die Linke käme nach der Befragung vom Frühjahr auf 21 Prozent, die SPD auf 15 Prozent und Die Grünen auf 8 Prozent.
Die FDP scheint dabei - anders als andere FDP-Fraktionen in den Ländern - in Sachsen vom Regierungsbonus zu profitieren. Ein großer Teil der Sachsen sieht die Regierungsarbeit der FDP auf Landes- und Bundesebene differenziert: Während 43 Prozent keinen Unterschied sehen, sind 27 Prozent der Meinung, die FDP leiste bessere Arbeit in der sächsischen Staats- als in der Bundesregierung. 9 Prozent sind vom Gegenteil überzeugt.
In ihrer Haltung zur so genannten Energiewende in Deutschland, dem Atomausstieg bis 2022, zeigen sich die Sachsen gespalten: Während 52 Prozent der Meinung sind, der Ausstieg bis 2022 sei richtig oder komme sogar zu spät, finden 44 Prozent den Ausstieg verfrüht oder gänzlich falsch.
Dies unterstreichen auch die Prioritäten, die die Sachsen in der Energiepolitik sehen: 75 Prozent finden eine gesicherte Stromversorgung sehr wichtig, 71 Prozent bezahlbare Strompreise, je 48 Prozent die Verringerung von Abhängigkeiten sowie des CO2-Ausstoßes. An letzter Stelle rangiert der schnellstmögliche Ausstieg aus der Kernenergie, den 34 Prozent für sehr wichtig halten.
Dass Die Linke mit 19 Prozent weiterhin stärkste Oppositionspartei bliebe, freut dabei sogar den Vorsitzenden der sächsischen Linken, Rico Gebhardt: „In momentan schwierigem Fahrwasser ist die sächsische Linke - entgegen dem Bundestrend - bei 19 Prozent stabil in der Wählergunst. - Das bestärkt uns darin, unsere konstruktive Sacharbeit in Sachsen fortzusetzen und Vorschläge zur Gestaltung von Sachsen zu unterbreiten.“
Möglicherweise geht das für diesen kurzen Zeitraum auffällige Absacken der SPD von 15 auf 12 Prozent auf die heftige Reaktion der Partei auf den Vorschlag ihre eigenen Vorsitzenden zurück, einer künftigen Koalition mit den Linken aufgeschlossen gegenüberzutreten. Das "Nein" aus etlichen Regionalverbänden war unüberhörbar. Das hat wohl mancher Sachse gleich so interpretiert, dass die SPD in Sachsen gar keinen Politikwechsel will. Da wählt man wohl besser gleich die Regierung, die man sowieso hat. Mit hoher Wahrscheinlichkeit besitzt Sachsen den SPD-Verband mit der allergeringsten Lust für Regierungsverantwortung.
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