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Inflation in Sachsen: Teurer Start in den Herbst

Ralf Julke
"Hallo, schönen Tag auch, da bin ich!", verkündete am Mittwochmorgen die Inflation. Sie lächelte aus einer Pressemitteilung des Landesamtes für Statistik. Sie steckte gleich im ersten Satz: "Die Jahresteuerung erreichte nach 2,5 Prozent im April und Juli im September mit 2,6 Prozent den bisher höchsten Stand in diesem Jahr. Ein stärkerer Anstieg (2,7 Prozent) war zuletzt im Oktober 2008 zu verzeichnen."

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Die Inflation ist die gehorsame Schwester des Wachstums. Sie ist immer da. Meist nicht so auffällig, irgendwo im Bereich von 1 bis 2 Prozent im Jahr, mit dem die Notenbanker und Finanzminister Europas in der Regel zufrieden sind. Stabil nennen sie das. Richtig Angst haben sie nur vor der anderen Schwester - der Deflation. Und wenn sich Fräulein Inflation bedrohlich der 0-Marke nähert, wird Alarm geschlagen. Deflation ist etwas Böses. Dann sinken die Preise. Da würde sich zwar Lieschen Müller freuen, weil sie sich von ihrer Rente endlich wieder eine Tüte Pralinen leisten kann. Aber für die Wächter des Wachstums ist das ein Alarmzeichen.

Denn wenn die Preise sinken, heißt das, es gibt zu viele Waren auf dem Markt - und zu wenige Käufer. Das gefährdet - naja - die Wirtschaft.

Weil die deutschen Statistiker aber alle Preise, die der gewöhnliche Verbraucher so bezahlt, in einem "Warenkorb" zusammenfassen, bekommen diese auch immer nur eine Durchschnittsinflation serviert. Jeden Monat neu. Denn im Einzelnen tanzen die Preise gern auf und ab. Manche sind direkt mit der Saison gekoppelt und sinken im Preis, wenn das Angebot saisonal größer wir - und dann steigen sie wieder.


Manche steigen mehr als sie fallen. Deswegen sind Monatsauswertungen allein wenig aussagekräftig. Erst die Zeitreihen über mehrere Jahre entlarven die Preistreiber. Und zeigen, wo sich auf dem Weltmärkten tatsächlich die Angebote verknappen, auch wenn das der eine oder andere Lobby-Vertreter ableugnet bis zum Platzen der nächsten Blase. Erdöl zum Beispiel. Ein idealer Indikator einmal für das Aufdrehen der Weltwirtschaft - und gleichzeitig für das Verknappen der Weltvorräte.

Auch im Monat September waren Mineralölerzeugnisse Preistreiber Nummer 1: Speziell war „Heizöl“ 23,9 Prozent teurer als noch vor einem Jahr, „Diesel“ war 15,6 Prozent sowie „Superbenzin“ 12,3 Prozent teurer. Seit 2005 ist Heizöl mittlerweile um 57 Prozent teurer geworden. Und das bei einer Gesamtinflationsrate von 12,4 Prozent. Und da Energie für alles Mögliche gebraucht wird, hat die Verteuerung des Heizstoffes natürlich auch andere Warenkosten verteuert.

So stellen die Statistiker fest, dass sich die „Umlage für Zentralheizung“ gegenüber September 2010 um 9,8 Prozent, „Strom“ um 4,6 Prozent und „Gas“ um 2,2 Prozent verteuert hat. Strom hat sich in den letzten sechs Jahren allein um 43 Prozent verteuert.

Wie sehr der sächsische Einkaufskorb von den Verteuerungen auf dem Weltmarkt abhängig ist, zeigt die Teuerungsrate im Lebensmittelhandel des vergangenen Jahres von insgesamt 3,7 Prozent. Besonders „Kaffee“ (27,0 Prozent), „Säfte“ (12 bis 18 Prozent), „Pflanzenöle“ (30,0 Prozent), „Margarine“ (22,8 Prozent) und „Butter“ (12,2 Prozent) belasteten merklich die Haushaltskasse.

Auch der Wechsel auf die neuen Kollektionen bei „Bekleidung und Schuhen“ führte im Jahresvergleich zu einer Preiserhöhung von rund sechs Prozent. Bedingt durch den Übergang von der Sommer- auf die Herbstware und damit dem Ende der Abverkäufe verteuerten sich von August auf September „Bekleidung“ (9,4 Prozent) und „Schuhe“ (10,0 Prozent). Aber der Blick auf die Tabelle zeigt auch: Gegenüber dem Vorjahr sind sie auch um 5,5 Prozent teurer. Seit 2005 haben sie sogar um 29,5 Prozent zugelegt. Deutlich über der Inflationsrate also. Womit ganz zentrale Warenposten sich über die sechs Jahre in einem stetigen Verteuerungsprozess befinden.

Kostendämpfungen findet man nur bei "saisonabhängigen Nahrungsmitteln“: Sie sind gegenüber August um 2,0 Prozent preiswerter geworden, hauptsächlich, weil Gemüse (einschl. Kartoffeln) um 2,2 Prozent preiswerter wurde. Obst hingegen wurde nur um 0,9 Prozent preiswerter, ist tatsächlich 3,3 Prozent teurer als vor einem Jahr.

Und mit dem Ende der Haupturlaubszeit sind auch die „Miete für Ferienwohnungen“ (-25,1 Prozent), „Pauschalreisen“ (-8,8 Prozent) und „Personenbeförderung im Luftverkehr“ (-2,8 Prozent) wieder preiswerter geworden. Bis zur nächsten Reisesaison.

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